01 April 2009

Eishalle Inzell: Erfolg für Hubert Graf

Endlich Schluss mit der Geheimniskrämerei der Gemeinde Inzell. Das Traunsteiner Tagblatt berichtet, dass der Bayerische Ministerrat am 21. April über den Zuschuss für die Eishalle entscheiden wird. Die Gemeinde habe sich bereits Kohle vom Landkreis Traunstein gesichert und der Gemeinderat eine Verpflichtungserklärung abgesegnet, Inzell würde 25 Jahre lang die Folgekosten der Eishalle tragen.

Natürlich sorgte die Presseerklärung des Inzeller Bügermeisters für Gesprächsstoff in der Landeshauptstadt München. Als Wall Street Journal Staff Journalist würde ich jetzt sagen "People, familiar with the matter told, bla bla". Als deutscher Blogger erzähle ich von "Kreisen", die für sehr starke Tendenzen für den Zuschuss sprechen. Auf ein Wort: Die Entscheidung ist quasi schon gefallen und das ist ein großer Erfolg für den Stadiondirektor und DEC-Frillensee-Boss Hubert Graf. Der Grafei hat es tatsächlich geschafft, die Gemeinde, Peter Ramsauer (Ramses) und andere einzuseifen, äh. zu überzeugen, dass er und seine Kumpels vom Eis eine Halle für 36 Mille brauchen, die mit einer Betriebszeit von fünf Monaten im Jahr von nationalem öffentlichen Interesse ist und 100 % aus Steuermitteln finanziert wird. Es wurde massiver politischer Druck ohne vorhandene Druckmittel ausgeübt. Ein Höchstmaß an Überzeugungskraft; das muss man anerkennen.

Nun kann man sich also auf die Halle einstellen und überlegen, wie man davon beeinflusst wird und was in etwa geschehen wird. Dass es keinerlei Kosten-Nutzen-Analyse oder gar Folgekostenplanung der Gemeinde gibt, der Gemeinderat nicht oder nicht öffentlich entschieden hat und bereits illegal Aufträge vergeben worden sind, kann dabei vernachlässigt werden, da dies das Landratsamt Traunstein, sprich die Bayerische Staatsregierung deckt. Man kann diese Entscheidungen, wie vieles andere, nicht beeinflussen, sollte es aber dokumentieren, falls man einmal wieder mit bürokratischen Hemmnissen zu kämpfen hat.

Einige Gedanken:

Eisschnelllauf könnte in den Hintergrund treten. Inzell ist noch nicht einmal Landesleistungszentrum für diesen Nischensport. Wenn Anni Friesinger und Claudia Pechstein demnächst aufhören, wird es eine Nachwuchslücke bei den Damen geben. Bei den Herren ist schon seit Erhard Keller nix mehr los (Sapporo 1972). Eisschnelllauf ist aber der Aufhänger, um an Sportförderungsknete ranzukommen, die in Bayern traditionell zur Folklore gehört wie in Garmisch oder Oberstdorf. 36 Millionen für sinnvolle Dorfentwicklungsprojekte oder gar einem Wiederaufbau des kaputten Inzeller Ortskerns gibt es nicht.

Das wäre aber gar keine so schlechte Nachricht, weil Eisschnelllauf traditionell nur wenige vom Hocker gerissen hat. Um weitere Zuschauer ins Stadion zu locken, wären ein neuer Zickenkrieg oder ein paar Halbnacktläufe von Anni Friesinger nötig.

Dadurch könnte die Halle für Breitensport genutzt werden, vielleicht Fußball oder in schneearmen Wintern Biathlon. Dann könnte man quasi den Ruhpoldingern aushelfen, wenn die nicht auch noch eine Biathlonhalle vom Ramses wollen. Auf jeden Fall werden Architekturtouristen kommen, wenn die Halle, so wie geplant, verwirklicht wird.

Vielleicht entwickelt sich ja die Halle zum Anschubobjekt für weitere Investitionen. Der Bürgermeister hat ja -für mich plausibel- von jemandem gesprochen, der für ein Wirtshaus am Eisstadion bereits 70 Riesen für Planungen ausgegeben haben soll. Vielleicht kommt ja eine Sogwirkung.

Alles in allem nichts unbedingt schlechtes. Wird also Zeit, sich Gedanken über das Risiko zu machen:
Staatsknete von Bund und Land ist überreichlich vorhanden und schreit danach, ausgegeben zu werden. Steuererhöhungen sind kaum zu erwarten. Gläubiger, bzw. Inhaber von Regierungsanleihen muss man nicht sein.

Bleiben also die Folgekosten: Die Gemeinde zahlt für den Bau nur läppische 2,1 Millionen. Das ist nichts. 472 Euro pro Einwohner. Sollte es Engpässe bei den Folgekosten geben, dann kann man von Bund, Land und Landkreis Kohle nachfordern. Schließlich wurde der Gemeinde die Halle regelrecht aufgedrängt. Diesen Weg werden vielleicht auch irgendwann Garmisch, Oberstdorf oder andere Gemeinden einschlagen.

Also: Es hat sich abschließend ausgezahlt, dass Hubert Graf frühstmöglich eine hohe Zahl genannt, Abgeordnete vor die Provinzpresse gezerrt und falsche Statements in die Presse gejagt hat wie dokumentiert. Peter Ramsauer kann nicht mehr zurück. Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Er ist CSU-Listen-Spitzenkandidat und muss in seinem Wahlkreis punkten. Alle Achtung. Äh. nur vor dem Ergebnis. Die angewendeten Mittel verdienen vielleicht eher eine geteilte Meinung. Aber das sollen andere entscheiden.

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