13 Dezember 2011

Isar München: Antrag an den Vorstand der Sektion München des Deutschen Alpenvereins e. V.

Thema: Kommerzialisierung der Isar in München

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit stelle ich folgenden Antrag:

Der Vorstand der Sektion München beteiligt sich an der Diskussion um die Neugestaltung der Isar zwischen Cornelius- und Maximiliansbrücke unter Beteiligung der Sektionsmitglieder.

Begründung:

Die Landeshauptstadt München bereitet gerade eine Kommerzialisierung der Isar
in der Münchner Innenstadt vor. Dazu gibt es bereits Diskussionsrunden:


Der Deutsche Alpenverein ist unmittelbarer Anlieger auf der Praterinsel (Alpines Museum).

Der Deutsche Alpenverein hat sich des weiteren in der Satzung zum Natur- und Kulturschutz verpflichtet.

Ich bin seit einigen Jahren stilles Vereinsmitglied und gehöre der „Fraktion“ der Bergwanderer an. Bergwandern ist für mich fester Bestandteil meines Lebens. Vor allem wegen dem Gefühl, das damit verbunden ist. Meine Wanderungen mache ich oft von der Stelle am Kabelsteg aus. Man hört dort die  Isar rauschen und nach einer Bergtour bürste ich darin die Schuhe ab. In der Fantasie fühle ich mich am Kabelsteg wie an der Reintalangerhütte oder anderen vergleichbaren Stellen, z. B. am Tagliamento.

Diese Isarstelle ist ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal Münchens. München ist eine Alpenstadt. Maßgebliche Kulturträger haben an dieser Stelle gewirkt wie Ludwig Ganghofer oder Lion Feuchtwanger. Ein maßgeblicher Münchner Lebensstil findet in der Stadt und in den Bergen statt. Ausdruck dieses Lebensstils ist die Isar an der Stelle, wo auch der Alpenverein seinen Hauptsitz hat. Es gibt keine andere Millionenstadt, die einen vergleichbaren Ort hat. Dieses Geschenk muss man annehmen und schützen.

In der abgelaufenen Wandersaison habe ich eine Bestandsaufnahme gemacht, war auf dem Hochkönig, Watzmann, der Zugspitze, Keeskogel und zahlreichen kleineren Gipfeln, habe Dutzende Hütten und Almen besucht. Es gibt noch versteckte Schönheiten und es kommt noch an einigen Stellen ein richtiges Almgefühl auf. In vielen Fällen kann man jedoch getrost von Alpendisneyland reden. Der Alpenverein unterstützt diese Entwicklung durch Konzentration auf den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und Stillschweigen zu wichtigen Themen.

Dies muss geändert werden. Ich bin mit meiner Auffassung nicht allein. Auf vielen Hütten begegnet man Menschen, die im Alpenverein nur noch einen  Kommerzklub sehen. Rucksäcke und Wanderkarten verkaufen und Fernreisen organisieren ist jedoch kein Vereinszweck. Die kritischen Äußerungen,
die man auf den Hütten hört, erspare ich Ihnen lieber.

Es ist an der Zeit, dass der Alpenverein sich wieder seiner Grundsätze besinnt und Stellung zu Vorgängen bezieht, die ihn unmittelbar betreffen wie ein weiterer Kommerz der Isar. Die Spaßgesellschaft muss ihre Kraken nicht überall hin ausstrecken.

In diesem Sinne würde ich mich sehr freuen, wenn der Vorstand sich sofort an der Diskussion beteiligte und mein Anliegen aufnähme.

Sollten Sie das nicht tun, möchte ich bitte meinen Antrag in der nächsten Jahreshauptversammlung auf der Tagesordnung sehen.

Ich veröffentliche dieses Schreiben auf meinem Dorfkramer Acitivist Blog.
Bitte leiten Sie es auch an den DAV-Bundesverband weiter, der für die Immobilie auf der Praterinsel zuständig ist.
Für die Isarstelle im Münchner Zentrum ist jedoch einzig und allein die Sektion München zuständig (im Falle, dass Sie sich drücken wollen).

  
Mit freundlichen Grüßen


Dr. Stefan Engelsberger

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