02 Dezember 2011

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: Kultureller Verfall

Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.


Antrag

Die Landeshauptstadt München prüft Sondernutzungsgenehmigungen des öffentlichen Raums auf Kulturverträglichkeit und stellt das Benehmen mit dem Bezirksausschuss Altstadt-Lehel her.

Begründung:

Die Bayerische Verfassung stellt in Art. 3 klar: Bayern ist ein Kulturstaat. Der Staat schützt die kulturelle Überlieferung.

Der Bezirk Altstadt-Lehel ist nicht nur Einkaufszentrum, sondern das kulturelle Herz des Freistaats Bayern. Frühere Generationen haben diese Tatsache durch umsichtige Erhaltung bedeutender Kulturgüter, vor allem eines herrschaftlichen und bürgerlichen Stadtbilds, beherzigt.

In den letzten Jahren zeigen sich Gegenströmungen der heutigen Spaßgesellschaft, die billiges Vergnügen über behaglichen Genuss und Lebensfreude stellen. Zum Ausdruck kommt diese Spaßgesellschaft in folgenden Beispielen:

-Die Besetzung des Wittelsbacher Platzes durch den Hamburger Fischmarkt, Rittermarkt, Snow City mit Hüttengaudi und anderer einfacher Belustigung,
-überkleben großer Flächen von Kirchen mit billiger Werbung wie bei der Theatinerkirche,
-Bier- und Glühweinbikes mit grölenden und saufenden Männern,
-Bretterbuden überall mit Flaschenbier, Werbeliegestühlen, Popberieselung,
-Flohmärkten,
-usw. usw.

Beispiele für die Bretterbudenkultur ist der Urbanautenstrand, der als „Kulturstrand“ verkauft und von der Stadt gefördert wird. Anstatt auf der Corneliusbrücke zu bleiben, wo er eigentlich hingehört, geht er demnächst auf die Isarinsel beim Vater-Rhein-Brunnen und beschert diesem hochwertigen Ruheort eine kulturelle Abwertung sondersgleichen mitten im Landschaftsschutzgebiet. Bretterbudenkultur sind jedoch auch die „Weihnachtsmärkte“ überall, sogar am Chinesenturm und das überflüssige „Isarinselfest“ mit den größten Urin- und Kotzrückständen der Stadt außerhalb der Wiesnzeit.

Das einzige, was die Münchner kulturell zustande bringen, sind offensichtlich Flohmärkte an jeder Ecke. Die Flohmarkt- und Filzkultur gehört jedoch nicht ins Lehel, sondern traditionell ins Glockenbachviertel/Isarvorstadt und soll dort auch bleiben. 

Wenn solche kulturellen Verfehlungen schon stattfinden müssen, dann an geeigneten Plätzen in geeigneten Viertel. Die Altstadt muss auf hochwertige Kultur achten, da sie Ausstrahlungswirkung auf Bayern hat. Das Lehel ist traditionell ein kulturell hochwertiges Wohnviertel, in dem sich als letzes Refugium Freigeister, Gescheiterte und Erfolgreiche ein Stelldichein geben. Menschen in besonderen Lebenslagen brauchen jedoch Freiräume und dürfen nicht durch kulturelle Verwahrlosung in ihren Entwicklungsprozessen gestört werden. Sonst flüchten sie nämlich nach New York, Buenos Aires oder auf die Alm.

Lehel leitet sich von Lebensfreude ab, von einer gewissen Lässigkeit der Einwohner, die wissen, wie es in der Oper oder in den Kammerspielen aussieht, in den Kirchen und Kantinen und vor allem, denen es größtes Vergnügen bereitet, ohne billigen Kommerz Stadtspaziergänge zu unternehmen und ohne Zwang an der Isar herumzulungern und im Biergarten, in den Lokalen oder auf dem Balkon abzuhängen.

Mit der Förderung der Billigkultur gibt die Landeshauptstadt München seit Jahren jeglichen Anspruch auf und sie geht den klaren Weg hin zu Billigorten wie Berlin, Malle oder Ischgl.

Es reicht.

Die Bezirke müssen gestärkt werden und es müssen sich wieder Stadtteilidentitäten herausbilden, um überhaupt noch von Kultur sprechen zu können. Alles andere ist weiterhin ein Weg zum Einkaufszentrum ohne Anspruch.

Die Urbanautenbretterkiste soll verboten werden und in die Isarvorstadt zurück zur städtischen Filzfraktion. Die Filzfraktion soll sich des weiteren hüten, die Isar durch weitere Billigkulturmaßnahmen im Rahmen des „Isarplans“ zu vergewaltigen und den letzten Rest an echtem Münchner Leben zu vernichten, das vor allem heißt:

Mei Ruah möcht i ham !

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