21 Juli 2012

Isar München: Dokumentation einer Zerstörung

Hier sehen wir die Isar am Wehrsteg an einem regnerischen Vorabend de 20. Juli 2012. 

Dies ist der Vater-Rhein-Brunnen, der im Sommer 2012 gastronomisch genutzt wird.

Die Isar an diesem Platz dient als Refugium vieler Münchner und Besucher Münchens. Ich kenne keine Millionenstadt, die einen solchen Ort des freien Aufenthalts aufzuweisen hat. Arm und Reich trifft sich
an den Schotterbänken ungezwungen für sich und doch vereint. Das bedächtige Rauschen des kleinen Gebirgsflusses und die Weite mitten im Stadtgebiet sorgen für heilende Kraft. Die Isar an dieser Stelle ist ein heiliger Ort.

Mittlerweile leben wir in einer Spaß- und Eventkultur. Der einzelne zählt nicht viel. Er zählt dann, wenn er sich unter einem Dach oder in einem umgrenzten Raum mit anderen zusammen stellt und kon-
sumiert. An der Isar, so wie sie ist, kann kein Geld ausgegeben werden. Das macht sie verwundbar.

Ich habe den politischen Prozess zur Kommerzialisierung der Isar in meinem Blog dokumentiert.

Der Prozess ist schon weit fortgeschritten und bleibt noch immer relativ unbeachtet. In den Medien tauchen dann Berichte auf, wenn von den Urbanauten Fotos weitergegeben werden mit Projekten, die für Aufsehen sorgen sollen. Zuletzt durch ein Freibad in der Isar, das in der TZ und der SZ regelrecht bejubelt wurde.

Ab und zu erfährt man von Treffen von Entscheidungsträgern, die öffentlich zugänglich sind. Ein solches Treffen fand am 20. Juli 2012 im Pfarrsaal von St. Lukas statt. Die Teilnehmer auf dem Foto von links nach rechts: Dr. Otto Bertermann (FDP-Mitglied des Landtags), Josef Schmid (CSU-Stadtrat), Michael Ruhland (Autor und Moderator), Ludwig Wörner (SPD-Landtag), Sabine Nallinger (Grüne-Stadtrat).


Treibende Kraft der Kommerzialisierung der Isar ist Benjamin David (siehe Foto oben). David war mal bei Green City und hat eine Plattform aufgebaut, die als Urbanauten auftritt. Die Urbanauten erhalten immer wieder städtische Fördermittel. Nähere Informationen enthält eine Antwort der Stadtverwaltung auf eine Stadtratsanfrage.

Für die Durchführung verschiedener Flashmobs erhielten die Urbanauten 2009 34.600 Euro.

Eine Offenlegungspflicht ihrer Finanzen unterliegen die Urbanauten nicht, da sie als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts oder nur durch Benjamin David wirtschaftlich und politisch auftreten. Eine Einnahmequelle ist die sommerliche Freischankfläche auf öffentlichem Raum, wozu als gastronomischer Partner die "Convivium Gastronomie" fungiert. Auf der Internetseite der Urbanauten finden sich viele "Partner" des privaten Sektors, z. B. BMW AG, Radio Charivari, PRINZ, Allianz, aber auch des öffentlichen, aus Steuermitteln finanzierten Sektors, z. B. Kulturreferat München, TU-Lehrstuhl Raumgestaltung, Bayerische Staatsoper. Ein Beispiel für diese Mischfinanzierung ist die Aktion einer "Opernhausbesetzung", die von der Staatsoper und BMW gesponsert wurde. 












Hier sehen wir Benjamin David und Sabine Nallinger, die für die Grünen für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren möchte. 


Die Urbanauten unterhalten enge politische Kontakte nicht nur zu den Grünen, sondern auch zur SPD, deren Oberbürgermeister die Gastronomie als Schirmherr bewirbt und auch zur CSU, die sich  für die Gastronomie der Urbanauten einsetzt.


Als einziger Gaststättenbetrieb schaffte es die Convivium durch den politischen Einfluss der Urbanauten, eine Genehmigung für eine Freischankfläche in einem Landschaftsschutzgebiet und auf einem Denkmal zu erhalten.

Ideologisch sind die Urbanauten den sogenannten Bobos nahe. Man holt sich, was man braucht, nutzt alle Freiräume und zieht wieder ab. Urban ist das, was von Bobos so definiert wird. Unterzuordnen haben sich Einwohner, Andersdenkende und Menschen, die ihnen die Freiräume streitig machen. Man besetzt Räume (Flashmob), verkauft dies als Kultur, und lebt gut dabei. Waren die Bobos früher im Grünen Milieu tonangebend, sehen wir diesen Typus nun auch bei anderen Parteien. Diese schließen sich immer mehr zusammen, um ihren Lebensstil durchzusetzen und erklären alles andere als alternativlos.


Beispielhaft zeigt sich das an der Kommunikationsstrategie der Urbanauten, die ich von Beginn an dokumentiert habe. Seit Benjamin David das Thema Isargestaltung für sich entdeckt hat, geht er dies mit allen Mitteln der Ausgrenzung und Unterdrückung Andersdenkender an. Hilfsmittel ist dabei das Münchner Forum. Das Münchner Forum beschreibt sich selbst als Diskussionsforum für Münchner Stadtentwicklung. Es handelt sich um einen eingetragenen Verein, der ursprünglich vom  Geiste des Alt-Oberbürgermeisters Vogel erfüllt war. Dieser ließ in den 60er Jahren ganze Schneisen in die Altstadt schlagen, um eine autogerechte Stadt zu verwirklichen. Es gab Proteste von Bürgern. Diese Bürger sollten durch Diskussionsplattformen wie dem Münchner Forum mitreden können.


Ich habe meinen Beitritt zum Münchner Forum erklärt, um über den Verein demokratisch und im Rahmen der Meinungsfreiheit mitreden zu können.


Auf dem Foto sehen Sie Wolfgang Czich. Er leitet den Arbeitskreis "Isarlust" des Münchner Forums und der Urbanauten. Er hat mir gestern auf Nachfrage gesagt, der Vorstand des Münchner Forums würde auf meinen Mitgliedsantrag nicht antworten. Er wolle mich nicht aufnehmen und ich hätte dadurch nichts in der Hand, um gegen einen Ablehnungsbeschluss zu klagen. Eine Klage hätte vielleicht Erfolg gehabt. Das Münchner Forum stellt nämlich in seiner aktuellen Satzung als Zweck auf "wissenschaftliche Erkenntnisse" ab. Weder Wolfang Czich noch Benjamin David verfügen nämlich über wisssenschaftliche Befähigung, nachgewiesen in einer Promotion. Wenn dagegen Doktoren abgewiesen werden, ist klar, dass dies aus anderen, als Vereinsgründen, geschieht.  In einem Klageverfahren könnte damit der Kern des Vereinszwecks, nämlich eine Lobbyorganisation zur Überzeugung der Bürgerschaft, gerichtlich offen gelegt werden. 


Wolfgang Czich leitete am 26.03.2012 eine Versammlung im Café der Muffathalle. Ich meldete mich, wie andere, zu Wort. Er nahm mich wahr, sprach sich kurz mit Benjamin David ab und "sah mich nicht". Das merkten einige Teilnehmer neben und hinter mir und fragten mich, was los sei. Einer stand dann auf und äußerte sich gegen dieses auferlegte Redeverbot. Erst dann konnte ich mein Anliegen äußern. Auf der Facebook Seite "Isarlust" hat der Administrator die Funktion der Teilnahme an Diskussionen deaktiviert. Ich kann dort nicht, wie andere, meine Meinung äußern.












Moderator Michael Ruhland hat ein Buch über die Isar herausgegeben. Er ist Chefredakteur der Zeitschrift "Bergsteiger". Ich habe ihm vor der Veranstaltung gesagt, dass meine Meinung unterdrückt wird und ihm mein Missfallen gegenüber den Leitmedien geschildert. Die Süddeutsche Zeitung macht z. B. seit Jahren Werbung für die Urbanauten und deren Isarpläne. Auf der Internetseite der SZ werden immer wieder kritische Leserbriefe gelöscht, die sich zum Thema kurz auftauchen. Das Bayerische Fernsehen bewarb die Freischankfläche der Urbanauten. Eine Diskussion über die Urbanauten, deren Rolle im politischen Vorfeld ohne demokratische Legitimation, fand bisher nicht statt.

Michael Ruhland räumte den Anwesenden eine "Fragerunde" ein. Es durften also kurz Meinungen geäußert und dann Fragen an die anwesenden Politiker gestellt werden. Die Fragerunde nahem acht Minuten von Einer Stunde und 43 Minuten ein.













Dr. Otto Bertermann lebt seit 30 Jahren an der Isar in der Au, gegenüber der Museumsinsel. Er könne sich tolle Dinge vorstellen, wie ein Schiff vom Tegernsee, das auf dem Kanal hin und her schippern solle. Der Gegensatz von Arm und Reich solle nicht an der Isar ausgetragen werden, sondern durch andere Maßnahmen. Auf alle Fälle solle man die Bürger einbinden und beteiligen. Eine solche Beteiligungsmöglichkeit durch die FDP ist nicht bekannt.












Josef Schmid ist ein Fan der Urbanautengastronomie. Er möchte schon seit langem die Einrichtung eines "Paris Plage" an der Isar. Dies sei urban und das brauche München. Ein befreundeter Zahnarzt aus der Steinsdorfstraße gehe ganz begeistert zu den Urbanauten und freute sich bereits auf den Isarausbau, die Gastronomie und vielen Veranstaltungen. Er sei zu der Runde gekommen, obwohl er zum Schützenverein müsse.












Ludwig Wörner spricht von Stadtgefühl, von Bibern und der Wichtigkeit eines freien Naturraums in einer Großstadt. Es sei jedoch grundsätzlich alles möglich. Vor 30 Jahren galten schließlich auch Straßenfeste mit Türken und Griechen  als unmachbar. Würstlstände und Bierbuden an der Isar seien nicht alles. Jedoch würde er an der jährlichen SPD-Veranstaltung festhalten wollen. Diese sei schließlich urban, da aus Wien abgeschaut.












Sabine Nallinger war 2009 mit dem Rad an der Isar. Sie findet die Zweibrückenstraße äußerst hässlich und möchte umgestalten. Die Isar soll näher an die Altstadt geholt werden; eine gedachte Verlängerung der Fußgängerzone. Dabei seien Meinungen oder Beschwerden einzelner zu vernachlässigen. Die Einwohner hätten eine soziale Pflicht, alle Änderungen hinzunehmen. Es gäbe zu den Ausbauplänen und Events keine Alternative.

Ergebnis: Der Charakter der Isar soll zerstört werden. Alle, die das nicht wollen, sollen doch bitte den Mund halten, es hinnehmen oder wegziehen. Es ist alles alternativlos. 

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