01 August 2012

Tourismus ade am Königssee...

Die Ereignisse am Königssee überschlagen sich. Eine Unterschriftenaktion der vom Staat betrogenen Geschäftsleute brachte bereits in wenigen Stunden 1.200 Unterstützer. Ein Ladeninhaber hat sogar einen Sarg vor sein Geschäft gestellt. Ein aktueller Fall von Activist Art, also künstlerischer Darstellung einer Schädigung, die von Machthabern ausgeht.

Wer so etwas macht, der ist schwer getroffen. Das ist kein Spaß mehr. Ich erinnere mich selbst an solche Verletzungen und Eingriffe in meine Existenz, die Pleite von BenQ, ausgelöst von einem Konzernboss aus Taiwan und die jahrelang andauernde Nichtzahlung von Schulden durch die Regierung Argentiniens mit Hilfe aller Regierungen. Ich möchte nicht in der Haut der Geschäftsleute am Königssee stecken, denen das Landratsamt über Nacht die Läden dicht gemacht hat.

Es ist immer der selbe Fall: Technokraten in Amtsstuben wollen irgendwas machen, ein Gesetz durchziehen, für Ruhe und Ordnung sorgen. All zu oft reden Sie nicht mit den Betroffenen. Sie scheuen das Gespräch und arbeiten sich nicht in die jeweilige Lage ein. Dass die Verantwortlichen im Landratsamt Berchtesgadener Land nicht einmal die wichtigsten Monate im Tourismus kennen, zeigt diesen Mangel an Kompetenz. Neben dieser offen zur Schau gestellten Unwissenheit=Dummheit gesellt sich jedoch auch ein grundsätzlich ethisches Defizit. Das Landratsamt hat nämlich keine Mafia-Höhlen geschlossen, sondern ist auf die Menschen losgegangen, die sich für den Staat einsetzen und sogar am Sonntag ohne Sonn- und Feiertagszuschläge, arbeiten. Ehrliche Leute werden vom Staat also mit Methoden bekämpft, wie sie auf Sizilien herrschen. Die eigenen Leute umzubringen ist ganz und gar unchristlich. So geht man nicht miteinander um.

Grund genug also, sich einmal anzusehen, ob es in diesem Fall Verantwortliche gibt und was diese Verantwortlichen machen:

1. Georg Grabner, Landrat (CSU): Er trat bisher nicht in Erscheinung. Als ehemaliger Buchhalter müsste er schon ein bisschen über den Tourismus und die Umsätze der Geschäftsleute Bescheid wissen. Eigentlich ist Grabner kein Unguter; lief früher mal als "Brotzeit Schorsch" durch die Gegend, also als festiver Hochfrequenzpolitiker bei Feuerwehr- und Veteranentreffen. Was ihn geritten hat, die eigenen Leute zu schädigen, werden wir erst herausfinden, wenn er sich mal zu Wort meldet. Er ist untergetaucht wie Konrad Adenauer nach dem Mauerbau.

2. Andreas Bratzdrum, Pressesprecher (CSU): Der Langzeit-Unionist tritt mit Statements in den Medien auf, die Kenner erschauern lassen. Anstatt Verständnis für die Lage der Geschäftsleute zu zeigen, beharrt er auf die kruden Gesetzesvorstellungen seiner Verwaltungstruppe. Er kommt aus dem nördlichen Landkreis Traunstein, hat also weder von der Tourismusbranche noch von Trachten eine Grundahnung. Brabbelt deshalb ständig irgendwas von "Landhausmode" vor sich hin. Vor einigen Wochen gingen Bratzdrum und einige CSU-Kumpels an die Öffentlichkeit. Er möchte in Traunstein Landrat werden. Ob die CSU den Zeitpunkt der gewaltsamen Ladenschließung gewählt hat, um durch die zu erwartende mediale Aufmerksamkeit im Hochsommer bekannt zu werden und ein Image als harter Hund aufzubauen? Sein Mitbewerber Siegfried Walch tritt derweil im Inzeller Anzeiger auf und strickt auf örtlichen Kaffeekränzchen Mützen.

3. Roland Richter, Mitglied des Landtags (CSU): Er schaffte es, mit einer "Hilfzusage" in die Presse zu kommen. Seine Dienstleistung: Briefe von Geschäftsleuten sammeln,  in einen Umschlag stecken und dann an ein Ministerium schicken. Diese "Briefkastenfunktion" wurde in Bayern schon vor 15 Jahren von den Regierungen abgeschafft. Ob Richter weiß, welches Ministerium zuständig ist und um welche Rechtsfrage es geht?  Hauptsache ein Bild im Trachtenanzug in der Zeitung (Landhausmode?). Richter ist erstmal in Urlaub gegangen.

4. Dr. Peter Ramsauer, Mitglied des Bundestags (CSU): Über allen steht "Ramses", dem der Fall bekannt ist, der aber nichts sagt und nichts unternimmt. Eigentlich gehört die Dorfentwicklung und die Erhaltung lebendiger Ortszentren zu seinem Kerngebiet als Minister für Städtebau. Jedoch vermissen viele Dörfler hier und überall ein besonderes Engagement. Wichtiger scheinen die Themen Logistik, Sportstätten und die Salzburger Festspiele. Tourismus ist dann wichtig, wenn größerer Bauprojekte von größeren Bauunternehmern damit verbunden sind. Ramsauer kommt aus Traunwalchen. Dort gibt es einen Gebirgstrachtenerhaltungsverein, obwohl es dort kein Gebirge gibt. Die Schönauer Trachtler waren bei ihm schon im Ministerium. Weht von daher der Wind? Ramsauer ist derzeit in seinem Heimatwahlkreis nicht präsent.

Ergebnis: Die CSU als traditionell herrschende Partei im Berchtesgadener Land hat derzeit niemanden, der sich der Sache wirksam und kompetent annimmt. Ein klares Politikversagen, garniert mit einer nicht vorhandenen Opposition. Einzig und allein Andreas Bratzdrum setzt sich der Öffentlichkeit aus, was zu respektieren ist.  Er könnte auch schweigen, wie alle anderen. Vielleicht gelingt es, wenigstens ihn über die Einzigartigkeit der Königsseer Ladenzeile und deren Ausstrahlungswirkung auf Touristenorte in den Bayerischen Alpen zu informieren.

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