19 Dezember 2011

Chiemgauer e. V. : Offener Brief an Willi Eicher, Geschäftsführer der Stromversorgung Inzell eG

Lieber Willi,

gerade lese ich in der Internetausgabe des Traunsteiner Tagblatt folgendes:


Inzell. Am Teisenberg könnte bald umweltfreundlich und ressourcenschonend Strom erzeugt werden: Die Initiative »Klimawerkstatt Inzell« hat die 2002 vorübergehend ad acta gelegten Planungen für ein Kleinwasserkraftwerk am dortigen Hochbehälter wieder aufgegriffen.

In der genossenschaftlich organisierten Stromversorgung Inzell (SVI) haben die Bürger bereits einen interessierten Partner gefunden: »Wir würden das Kleinkraftwerk bauen und betreiben«, sagt der neue Geschäftsführer Willi Eicher auf Anfrage. Nutzen hätte auch die Wasserversorgung der Gemeinde Inzell, die bis dato am Hochbehälter keinen Strom hat. Nun gilt es nur noch, das Ergebnis einer Langzeitmessung der Quellenleistung von April 2011 bis April 2012 abzuwarten und das Ganze noch einmal durchzurechnen. Der SVI würde es reichen, wenn unterm Strich eine schwarze Null bleibt.
Die »Klimawerkstatt Inzell« begann 2008 als Forschungsprojekt der Technischen Universität München (TUM) in Kooperation mit »Chiemgauer e.V«, den in Inzell Elisabeth Koch betreut. Die aktuelle Idee entstand in einem Gespräch der Werkstatt-Teilnehmer Hans Huber und Martin Hallweger, langjähriger Inzeller Wassermeister.



Als Mitglied und Kunde der Stromversorgung Inzell eG erlaube ich mir dazu ein paar Anmerkungen:

1. Zuständiges Entscheidungsorgan für eine solche Investition ist die Generalversammlung der Genossenschaft. Du entscheidest hier nicht alleine wie ein chinesischer KP-Funktionär, da das Wesen einer Genossenschaft auf demokratischen Grundsätzen beruht.

2. Inzell wird von zwei Stromleitungen erschlossen. Ein Kleinkraftwerk ist sinnlos, zumal Wasserkraft den geringsten Wirkungsgrad hat. Ein Spaßkraftwerk werde ich nicht mitfinanzieren.

3. Das Projekt wird von Chiemgauer e. V. vorangetrieben. Chiemgauer e. V. unterstützt die antroposophische Sekte Rudolf Steiners. Sie führt die größten Anteile der erzielten Gewinne steuerfrei an ihre Waldorfschulen ab (http://www.chiemgauer.info/informieren/statistik/).


Ich werde mich in der Generalversammlung klar gegen eine beabsichtigte Beteiligung an einem Unternehmen der antroposophischen Sekte aussprechen. Das hat folgende Gründe:

Wir haben Jahrhunderte gebraucht, um unsere Kleinteiligkeit zu überwinden, größere Staaten, Währungen und Unternehmen geschaffen. Dieser Entwicklungsprozess ist Grundlage unseres jahrzehntelangen Wohlstands; nicht der Betrieb von Kleinkraftwerken und auch nicht die Unterhaltung lokaler oder regionaler Währungen. Ich werde auf diesen Wohlstand und die gebotenen Möglichkeiten nicht verzichten.

Die soziale Gerechtigkeit besteht in unserer Gesellschaft aus Institutionen, die allen Menschen Zugang gewähren sollen, unabhängig von Stand, Klasse oder sonstigen Eigenschaft, die für Diskriminierungen aller Art herhalten. Zu diesen Institutionen gehört die katholische Kirche, die allen die Möglichkeit gibt, Glaubenserfahrungen zu machen und das auf der Basis einer nachvollziehbaren (heiligen) Schrift. Dazu gehören jedoch auch Währungen, die von demokratischen Organen überwacht werden und die als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. Jeder der einen Euro hat, darf damit etwas kaufen. Zu diesen Institutionen gehören auch die staatlichen und kommunalen Grundschulen, die jedem Kind Lesen, Schreiben, Rechnen und nützliche Dinge beibringen. Und dies ohne sektiererische Indoktrination von Esoterikern, sondern auf gesundem Boden.

Die antroposophische Sekte durchschleicht seit einigen Jahren mit den sogenannten Regionalwährungen die Gesellschaft. Ich wünsche mir das nicht und stelle mich klar und deutlich hinter unsere staatlichen und kirchlichen Institutionen und zwar dann, wenn sie weiterhin allen offen stehen und gleichermaßen Rationalität, Emotionalität und für ganz wenige Spiritualität ermöglichen.

Für die Chiemgauer Sekte gibt es von mir keinen Cent.


MfG

Stefan Engelsberger, Dr. phil.

16 Dezember 2011

Isar München: Petition an den Bayerischen Landtag

Bayerischer Landtag                                                                                            

-Petitionsausschuss-
  
Petition nach Art. 115 Abs. 1 der Bayerischen Verfassung

Antrag:

Der Bayerische Landtag beteiligt sich an der Diskussion der Landeshauptstadt München über die geplante Kommerzialisierung der Isar zwischen Corneliusbrücke und Tivoli.

Rechtsgrundlage:

Artikel 3 der Bayerischen Verfassung
(1) 1 Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat. 2 Er dient dem Gemeinwohl.
(2) Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und die kulturelle Überlieferung.


Sachverhalt:

Die Landeshauptstadt München plant eine Kommerzialisierung der Isar und will dabei den „Paris Plage“ kopieren, einem Rummelplatz an der Seine.

Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung behandelt den Gegenstand voraussichtlich am 11. Januar.

Begründung:

Der Bayerische Landtag ist unmittelbarer Anlieger durch Maximilianeum, Bannmeile und den Abgeordnetenbüros auf der Praterinsel. Des weiteren schützt er als repräsentatives Organe wesentliche Verfassungsgrundsätze wie die Erhaltung der Natur und des kulturellen Erbes. 

Deshalb ist er Verfahrensbeteiligter, auch wenn ihn die Landeshauptstadt München ausgrenzen möchte. Und der Landtag ist auch Schützer eines wesentlichen Ortes für Bayern und München.

Alleinstellungsmerkmal Münchens ist der Charakter als „Millionendorf“ und die Nähe zu den Alpen. Ausgedrückt wird dies durch den im wesentlichen naturnahen Fluss/Gebirgsbach Isar in der Stadt. Der geplante Rummelplatz am Isarufer widerspricht jeglicher Identitätsfindung. Eine Abwertung zu „Paris Plage“ würde dazu führen, dass München jegliche Unterscheidungskraft verlöre und sich im Gemenge global vereinheitlichter städtetouristischer Ansätze verlieren würde. Wer nach Paris fährt tut dies nicht wegen des Seinestrands. Wer nach München fährt, tut dies jedoch immer noch wegen Hofbräuhaus, FC Bayern, Deutschem Museum und der Nähe zu den Bergen, symbolisiert durch die Isar.

Der Bayerische Landtag muss erkennen, dass es sich um einen Platz handelt, der für ganz Bayern Symbolkraft hat und unsere Kultur der Fantasie und Freiheit ausdrückt. Hier erlebte Tscharlie Häusler seine Abenteuer, bevor er vertrieben wurde. Und in „Go Trabi Go“ wurden die Ossies erstmals mit Nackerten am Kabelsteg konfrontiert. Der Blick durch die Maximiliansbrücke zum Deutschen Museum ist immer wieder in den weniger werdenden Fernsehserien und -filmen zu sehen. Kunstschaffende haben hier ihr letztes Refugium zusammen mit Kreativen, Freizeitkapitänen und aussterbenden Freigeistern.

Hier befindet sich mit dem Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins der Kilometer Null für Bergwanderer und die Tourismusdestination „Munich and Bavarian Alps“.

Diese Dinge werden von der Landeshauptstadt München nicht erkannt, weil der Oberbürgermeister von den Zusammenhängen zwischen Stadt und Land und der Bedeutung Münchens für Bayern wenig weiß.

Wenn der Landtag nichts unternimmt, werden maßgebliche Werte vernichtet und ein Teil der bayerischen Bevölkerung im Sinne von Tscharlie Häusler geht zugrunde.

Weitere Informationen im Netz unter:

Stefan Engelsberger, Dr. phil.



15 Dezember 2011

Offener Brief an Konstantin Wecker

Sehr geehrter Herr Wecker,

gestatten Sie mir bitte, dass ich Ihnen mein entschiedenes Missfallen ausdrücke.

Es geht um die Kommerzialisierung der Isar und Ihr Engagement für die Urbanauten, einer Lobbyorganisation der Gastronomie und Immobilienwirtschaft. Die Urbanauten planen eine Freiluftschänke am Vater-Rhein-Brunnen und Sie werden als "Jurymitglied" genannt, werden also über die Auswahl der Biersorten entscheiden.

Offensichtlich ist Ihnen entgangen, dass das Gedankengut der Urbanauten weltweit für Gentrifizierung eingesetzt wird. Ich habe dazu einen Artikel verfasst: http://dorfkramer.blogspot.com/2011/12/dorlly.html

Aktivitäten sogenannter Nichtregierungsorganisationen zur "Aufwertung" von Stadtvierteln sind Vorboten der Immobilienwirtschaft. Sie bereiten den gedanklichen Boden. Dann kommen die Immobilienmakler zur Informationsbeschaffung und dann die Bauunternehmer. Wenn Sie sich die Steinsdorfstraße 18 an der Isar ansehen, sehen Sie, dass Aigner Immobilien dort ein Ladenlokal eröffnet. In einigen Jahren werden sie die älteren Häuser nicht mehr sehen und die Mieter auch nicht.

Wenn Sie sich mit diesen Gentrifizierungsprozessen auseinandersetzen, dann werden Sie Ihre Rolle als "Künstler" in Sachen Isarkommerz erkennen. Wenn nicht, werden Sie weiterhin den Kasperl für die Bauwirtschaft machen. Wenn Sie überhaupt kein Bewusstsein mehr für den Ort haben, an dem Sie aufgewachsen sind, dann sollten Sie sich in Grund und Boden schämen.


MfG Dorfkramer

13 Dezember 2011

Isar München: Dorfkramer stellt Antrag bei Green City München e. V.




Liebe Vorstände von Green City !

Es ist mal wieder an der Zeit, mich zu melden, da die Landeshauptstadt München, zusammen mit den
Urbanauten die Kommerzialisierung der Isar weiter voran treibt.


Wenn wir etwas „Green-City-Mäßiges“ in München haben, dann ist es die Isar. Ich beschreibe das hier:


Green City hat sich bisher nicht geäußert und ich möchte das ändern. Deshalb stelle ich folgenden Antrag:

Der Vorstand von Green City e. V. beteiligt sich an der Diskussion um die Neugestaltung der Isar zwischen Cornelius- und Maximiliansbrücke unter Beteiligung der Vereinsmitglieder.

Ein sofortiges Handeln ist nötig, da die Diskussion offensichtlich schon fortgeschritten ist.
Ich stelle den Antrag auch vorsorglich für die nächste Jahreshauptversammlung.


Viele Grüße, Stefan

Isar München: Dorfkramer tritt dem Bund Naturschutz bei und bittet um Unterstützung des Landesverbands

Herr Dr. Weiger, an den diese E-Mail geht, ist Landesvorsitzender des Bunds Naturschutz:


Sehr geehrter Herr Dr. Weiger,

gerade bin ich dem Bund Naturschutz beigetreten.

Ich wurde dieses Jahr auf Sie aufmerksam, weil der BN sich kritisch mit einem Almkaser im Berchtesgadener Land auseinandergesetzt hat.


Dazu habe ich noch keine abschließende Meinung. Ich werde jedoch versuchen, dieses Thema auf der nächsten Versammlung des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau e. V. anzusprechen. Ohne Ihre Aktivitäten hätte ich mich dieses Jahr überhaupt nicht mit der Problematik von Legschindeln beschäftigt. Es muss immer Leute geben, die Dinge ansprechen, die man so nicht erkennt.

Ein Thema liegt mir jedoch sehr am Herzen: Die Isar im Zentrum Münchens.
Herr Georg  Etscheid vom BN München hat sich in meinem Sinne geäußert:



Das veranlasst mich zu einem Beitritt, obwohl ich nicht mit allen Positionen des BN übereinstimme.

Ich bitte Sie, das Thema Isar in München zur Bayerischen Chefsache zu machen. Es handelt sich um einen Platz, der die Verbindung der Landeshauptstadt mit den Bergen ausdrückt. Näheres habe ich auf meinem Dorfkramer Activist Blog beschrieben:


Dem Deutschen Alpenverein ist das Thema Naturschutz leider seit geraumer Zeit egal. Ich möchte dort jedoch nicht austreten, weil die Wege und Hütten unterhalten werden müssen und weil ich auch innerhalb des Alpenvereins für ein Umdenken eintreten kann.

Bitte helfen Sie mir und nehmen Sie weiterhin an der Diskussion um die Isar teil.



Mit freundlichen Grüßen


Dr. Stefan Engelsberger

Isar München: Antrag an den Vorstand der Sektion München des Deutschen Alpenvereins e. V.

Thema: Kommerzialisierung der Isar in München

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit stelle ich folgenden Antrag:

Der Vorstand der Sektion München beteiligt sich an der Diskussion um die Neugestaltung der Isar zwischen Cornelius- und Maximiliansbrücke unter Beteiligung der Sektionsmitglieder.

Begründung:

Die Landeshauptstadt München bereitet gerade eine Kommerzialisierung der Isar
in der Münchner Innenstadt vor. Dazu gibt es bereits Diskussionsrunden:


Der Deutsche Alpenverein ist unmittelbarer Anlieger auf der Praterinsel (Alpines Museum).

Der Deutsche Alpenverein hat sich des weiteren in der Satzung zum Natur- und Kulturschutz verpflichtet.

Ich bin seit einigen Jahren stilles Vereinsmitglied und gehöre der „Fraktion“ der Bergwanderer an. Bergwandern ist für mich fester Bestandteil meines Lebens. Vor allem wegen dem Gefühl, das damit verbunden ist. Meine Wanderungen mache ich oft von der Stelle am Kabelsteg aus. Man hört dort die  Isar rauschen und nach einer Bergtour bürste ich darin die Schuhe ab. In der Fantasie fühle ich mich am Kabelsteg wie an der Reintalangerhütte oder anderen vergleichbaren Stellen, z. B. am Tagliamento.

Diese Isarstelle ist ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal Münchens. München ist eine Alpenstadt. Maßgebliche Kulturträger haben an dieser Stelle gewirkt wie Ludwig Ganghofer oder Lion Feuchtwanger. Ein maßgeblicher Münchner Lebensstil findet in der Stadt und in den Bergen statt. Ausdruck dieses Lebensstils ist die Isar an der Stelle, wo auch der Alpenverein seinen Hauptsitz hat. Es gibt keine andere Millionenstadt, die einen vergleichbaren Ort hat. Dieses Geschenk muss man annehmen und schützen.

In der abgelaufenen Wandersaison habe ich eine Bestandsaufnahme gemacht, war auf dem Hochkönig, Watzmann, der Zugspitze, Keeskogel und zahlreichen kleineren Gipfeln, habe Dutzende Hütten und Almen besucht. Es gibt noch versteckte Schönheiten und es kommt noch an einigen Stellen ein richtiges Almgefühl auf. In vielen Fällen kann man jedoch getrost von Alpendisneyland reden. Der Alpenverein unterstützt diese Entwicklung durch Konzentration auf den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und Stillschweigen zu wichtigen Themen.

Dies muss geändert werden. Ich bin mit meiner Auffassung nicht allein. Auf vielen Hütten begegnet man Menschen, die im Alpenverein nur noch einen  Kommerzklub sehen. Rucksäcke und Wanderkarten verkaufen und Fernreisen organisieren ist jedoch kein Vereinszweck. Die kritischen Äußerungen,
die man auf den Hütten hört, erspare ich Ihnen lieber.

Es ist an der Zeit, dass der Alpenverein sich wieder seiner Grundsätze besinnt und Stellung zu Vorgängen bezieht, die ihn unmittelbar betreffen wie ein weiterer Kommerz der Isar. Die Spaßgesellschaft muss ihre Kraken nicht überall hin ausstrecken.

In diesem Sinne würde ich mich sehr freuen, wenn der Vorstand sich sofort an der Diskussion beteiligte und mein Anliegen aufnähme.

Sollten Sie das nicht tun, möchte ich bitte meinen Antrag in der nächsten Jahreshauptversammlung auf der Tagesordnung sehen.

Ich veröffentliche dieses Schreiben auf meinem Dorfkramer Acitivist Blog.
Bitte leiten Sie es auch an den DAV-Bundesverband weiter, der für die Immobilie auf der Praterinsel zuständig ist.
Für die Isarstelle im Münchner Zentrum ist jedoch einzig und allein die Sektion München zuständig (im Falle, dass Sie sich drücken wollen).

  
Mit freundlichen Grüßen


Dr. Stefan Engelsberger

12 Dezember 2011

Vernichtung der Isar: Dorfkramer erklärt Beitritt zum Münchner Forum

Nach einiger Zeit der Ruhe meldet sich der Dorfkramer wieder, weil sein unmittelbarer Lebensraum an der Isar bedroht ist. Die Verwaltung der Landeshauptstadt München möchte "Urbanität" an der innerstädtischen Isar, also Kommerz und billige Unterhaltung wie in anderen Stadtbereichen auch. Zur Erinnerung:

Die teilweise noch intakte Münchner Kultur besteht aus Menschen, die ihre Ruhe haben wollen und ursprünglich, aber bequem leben. Nachteil dieser Kultur ist, dass es kein Bürgertum mehr gibt, das sich für die Erhaltung wichtiger Lebensräume einsetzt, sondern deren Gestaltung ortsfremden Leuten überlässt, die wie Heuschrecken ganze Viertel gentrifizieren. Diese Heuschrecken, Bobos genannt, versuchen mit ihrer Filzästhetik alteingesessene Altbayern zu verdrängen und ihre Auffassung von großstädtischem Leben global einheitlich umzusetzen. Zentren sind Gracia (Barcelona), Prenzlauer Berg (Berlin), Glockenbach (München), Spittelberg (Wien), usw. Die Bobos treten im Rudel auf und nutzen ihren Einfluss in Stadtverwaltungen über die Grünen. Sie schalten sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor und geben sich damit eine Legitimation, die sie nicht haben. Die überforderten Politiker anderer Parteien, erkennen das nicht und halten an althergebrachten Gedanken fest wie einer generellen Ablehnung einer Gebäudemodernisierung und der Diffamierung von Hauseigentümern als Wucherer. Ein vernünftiger Diskurs über Mikrokulturen und Möglichkeiten, diese zu erhalten und Wohnviertel aufzuwerten, findet nicht statt. Es herrscht ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb, den die Bobos als Vorposten der vergesellschafteten Immobilienindustrie bisher weltweit für sich entschieden haben.

In München äußert sich das in der Besetzung des Öffentlichen Raums. Maßgebliche NGO sind dabei die Urbanauten, die durch nichts legitimiert sind als durch ihren Internetauftritt und die von der Stadtverwaltung und Großkonzernen unterstützt werden. Nunmehr haben sich die Urbanauten als Spielplatz eines der letzten Refugien des Münchner Lebensstils -Leben und Leben lassen- die Isar zwischen Ludwigs- und Maximiliansbrücke ausgesucht, die es zu gestalten gilt und zwar durch Gastronomie wie Cafés und einer Vergrößerung des Biergartens der Muffathalle. Kommerz statt Kultur der Freiheit ist angesagt und das ist ein Angriff auf die Lässigkeit und Erdverbundenheit, die diesem Bereich eigen ist. Die Isar in München ist eben nicht der Wienkanal oder die Seine, sondern sie ist vom Charakter her ein Gebirgsfluss zu dem eine gebirgsnahe Landschaft passt. Setzen sich die Urbanauten mit ihrer globalen Vereinheitlichung durch, wird München sein kulturelles und städtebauliches Alleinstellungsmerkmal der Stadt im Gebirge, bzw. des Millionendorfs für immer verlieren.

Für den Dorfkramer ist deshalb mal wieder Kampfzeit angesagt. Die Urbanauten bedienen sich des Münchner Forums zur Durchsetzung ihrer rein kommerziellen Interessen. Das Münchner Forum ist jedoch ein offener, gemeinnütziger Verein. Jeder kann beitreten und seine Meinung äußern. Bisher ist es so, dass nur die Urbanauten und die Vogelschützer, bzw. Naturschützer zu Wort kamen. Das muss sich ändern und der Dorfkramer muss den Verantwortlichen vermitteln, welche kulturellen Werte vernichtet werden, wenn sich die Urbanauten durchsetzen.

Damit grenzt sich der Dorfkramer klar vom "Isarindianer" Willy Michl ab. Der Willy erzählt seit Jahrzehnten den üblichen Stuss von Frieden und Naturverbundenheit, vergisst dabei aber, dass er als Indianer wie seine Vorbilder gerade dabei ist, abgeschlachtet zu werden. Willy Michl hat sich auch vom Alpenverein sang- und klanglos abservieren lassen, statt zu versuchen, sein Anliegen den anderen Mitgliedern deutlich zu machen. Der Alpenverein hat sein Hauptquartier auf der Praterinsel und wird nichts unternehmen, um die Isar als wenig angetasteter Gebirgsfluss zu erhalten. Es geht schon längst nur noch um Kohle. Der Dorfkramer wird auch hier in der nächsten Mitgliederversammlung Stellung beziehen. Willy Michl werden wir dann in irgendeinem Reservat wiederfinden, vielleicht auf einem Parkplatz zwischen Aldi und Kik.

Die nächsten Stationen sind klar: Teilnahme am Arbeitskreis des Münchner Forums, Äußerungen, Lobbying beim Bezirksausschuss. Vor allem Buckeln bei den Nachbarn, da diese politisch abgestumpft sind und alles mit sich machen lassen. Nach der Kommerzialisierung des Isarbereichs kommt jedoch die Entmietung und dann wundern sich alle, wenn sie wegziehen müssen und die Bobos kommen.

Dorfkramer fordert eine Verkehrsberuhigung an der Isar und hochwertige Dinge, wie die Lichtinstallation am Stauwehr oder neue Ampeln und Laternen. Dorfkramer wehrt sich jedoch gegen jeglichen Eingriff in den Lebensraum, vor allem durch die unsägliche Urbanauten-Bretterbudenkultur, die sie am Vater-Rhein-Brunnen vor hat.

02 Dezember 2011

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: Kultureller Verfall

Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.


Antrag

Die Landeshauptstadt München prüft Sondernutzungsgenehmigungen des öffentlichen Raums auf Kulturverträglichkeit und stellt das Benehmen mit dem Bezirksausschuss Altstadt-Lehel her.

Begründung:

Die Bayerische Verfassung stellt in Art. 3 klar: Bayern ist ein Kulturstaat. Der Staat schützt die kulturelle Überlieferung.

Der Bezirk Altstadt-Lehel ist nicht nur Einkaufszentrum, sondern das kulturelle Herz des Freistaats Bayern. Frühere Generationen haben diese Tatsache durch umsichtige Erhaltung bedeutender Kulturgüter, vor allem eines herrschaftlichen und bürgerlichen Stadtbilds, beherzigt.

In den letzten Jahren zeigen sich Gegenströmungen der heutigen Spaßgesellschaft, die billiges Vergnügen über behaglichen Genuss und Lebensfreude stellen. Zum Ausdruck kommt diese Spaßgesellschaft in folgenden Beispielen:

-Die Besetzung des Wittelsbacher Platzes durch den Hamburger Fischmarkt, Rittermarkt, Snow City mit Hüttengaudi und anderer einfacher Belustigung,
-überkleben großer Flächen von Kirchen mit billiger Werbung wie bei der Theatinerkirche,
-Bier- und Glühweinbikes mit grölenden und saufenden Männern,
-Bretterbuden überall mit Flaschenbier, Werbeliegestühlen, Popberieselung,
-Flohmärkten,
-usw. usw.

Beispiele für die Bretterbudenkultur ist der Urbanautenstrand, der als „Kulturstrand“ verkauft und von der Stadt gefördert wird. Anstatt auf der Corneliusbrücke zu bleiben, wo er eigentlich hingehört, geht er demnächst auf die Isarinsel beim Vater-Rhein-Brunnen und beschert diesem hochwertigen Ruheort eine kulturelle Abwertung sondersgleichen mitten im Landschaftsschutzgebiet. Bretterbudenkultur sind jedoch auch die „Weihnachtsmärkte“ überall, sogar am Chinesenturm und das überflüssige „Isarinselfest“ mit den größten Urin- und Kotzrückständen der Stadt außerhalb der Wiesnzeit.

Das einzige, was die Münchner kulturell zustande bringen, sind offensichtlich Flohmärkte an jeder Ecke. Die Flohmarkt- und Filzkultur gehört jedoch nicht ins Lehel, sondern traditionell ins Glockenbachviertel/Isarvorstadt und soll dort auch bleiben. 

Wenn solche kulturellen Verfehlungen schon stattfinden müssen, dann an geeigneten Plätzen in geeigneten Viertel. Die Altstadt muss auf hochwertige Kultur achten, da sie Ausstrahlungswirkung auf Bayern hat. Das Lehel ist traditionell ein kulturell hochwertiges Wohnviertel, in dem sich als letzes Refugium Freigeister, Gescheiterte und Erfolgreiche ein Stelldichein geben. Menschen in besonderen Lebenslagen brauchen jedoch Freiräume und dürfen nicht durch kulturelle Verwahrlosung in ihren Entwicklungsprozessen gestört werden. Sonst flüchten sie nämlich nach New York, Buenos Aires oder auf die Alm.

Lehel leitet sich von Lebensfreude ab, von einer gewissen Lässigkeit der Einwohner, die wissen, wie es in der Oper oder in den Kammerspielen aussieht, in den Kirchen und Kantinen und vor allem, denen es größtes Vergnügen bereitet, ohne billigen Kommerz Stadtspaziergänge zu unternehmen und ohne Zwang an der Isar herumzulungern und im Biergarten, in den Lokalen oder auf dem Balkon abzuhängen.

Mit der Förderung der Billigkultur gibt die Landeshauptstadt München seit Jahren jeglichen Anspruch auf und sie geht den klaren Weg hin zu Billigorten wie Berlin, Malle oder Ischgl.

Es reicht.

Die Bezirke müssen gestärkt werden und es müssen sich wieder Stadtteilidentitäten herausbilden, um überhaupt noch von Kultur sprechen zu können. Alles andere ist weiterhin ein Weg zum Einkaufszentrum ohne Anspruch.

Die Urbanautenbretterkiste soll verboten werden und in die Isarvorstadt zurück zur städtischen Filzfraktion. Die Filzfraktion soll sich des weiteren hüten, die Isar durch weitere Billigkulturmaßnahmen im Rahmen des „Isarplans“ zu vergewaltigen und den letzten Rest an echtem Münchner Leben zu vernichten, das vor allem heißt:

Mei Ruah möcht i ham !

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: Rederecht

Der Antrag musste nicht mehr gestellt werden, weil der Versammlungsleiter, Herr Stadtrat Alexander Reissl, meine Argumente anhörte und entschied, auf die Redezeitbegrenzung zu verzichten.

Das ist eine echte demokratische Revolution in München, wo im  Grunde genommen aus dem Oberbürgermeisterbüro heraus entschieden wird, was läuft und die Einwohner ruhig sein sollen.


Antrag

Auf der Bürgerversammlung herrscht freies Rederecht. Eine Zeitbegrenzung gibt es nicht. Einem Missbrauch oder einem Überschreiten der Grenzen der Meinungsfreiheit begegnet ein umsichtiger, kommunikationserfahrener Versammlungsleiter nach pflichtgemäßem Ermessen.



Begründung:

Die Demokratie und freie Meinungsäußerung wurde uns nach der unseligen Nazidiktatur geschenkt. Dieses Geschenk sollten wir annehmen.

Nicht jeder ist in der Lage, seine Gedanken in fünf Minuten schlüssig darzulegen. Mitbewohner ohne Deutsch als Muttersprache ebenso wenig wie die meisten gebürtigen Deutschen.

Die Landeshauptstadt München kann ohne weiteres durch einen professionellen Versammlungsleiter für eine straffe Durchführung der Bürgerversammlung sorgen. Im Vorfeld kann sie Einsendungen sammeln und zu Tagesordnungspunkten zusammenfassen.

Auf der Bürgerversammlung sollen sich alle, die es interessiert, einmal im Jahr auf neutraler Plattform austauschen können. Es gibt keinen Grund, diesen demokratischen Grundwert einzuschränken. 

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: Verkehr an der Isar

Die beiden Anträge wurden angenommen.



Antrag:

Das Umweltreferat bezieht die Stadtautobahn an der Isar (Steinsdorfstr., Sternstraße, Widenmayerstraße) in den Lärmminderungsplan ein und ignoriert nicht weiterhin die Belange der Anwohner.



Begründung:

Seit Jahren ist der Stadtverwaltung bekannt, dass der Mittlere Ring Ost voll befahrbar ist und damit keine Notwendigkeit mehr besteht, LKW- und PKW-Verkehr von Nord nach Süd durch das Lehel zu jagen.

Trotzdem wird kein LKW-Durchfahrtverbot ausgesprochen. Die Viehtransporter donnern tagtäglich vorbei, ebenso wie die Autofahrer, die glauben, fünf Minuten einsparen zu können, wenn sie den Mittleren Ring nicht benutzen.

Statt konstruktiv an die Vorgaben der EU heranzugehen, kritisiert die Stadtverwaltung wie immer die „Bürokraten“ in Brüssel (siehe heutige TZ, S. 4). Anscheinend vergisst die Stadtverwaltung, dass Beamte ihren Zweck und Sinn haben. Jedoch keine Beamten, die nur schimpfen und nichts machen.

Es wird an der Zeit, die vier Spuren zurückzubauen und Tempo 30 einzuführen. Außerdem ist ein striktes LKW-Verbot (Ausnahme: Lieferverkehr) einzuhalten.

Wie sich die Landeshauptstadt ihre groß angekündigte Isarpromenade an einer Stadtautobahn vorstellt, erschließt sich nicht. Es arbeiten wohl verschiedene Stadtbürokraten gegeneinander.

Antrag:

Die Ampel an der Steinsdorfstraße vor St. Lukas wird für Fußgänger schneller geschaltet.
  
Begründung:

Das Umschalten auf Grün dauert für Fußgänger eine gefühlte Ewigkeit. Es gibt keinen Grund, den Takt nicht zu Gunsten der Fußgänger zu verkürzen, zumal die Stadt sowieso eine Isarpromenade vermarkten will.

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: P1 verstößt gegen Menschenwürde

Dieser Antrag wurde abgelehnt.



Antrag:

Der Bezirksausschuss diskutiert den Fall „Schorsch“ in öffentlicher Sitzung und spricht der P 1 Gaststätten GmbH eine Rüge wegen Verstoßes gegen die Menschenwürde aus.


Begründung:

Mit der Schlagzeile „Promi-Penner Schorsch wird Modestar“ berichtete die Abendzeitung am 1. Oktober über eine „Aktion“ des P1. Das P1 machte T-Shirts mit dem Bild von „Schorsch“ ohne  dessen Einwilligung und sich über diesen lustig.

„Schorsch“ ist vielen Lehelbewohnern bekannt. Er lebt sein Leben, freiwillig oder unfreiwillig so, wie er es lebt. Vor 15 Jahren segnete er mit nacktem Oberkörper im Winter Autos am Altstadtring und kam durch diverse weitere Aktionen sogar auf die Seite 3 der Süddeutschen Zeitung.

Ich begegne Schorsch öfters zufällig.
Auf meine Ansprache hin meinte „Schorsch“, die P1-Aktion sei eine „Frechheit“.

Ich gehe davon aus, dass sich das P1 einen üblen Scherz gemacht hat. Es hat keinerlei Recht, das Bild eines Menschen für seine miesen Zwecke zu verwenden.

„Schorsch“ kann sich nicht wehren. Kein Rechtsanwalt wird in vertreten. Schorsch ist aber einer von uns, der mit uns im Viertel lebt. Die Bürgerschaft soll deshalb ein Zeichen setzen und über sein Organ, den Bezirksausschuss eine kräftige Rüge erteilen.

Ich erwarte, dass sich das P1 entschuldigt und zwar nicht werbewirksam, sondern so, dass sich „Schorsch“ gut fühlt und er wieder an das Gute im Menschen glauben kann.

Bürgerversammlung Altstadt-Lehel 2011: Anleingebot für Hunde

Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Antrag

Die Landeshauptstadt München prüft ein allgemeines Anleingebot für Hunde im öffentlichen Raum unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse des Bezirks und im Einvernehmen mit dem Bezirksausschuss.

 Begründung:

Die Zunehmende Vereinsamung vieler Menschen führt dazu, dass vermehrt Hunde gehalten werden. Die Hundehalter sind jedoch immer weniger in der Lage, auf ihre Hunde einzuwirken und verantwortungsvoll damit umzugehen.

Dies führt dazu, dass im Stadtgebiet immer mehr Hunde frei herumlaufen, den Verkehr und Fußgänger gefährden, Unfälle verursachen und vor allem den Privatbereich vieler Menschen verletzen. Es ist schlichtweg Nötigung, wenn freilaufende Hunde Menschen anbellen, anspringen, beschnüffeln, den Weg abschneiden usw.

Besonders um die Mariannenbrücke herum kommt es täglich zu Zusammenstößen zwischen frei laufenden, unkontrollierten Hunden und Verkehrsteilnehmern. Bitten, den Hund an die Leine zu nehmen, begegnen Hundehalter in der Regel respektlos und abweisend. Mir wurden bereits mehrmals Prügel angedroht. Die Polizei hilft nicht. Das Oberbürgermeisterbüro hat München zur Hundehauptstadt erklärt.

Nach gefestigter Rechtsprechung geht von freilaufenden großen und kräftigen Hunden eine konkrete Gefahr aus, auch wenn noch nicht gebissen wurde (BayVGH v. 9.11.11, NVwZ-RR 2011, 193). Der Halter eines Hundes ist verpflichtet, diesen zu überwachen und so abzusichern, dass Verletzungen oder Schädigungen Dritter verhindert werden (NJW 1991, 1695).

Ein Anleingebot kann somit ohne weiteres erlassen werden. Zum Ausgleich könnte die Stadtverwaltung Hundewiesen ausweisen, z. B. im Herzogpark. In anderen Städten ist das bereits Alltag und dort gibt es keinerlei Probleme zwischen Hundehaltern und ihren Mitmenschen. Letztere wollen einfach ihre Ruhe haben und nicht gestört werden. Gegen Hundekot sollte rigoros mit Verwarnungen vorgegangen werden.

09 August 2011




joan osborne funk brothers




11 April 2011

Auerhahn am Teisenberg

video

Der weithin bekannt Auerhahn auf der Forstraße zwischen Inzell-Adlgaß und Anger.

22 Februar 2011

Sportwetten: Süddeutsche Zeitung arbeitet für Automatenaufsteller Gauselmann

Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute in einem großen Artikel über die Bestrebungen der Gauselmann-Gruppe, das Sportwettenmonopol aufzubrechen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gluecksspiel-sportwetten-wwwkasse-machende-1.1063097-2

Ein Blick zurück: Vor einigen Monaten habe ich (=Dorfkramer) eine Sportwettlizenz beantragt, um schon bei der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft in Inzell ein kleines Wettbüro aufzumachen. Dies wurde von der Regierung der Oberpfalz mit einem Anhörungsschreiben beantwortet. Die Hürden wurden so hoch gesteckt, dass die Idee nicht umzusetzen war. Die Anträge ruhen seither.

Inzwischen hat sich die Lobbyindustrie in Position gebracht, um Sportwetten für private Anbieter zu ermöglichen.  Der Deutsche Olympische Sportbund hat dazu gleich einen  Gesetzentwurf eingebracht. Dies ist gängige Praxis in der Politik, da die Politik nicht gestaltet, sondern nur moderiert. Die Juristen in den Ministerien haben dann weniger Arbeit und weniger Verantwortung. Die Interessen werden im Vorfeld des Lobbyprozesses ausgekartelt.

Die Süddeutsche Zeitung wartet heute mit einem Knaller auf. Sie berichtet lang und breit über die Bestrebungen des milliardenschweren Automatenaufstellers Gauselmann, in den Sportwettenmarkt einzudringen. Anders als bei Parteispenden, sind solche Gefälligkeitsartikel, "Spins" genannt ohne Offenlegung finanzierbar. Dass es oft Handgeld für Redakteure gibt, ist ein offenes Geheimnis. Gauselmann steht derzeit mit einem Parteispendensystem in der Öffentlichkeit.

Mit meinem Antrag auf das Sport-Wettbüro bin ich bei den Medien natürlich nicht durchgedrungen. Es gab keinerlei Vorteile von mir, außer einer Ausarbeitung des Themas und ein paar einprägsamer Zitate.

Nun will es das Leben, dass sich Karsten Gauselmann, der Sohn des "Glücksspielpaten" vor einiger Zeit in die Gemeinde Inzell eingekauft hat. Sein Geld muss angelegt werden und Immobilien wie der Heißenhof eignen sich, da man hohen Erhaltungsaufwand sofort steuerwirksam einsetzen kann. So kam mir der Heißenhof wieder ins Bewusstsein, nachdem ich dort an Silvester 1987 eine Pulle Sekt mit einer mittlerweile systemirrelevanten Person geköpft hatte.

Die Spielautomaten Gauselmanns stehen auch im Inzeller Dorf, nämlich in einem Raum, des ehemaligen Milch- und Lebensmittelladens von Frau Sellhuber, bei der man sich die Milch mit einer Schöpfkelle in eine mitgebrachte "Millibutschn" abfüllen musste. Die Milch ist heute, ebenfalls wie das Glücksspiel, Automatenware und so kommt es, dass die Zockerbude im Dorf eine friedliche Koexistenz mit einem Imbiss und einem Leerstand führt. Eine Kritik hat mal der Bürgermeister Martin Hobmaier öffentlich vorgetragen, was sehr viel Mut verlangte. Tatsächlich wurde in vielen empirischen Studien festgestellt, dass die Spielsucht bei Automaten sehr viel gefährlicher ist, als bei Sportwetten.

Der Süddeutsche-Spin von Gauselmann ist deshalb für den Dorfkramer nicht gar so schlecht. Werden die Sportwetten liberalisiert, kann auch er sich theoretisch dafür bewerben. In der Praxis ist dies jedoch so, dass die Großen ihre Gesetze machen und damit auch über die Voraussetzungen zur Zulassung bestimmen. Es besteht viel Raum, Konkurrenten von vornherein auszuschließen und Lobbygruppen in Hinterzimmern karteln in diesen Wochen aus, wer das Geschäft machen wird. Der Dorfkramer kann sich dann Aktien kaufen, um am Markt teilzuhaben. Aber nur, wenn Gauselmann an die Börse geht. So funktioniert unser Kapitalismus.

09 Januar 2011

Neue TAN-Verfahren der Postbank: Zurück in die Steinzeit

Seit der Einführung des sogenannten Internetbanking, also der Ermöglichung von Bankgeschäften im Netz, sind bereits 15 Jahre vergangen. In diesen 15 Jahren hat es sich in breiten Bevölkerungsmassen eingebürgert, diesen Weg zu nutzen. Er erspart den Gang zu einer Filiale durch direkte Eingabe am Computer. Man nutzt dazu eine Transaktionsnummer für eine Überweisung oder einen Wertpapierauftrag (TAN). Diese TAN liest man von einem Zettel aus Papier ab, der einem von Zeit zu Zeit von der Bank mit der Post geschickt wird (Papierliste).

Schön und gut. Nun jedoch prescht die Postbank mit einer angeblichen Verbesserung dieses bequemen Wegs vor und zwingt ihre Kunden zur Nutzung der TAN über Mobiltelefon oder über einen TAN-Generator.

Ich habe mich jetzt eine halbe Stunde damit beschäftigt und stelle folgendes fest:

mobileTAN: Nur kostenlos in Deutschland. Schon eine Woche Urlaub mit ein paar Transaktionen kann da zu hohen Roamingkosten führen. Des weiteren großer Aufwand. Pro Transaktion muss eine TAN angefordert werden. Man stelle sich nur 5 Überweisungen vor. Die Einzelanforderung nervt und kostet Zeit.

chipTAN: Hierzu muss man ein Gerät kaufen, dass herumliegt und in das man umständlich eine Karte hineinstecken und dann noch einen Abgleich mit dem Bildschirm machen muss.

Beide Verfahren sind für Wertpapiergeschäfte völlig ungeeignet. Gemeingefährlich werden sie, wenn es heftige Kursausschläge gibt und man schnell reagieren muss. Da sind schnell mal ein Dutzend TAN weg und mit den neuen Verschlechterungen kann man einfach nicht mehr zeitgerecht agieren und reagieren. Optionsscheingeschäfte  und ähnliches scheiden mit der Postbank künftig aus.

Die Papierliste konnte man bisher bequem auf den Schreibtisch legen und überall mit hin nehmen. Das hat jetzt 15 Jahre gut funktioniert.

Es haben sich bei der Postbank ein paar Informatikfreaks durchgesetzt, die ein schon sicheres System verkomplizieren und damit Einnahmen für sich generieren. Es verdienen auch der TÜV und die Gerätehersteller. Die Werbung, dass das alles einen Komfort für den Kunden darstelle, ist der blanke Hohn.

Ergebnis: Ein völlig sinnfreies Produkt und die Postbank verschlechtert sich somit als Dienstleister.

Hoffentlich gibt es ein paar vernünftige Führungskräfte bei der Postbank, die diesen Technokratenwahn noch rechtzeitig stoppen.

Hier ähnliche Gedanken in einem Blog: http://klausens.blogg.de/eintrag.php?id=1612