12 Dezember 2011

Vernichtung der Isar: Dorfkramer erklärt Beitritt zum Münchner Forum

Nach einiger Zeit der Ruhe meldet sich der Dorfkramer wieder, weil sein unmittelbarer Lebensraum an der Isar bedroht ist. Die Verwaltung der Landeshauptstadt München möchte "Urbanität" an der innerstädtischen Isar, also Kommerz und billige Unterhaltung wie in anderen Stadtbereichen auch. Zur Erinnerung:

Die teilweise noch intakte Münchner Kultur besteht aus Menschen, die ihre Ruhe haben wollen und ursprünglich, aber bequem leben. Nachteil dieser Kultur ist, dass es kein Bürgertum mehr gibt, das sich für die Erhaltung wichtiger Lebensräume einsetzt, sondern deren Gestaltung ortsfremden Leuten überlässt, die wie Heuschrecken ganze Viertel gentrifizieren. Diese Heuschrecken, Bobos genannt, versuchen mit ihrer Filzästhetik alteingesessene Altbayern zu verdrängen und ihre Auffassung von großstädtischem Leben global einheitlich umzusetzen. Zentren sind Gracia (Barcelona), Prenzlauer Berg (Berlin), Glockenbach (München), Spittelberg (Wien), usw. Die Bobos treten im Rudel auf und nutzen ihren Einfluss in Stadtverwaltungen über die Grünen. Sie schalten sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor und geben sich damit eine Legitimation, die sie nicht haben. Die überforderten Politiker anderer Parteien, erkennen das nicht und halten an althergebrachten Gedanken fest wie einer generellen Ablehnung einer Gebäudemodernisierung und der Diffamierung von Hauseigentümern als Wucherer. Ein vernünftiger Diskurs über Mikrokulturen und Möglichkeiten, diese zu erhalten und Wohnviertel aufzuwerten, findet nicht statt. Es herrscht ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb, den die Bobos als Vorposten der vergesellschafteten Immobilienindustrie bisher weltweit für sich entschieden haben.

In München äußert sich das in der Besetzung des Öffentlichen Raums. Maßgebliche NGO sind dabei die Urbanauten, die durch nichts legitimiert sind als durch ihren Internetauftritt und die von der Stadtverwaltung und Großkonzernen unterstützt werden. Nunmehr haben sich die Urbanauten als Spielplatz eines der letzten Refugien des Münchner Lebensstils -Leben und Leben lassen- die Isar zwischen Ludwigs- und Maximiliansbrücke ausgesucht, die es zu gestalten gilt und zwar durch Gastronomie wie Cafés und einer Vergrößerung des Biergartens der Muffathalle. Kommerz statt Kultur der Freiheit ist angesagt und das ist ein Angriff auf die Lässigkeit und Erdverbundenheit, die diesem Bereich eigen ist. Die Isar in München ist eben nicht der Wienkanal oder die Seine, sondern sie ist vom Charakter her ein Gebirgsfluss zu dem eine gebirgsnahe Landschaft passt. Setzen sich die Urbanauten mit ihrer globalen Vereinheitlichung durch, wird München sein kulturelles und städtebauliches Alleinstellungsmerkmal der Stadt im Gebirge, bzw. des Millionendorfs für immer verlieren.

Für den Dorfkramer ist deshalb mal wieder Kampfzeit angesagt. Die Urbanauten bedienen sich des Münchner Forums zur Durchsetzung ihrer rein kommerziellen Interessen. Das Münchner Forum ist jedoch ein offener, gemeinnütziger Verein. Jeder kann beitreten und seine Meinung äußern. Bisher ist es so, dass nur die Urbanauten und die Vogelschützer, bzw. Naturschützer zu Wort kamen. Das muss sich ändern und der Dorfkramer muss den Verantwortlichen vermitteln, welche kulturellen Werte vernichtet werden, wenn sich die Urbanauten durchsetzen.

Damit grenzt sich der Dorfkramer klar vom "Isarindianer" Willy Michl ab. Der Willy erzählt seit Jahrzehnten den üblichen Stuss von Frieden und Naturverbundenheit, vergisst dabei aber, dass er als Indianer wie seine Vorbilder gerade dabei ist, abgeschlachtet zu werden. Willy Michl hat sich auch vom Alpenverein sang- und klanglos abservieren lassen, statt zu versuchen, sein Anliegen den anderen Mitgliedern deutlich zu machen. Der Alpenverein hat sein Hauptquartier auf der Praterinsel und wird nichts unternehmen, um die Isar als wenig angetasteter Gebirgsfluss zu erhalten. Es geht schon längst nur noch um Kohle. Der Dorfkramer wird auch hier in der nächsten Mitgliederversammlung Stellung beziehen. Willy Michl werden wir dann in irgendeinem Reservat wiederfinden, vielleicht auf einem Parkplatz zwischen Aldi und Kik.

Die nächsten Stationen sind klar: Teilnahme am Arbeitskreis des Münchner Forums, Äußerungen, Lobbying beim Bezirksausschuss. Vor allem Buckeln bei den Nachbarn, da diese politisch abgestumpft sind und alles mit sich machen lassen. Nach der Kommerzialisierung des Isarbereichs kommt jedoch die Entmietung und dann wundern sich alle, wenn sie wegziehen müssen und die Bobos kommen.

Dorfkramer fordert eine Verkehrsberuhigung an der Isar und hochwertige Dinge, wie die Lichtinstallation am Stauwehr oder neue Ampeln und Laternen. Dorfkramer wehrt sich jedoch gegen jeglichen Eingriff in den Lebensraum, vor allem durch die unsägliche Urbanauten-Bretterbudenkultur, die sie am Vater-Rhein-Brunnen vor hat.

1 Kommentar:

Gelenkgesund hat gesagt…

Na viel Erfolg! Aber der Zug ist vermutlich schon längst abgefahren, zumal immer mehr junge Leute den von Hintermännern gegründeten Protestorganisation hinterlaufen. Denn zum Durchschauen dieser Machenschaften muss man ein gewisses Alter erreicht und Erfahrung angesammelt haben.