08 September 2009

Isarpromenade: Urbanauten klauen Dorfkramer-Idee

Ein schönes Beispiel für eine langfristig angelegte Interessenpolitik ist das Thema Isarpromenade, das ich vor zwei Jahren erstmals in die Öffentlichkeit gebracht habe. Es geht darum, den Isar-Rennweg zwischen den Einfahrten zum Mittleren Ring zurückzubauen, um Erleichterung für die Anwohner und eine schönere Isarumgebung zu schaffen.

Nun gibt es bereits seit einigen Jahren eine Gruppe von Geographen, die sich Urbanauten nennen und das Thema "Öffentlicher Raum" kommunizieren. Die Gruppe wurde natürlich vom Dorfkramer über die Isarpromenade informiert. Statt ein nettes Gespräch aufzunehmen, hat sich nun Urbanautenboss Benjamin David dazu entschieden, selbst aktiv zu werden und sich die Initiative auf seine Fahnen zu heften. So kommt also eine erste Diskussionsrunde ohne Beteiligung von Anwohnern oder gar dem Dorfkramer als Initiator zustande.

Für die Verkehrsberuhigung und Schaffung der Isarpromenade ist es nun wichtig, diesen Lobbyprozess der Urbanauten zu verfolgen. Die Urbanauten sind eine Nichtregierungsorganisation (NGO) im lokalen Bereich und haben sich vor allem mit dem Urbanautenstrand einen gesicherten Claim (wirtschaftliche Existenz) erarbeitet. Dieser Claim ist es würdig, näher betrachtet zu werden. Also: Strandbars gibt es seit etlichen Jahren in den Metropolen dieser Welt. Nun wäre München nicht München, wenn es normale Wirte geben würde, die wie anderswo diese Strände einfach aufmachten. Nein: Es muss natürlich der hehre Anspruch von "Kultur", "Urbanität" und was auch immer vorgeschoben werden, um einen einträglichen Platz wie das Angerl an der Cornelisusbrücke kommerziell nutzen zu dürfen. Die Urbanauten haben es tatsächlich geschafft, diesen städtischen Platz für ihre After-Work-Parties monatelang zu besetzen und damit eine Goldgrube zur Finanzierung weiterer Aktivitäten gefunden. Ein "normalschaffender" Wirt hätte dazu nie und nimmer eine Lizenz bekommen. Kein Wunder, dass die Musiker, die beim Urbanautenstrand auftraten, mit einem Handgeld abgespeist wurden. Die Monopolstellung bringt das einfach mit sich.

Dieser Urbanautenstrand hat für die Isarpromenade Vor- und Nachteile. Einerseits war klar, dass Urbanaut David irgendwann dieses Dorfkramerthema entdecken würde. Und mit dem Strand und der Kohle im Rücken, kann er nun seine Machtposition in München stärken. So wurde ihm die Genehmigung erteilt, die Diskussionsrunde am Vater-Rhein-Brunnen durchzuführen ohne Sondernutzungsgebühr. Eine Dorfkramerinitiative oder Anliegerinitiative "Isarpromenade" hätte dies nicht so schnell geschafft. So kommt das Thema endlich auf den Tisch dank der Vorarbeit der Urbanauten.

Der Nachteil ist jedoch, dass die Urbanauten nun Blut geleckt haben und ihre kommerzielle Strategie weiterverfolgen. Sie wollen an der Isar einen Rummelplatz, was ganz und gar dem Interesse der Isaranlieger und auch dem Dorfkramer widerspricht, der die Schönheit des Platzes in der Natur in der Stadt sieht und am Isarufer noch nie einen Urbanauten gesehen hat, weil dort eben keine schnelle Kohle zu machen ist. Und nur darum geht es: NGO´s wie die Urbanauten oder die Praterkraftwerkbetreiberin Green City Energy wollen vorhandenes ausbeuten. Vorgeschoben werden zur Durchsetzung dieser Ziele allgemeine Interessen, um nicht zu brutal zu wirken. Eine klare und wirksame Lobbystrategie, die sich bewährt hat, weil man dann nicht als "Heuschrecke" gilt.

Die Anlieger könnten deshalb vom Regen in die Traufe kommen. Würde der Verkehr tatsächlich vermindert zu Gunsten der Urbanautenvorstellung eines Rummelplatzes, käme es zu einer Verflaucherung, also zu einem besseren Grillplatz wie am Flaucher mit allem Drum und Dran. Was daran urban sein soll, erschließt sich so recht nicht, aber die Diskussionspartner der Urbanauten, die alle ihre eigenen Interessen haben, werden dies der tumben Münchner etablierten Kulturelite schon verklickern können.

Es heißt also für den Dorfkramer, wachsam zu sein. Die Aufnahme der Idee einer Isarpromenade kann durchaus positiv enden, wenn es gelingt, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Aufgrund der starken Machtstellung der Urbanauten kann ja vielleicht der Deal ausgehandelt werden, dass diese einen ständigen Kiosk am Vater-Rhein-Brunnen bekommen, auch im Winter mit Glühwein und Lebkuchen. Im Gegenzug dazu mögen sie doch die lockere, unkommerzielle Atmosphäre am Isarwehr unangetastet lassen.