18 Januar 2008

Beschreibung einer Spekulation Teil II

Heute früh habe ich mal detailliert beschrieben, wie Geschäfte mit Wertpapieren laufen.
Nun komme ich ins Büro zurück und lese, einen Tag zu spät, den vom Wall Street Journal abgekupferten Artikel auf Spiegel Online. Ob der gute Marc Pitzke tatsächlich in Las Vegas war, ist sehr fraglich. Seinen Artikel konnte jeder schreiben, der ein bisserl in amerikanischen Medien schmökerte.
Nun fiel der Kurs der Deutschen Bank tatsächlich, weil Spiegel Online Leitmedium ist und viele Leser hat, die nicht genau unterscheiden können zwischen Wahrheit, Wichtigkeit, Geplänkel und den vielen Interpretationsmöglichkeiten, die man so hat.
Es werden jetzt viele Artikel deutscher Medien kommen, weil viel von Spiegel Online abschreiben.
Aber wie schwierig es ist, Geld mit sowas zu verdienen, zeigt der Kurs der Deutschen Bank Aktie. Der ging innerhalb weniger Minuten wieder nach oben. Man muss also schnell agieren und reagieren können, sonst wird das nix.
Ein kleiner Fall also aus der Kommunikationswissenschaft, der aufzeigt, wie bestimmte Dinge laufen.

Beschreibung einer Spekulation

Gestern habe ich mich also einmal wieder seit langer Zeit einer Tagesspekulation gewidmet und freue mich wie ein Schneekönig, dass ich unterm Strich 145 Euro einsacken konnte.
Also: Das Wall Street Journal (Pflichtlektüre!) berichtete gestern groß darüber, dass ein US-Immobilienunternehmer seine Darlehen nicht mehr prolongieren konnte. Er hatte einen Riesenkomplex in Las Vegas beliehen und die Laufzeit endete in diesen Tagen. Derzeit ist es sehr schwer, Kreditgeber zu finden. Und so hat der Hauptkreditgeber entschieden, den Gebäudekomplex zu verhökern. Und: Es war die Deutsche Bank. Das liest sich dann so:

"Investment bank Deutsche Bank on Wednesday filed a notice of foreclosure on the $3 billion Cosmopolitan Resort & Casino project for a construction loan of $760 million that just matured, the developer confirmed.

Developer and owner Ian Bruce Eichner said his company, 3700 Associates LLC, was working with Deutsche Bank and Merrill Lynch to find new investors."

Jetzt sind 760 Millionen Dollar natürlich kein Pappenstiel und die Sache wirft ein helles Licht auf die derzeitige Lage an den Kreditmärkten. Wenn das Projekt 3 Milliarden "wert" ist und die Deutsche Bank sogar bei 25 % dieser Summe die Muffensausen bekommt, dann ich sozusagen die K* am Dampfen, prägnanter lässt es sich nicht ausdrücken.

Nun wartete ich auf eine entsprechende Meldung in Spiegel Online oder dpa. Ich rechnete damit, dass deutsche Journalisten in den USA die Nachricht aufgreifen würden. Es ist bekannt, dass Formate wie Spiegel Online viele Artikel aus der New York Times oder dem Journal mehr oder weniger abschreiben, bzw. ins Deutsche transponieren. Das ist billiger, als selbst zu recherchieren. Auch verstehen die Redaktionsbosse Englisch. Was dazu führt, dass die Nachrichten aus dem englischsprachigem Ausland bei uns dominieren. Man will halt keinen Stab in Spanisch, Türkisch oder Chinesisch unterhalten. Ein Panikbericht in der deutschen Presse hätte jedoch dazu geführt, dass der Kurs steil nach unten gegangen wäre.

Ich entschied mich also dazu, einen Put-Optionsschein zu kaufen. Dies läuft hervorragend über die Börse Stuttgart. Es gibt aber auch bei Depotbanken die Möglichkeit, solche Dinge direkt vom Kontrahenten zu erwerben. Das tat ich dann auch. Natürlich Kurzläufer, um die Sache spannend zu machen. 0,37 Euro pro Stück. Ich setzte 960 Euro ein. Mehr ist derzeit für sowas nicht drin.

Als ich am Nachmittag nach Hause kam, sah ich natürlich sofort nach. Aber die verflixte Meldung kam nicht. Zum Kotzen, dachte ich und sah mir den Chart an. 0,43 immerhin, ein Hunderter. Als symbolischer Einstieg nicht schlecht. Ich räumte das Zeug raus, bekam 0,42. Und verdammt, dann ging es los. So um fünf Uhr kackte die DB regelrecht ab. 0,43-0,44-0,45 in wenigen Minuten. Sofort musste ich reagieren. Ich kaufte fast den doppelten Betrag zurück und wartete ab. Der Kurs des Optionsscheins stieg noch auf 0,47. Dann war Ruhe im Karton. Die Wall Street schien den Wert nicht mehr sonderlich zu beachten. Die Kommunikationsspekulation war sowieso gescheitert. Also verkaufte ich, zumal Feierabend war. 0,47. Unterm Strich: 145 Euro. Nach Abzug der Spesen.

Ich werde die Sache weiter beobachten. Spekulation ist ein hartes Brot, wenn man wenig Einsatz hat.

Politikkommunikation in Fall Nokia

Die Dummheit unserer politischen Führung manifestiert sich derzeit in Sachen Nokia. Der finnische Mobiltelefonhersteller möchte ein Werk in Nordrhein-Westfalen schließen und die Produktion nach Rumänien verlagern. Im Gegensatz zu BenQ Mobile hat sich die Nokia Führung diesen Schritt genau überlegt und wickelt das Werk nach den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns ab. Die Mitarbeiter bekommen frühzeitig Nachricht über die Schließung und können sich in aller Ruhe auf dem Arbeitsmarkt umsehen. Es ist derzeit nicht schwierig, Arbeit zu finden.

Was machen nun unsere Polit-Doofies? Sie regen sich maßlos auf und versuchen nun den Ruf von Nokia zu schädigen. Sehen Sie sich mal die Kampagne an, die parteiübergreifend gefahren wird.

Erinnern Sie sich an BenQ Mobile? Damals hat niemand gegen die Firmenzentrale in Taiwan etwas gesagt. Dies, obwohl der damalige Boss Lee, den Laden einfach hat hops gehen lassen. Nokia tut nun etwas anderes, wickelt ordentlich ab und geht aus Gründen, die wir kennen, nach Rumänien. Eine begründete, unternehmerische Entscheidung.

Das Politikergeschwafel ist nicht nur unkontrolliert und dumm, weil es die ganze Nokia-Wertschöpfungskette in Deutschland in Mißkredit bringt. Die Nokia-Händler um die Ecke werden derzeit durch dieses Geschwafel in Zusammenarbeit mit BILD geschädigt. Es ist auch ungerechtfertigt, weil wir uns auf einen Standortwettbewerb in der Europäischen Union längst geeinigt haben. Wenn Rumänien, Ungarn, Österreich nun bessere Bedingungen bieten, dann sollte man die Innovationskraft und den Willen dieser aufstrebenden Länder anerkennen und sich diesem Wettbewerb stellen.

Bei BenQ jedoch hat man die Sache einfach verpennt. Erinnern wir uns: Obwohl die Bundesrepublik und das Land Nordrhein-Westfalen größte Gläubiger sind, hat der NRW-Finanzminister erst nach einer Benachrichtigung von mir ein paar, leider unbedarfte Beamte nach München zur Gläubigerversammlung geschickt. Wahrscheinlich meint der NRW Boss Rüttgers jetzt, er müsse ins Horn stoßen. Wie unsere politische Führung im Allgemeinen, denkt er jedoch nicht einmal fünf Minuten darüber nach, was er damit anrichtet.