22 Februar 2011

Sportwetten: Süddeutsche Zeitung arbeitet für Automatenaufsteller Gauselmann

Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute in einem großen Artikel über die Bestrebungen der Gauselmann-Gruppe, das Sportwettenmonopol aufzubrechen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gluecksspiel-sportwetten-wwwkasse-machende-1.1063097-2

Ein Blick zurück: Vor einigen Monaten habe ich (=Dorfkramer) eine Sportwettlizenz beantragt, um schon bei der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft in Inzell ein kleines Wettbüro aufzumachen. Dies wurde von der Regierung der Oberpfalz mit einem Anhörungsschreiben beantwortet. Die Hürden wurden so hoch gesteckt, dass die Idee nicht umzusetzen war. Die Anträge ruhen seither.

Inzwischen hat sich die Lobbyindustrie in Position gebracht, um Sportwetten für private Anbieter zu ermöglichen.  Der Deutsche Olympische Sportbund hat dazu gleich einen  Gesetzentwurf eingebracht. Dies ist gängige Praxis in der Politik, da die Politik nicht gestaltet, sondern nur moderiert. Die Juristen in den Ministerien haben dann weniger Arbeit und weniger Verantwortung. Die Interessen werden im Vorfeld des Lobbyprozesses ausgekartelt.

Die Süddeutsche Zeitung wartet heute mit einem Knaller auf. Sie berichtet lang und breit über die Bestrebungen des milliardenschweren Automatenaufstellers Gauselmann, in den Sportwettenmarkt einzudringen. Anders als bei Parteispenden, sind solche Gefälligkeitsartikel, "Spins" genannt ohne Offenlegung finanzierbar. Dass es oft Handgeld für Redakteure gibt, ist ein offenes Geheimnis. Gauselmann steht derzeit mit einem Parteispendensystem in der Öffentlichkeit.

Mit meinem Antrag auf das Sport-Wettbüro bin ich bei den Medien natürlich nicht durchgedrungen. Es gab keinerlei Vorteile von mir, außer einer Ausarbeitung des Themas und ein paar einprägsamer Zitate.

Nun will es das Leben, dass sich Karsten Gauselmann, der Sohn des "Glücksspielpaten" vor einiger Zeit in die Gemeinde Inzell eingekauft hat. Sein Geld muss angelegt werden und Immobilien wie der Heißenhof eignen sich, da man hohen Erhaltungsaufwand sofort steuerwirksam einsetzen kann. So kam mir der Heißenhof wieder ins Bewusstsein, nachdem ich dort an Silvester 1987 eine Pulle Sekt mit einer mittlerweile systemirrelevanten Person geköpft hatte.

Die Spielautomaten Gauselmanns stehen auch im Inzeller Dorf, nämlich in einem Raum, des ehemaligen Milch- und Lebensmittelladens von Frau Sellhuber, bei der man sich die Milch mit einer Schöpfkelle in eine mitgebrachte "Millibutschn" abfüllen musste. Die Milch ist heute, ebenfalls wie das Glücksspiel, Automatenware und so kommt es, dass die Zockerbude im Dorf eine friedliche Koexistenz mit einem Imbiss und einem Leerstand führt. Eine Kritik hat mal der Bürgermeister Martin Hobmaier öffentlich vorgetragen, was sehr viel Mut verlangte. Tatsächlich wurde in vielen empirischen Studien festgestellt, dass die Spielsucht bei Automaten sehr viel gefährlicher ist, als bei Sportwetten.

Der Süddeutsche-Spin von Gauselmann ist deshalb für den Dorfkramer nicht gar so schlecht. Werden die Sportwetten liberalisiert, kann auch er sich theoretisch dafür bewerben. In der Praxis ist dies jedoch so, dass die Großen ihre Gesetze machen und damit auch über die Voraussetzungen zur Zulassung bestimmen. Es besteht viel Raum, Konkurrenten von vornherein auszuschließen und Lobbygruppen in Hinterzimmern karteln in diesen Wochen aus, wer das Geschäft machen wird. Der Dorfkramer kann sich dann Aktien kaufen, um am Markt teilzuhaben. Aber nur, wenn Gauselmann an die Börse geht. So funktioniert unser Kapitalismus.