15 Januar 2008

Gewaltbereite deutsche Jugenbanden in München

Endlich greifen die Massenmedien das Thema jugendliche Gewalt auf. Allerdings unter Ausblendung der Sachlage. Es wird nämlich sofort nach der intellektuellen Haudraufmanie im Stile eines Frank Schirrmachers, ein Schlagwort ausgemacht, das in diesem Falle etwas mit dem Migrationshintergrund der Gewalttäter zu tun habe. Es müsse ja schließlich etwas dargestellt werden, auf das argumentativ aufgebaut werden könne. Was dazu führt, dass Schirrmachers Kommentar Zeitverschwendung ist, da er an der existierenden Welt scheitert. Warum?

Ich schildere eine Fall, der sich vor drei, vier Monaten bei uns im Innenhof unserer Wohnanlage abgespielt hat. In diesem Hof wurde, wie bei Neubauten vorgeschrieben, ein Sandkasten für die spärlich vorhandenen Kinder eingebaut mit einem überdachten Häuserl. An einem verregneten Nachmittag kam ich nun einmal nach einem Isardauerlauf heim und sah da gegenüber von meinem Balkon zwei Jugendliche, so um die 16 oder 17, in diesem Sandkastenhäuserl hocken. Sie hatten zwei Augustinerbierflaschen dabei, die sie soffen. Eine typische Langweileaktion, die mir aus meiner eigenen Jugendzeit bekannt ist. Ich habe mich darüber nicht aufgeregt, sondern eher gedacht: "Ihr armen Schweine, wisst nicht, wie Ihr Euch beschäftigen sollt. Shit, was bin ich froh, nicht mehr in diesem Alter zu sein." Die zwei taten auch nichts weiter und so ließ ich ihnen Ihr Refugium, obwohl das ein privater Innenhof ist. In diesem Sinne betrieb ich durch die Finanzierung des Sandkastenhäusls eine Art Jugendhilfe.

Bis es zum Eklat kam. Einer der Beiden, wahrscheinlich schon reichlich angeschickert, stellte sich an, in die Ecke des Innenhofes zu bieseln und: Er tat das auch noch, lang und ausgiebig. Wie sich Männer eben beim wilden Bieseln freuen. Das war eine klare Grenzüberschreitung, über die sich jeder Hund aufregen würde. Ich ging also kurz im Bademantel raus und erhob meine Stimme: "Leute das geht zu weit. Fünf Minuten noch, dann schleichts Euch," so mein Credo. Zu meiner Überraschung vernahm ich ein "Ist schon recht." Und die beiden zogen tatsächlich ab. Ich begann wieder an die Vernunft der spätpubertierenden Jugend zu glauben. Jetzt kommts:

Als ich angezogen wieder in die harte Großstadtwelt Münchens hinauszog, um mich dem täglichen Überlebenskampf zu widmen, standen unter der Überdachung am geöffneten Zugang der Wohnanlage plötzlich die beiden Biesler und noch zwei Typen an der Wand stehen. Sie rauchten Zigaretten und aschten demonstrativ auf das Pflaster. Ich pfiff sie an und erhielt eine negative Rückantwort. Von wegen, was willst Du alter Sack. Für mich Anlass, auf einen der vier zuzugehen und ihn am Krawattl zu packen, um ihn aus der Wohnanlage rauzuwerfen. Es gesellte sich sofort ein ganz Frecher dazu der mir androhte, mir "das Kreuz zu brechen." Ein heftiger Wortwechsel mit erheblichem Adrenalinausstoß aller Beteiligten entwickelte sich. Ein paar Nachbarn, die die Szene mitbekamen, riefen plötzlich vom Balkon des dritten Stocks "Polizei, Polizei." Dann drohte mir der Jungkrawallo noch mit einem Rechtsanwalt, wobei ich ihn dezent darauf hinwies, dass er sich hier auf Privatgrund befände, was auch klar und deutlich am Zugang geschrieben stand. "Wir kommen wieder", hörte ich dann noch und ging von dannen. Für Gesprächsstoff war gesorgt. Mein Spezl und ich lachten uns beim abendlichen Telefonat scheckig, als ich ihm erzählte, dass ich jetzt sogar eine eigene Streetgang hätte und das mitten in Münchens gediegenstem Viertel. Zum Schießen. Wenn das vor dreißig Jahren bei uns im Dorf passiert wäre, hätte man die Jugendlichen ordentlich hergenommen, dann wäre Ruhe gewesen. Das Stadtvolk sei einfach verweichlicht.

Wenn ich mir aber mittlerweile die U-Bahn Berichte so anschaue, dann denke ich mir, dass ich auch eine ordentliche hätte einfangen können. Was uns daran hinderte, zuzuschlagen, war die Tatsache, dass wir wussten, dass es wahrscheinlich nur Verlierer gegeben hätte. Das ist in der U-Bahn natürlich nicht so. Verlierer ist erst einmal der Getretene, der sich nicht wehren kann, weil die Masse zu feig ist, gemeinsam etwas gegen solche Idioten zu machen.

Und Frank Schirrmacher? Der hat noch gar nicht überrissen, dass es überhaupt nicht darum geht, Jugendlich schon wieder einzuordnen und ihnen einen Stempel aufzudrücken. Meine Streetgang besteht nämlich nicht aus Problemkindern irgendwelcher Familien mit Migrationshintergrund. Es sind einfach gelangweilte, rotzfreche Buam, die ihren Platz noch nicht gefunden haben. Diese Buam haben überhaupt keine Orientierung mehr, weil ihnen keine Grenzen aufgezeigt werden. Es ist ja alles wurscht, was ich in diesem Thema "Religionslobby" ausführlich beschrieben habe. Ich kenne im Viertel keine einzige bekannte Integrationsfigur, deren Auftauchen dazu führen würde, dass sich die Leute zusammenreißen. Die Reichen und Privilegierten wie Schirrmacher sind es, die diesen Zustand herbeigeführt haben und zwar weltweit. Sie wollen sich nicht mit der Realität auseinandersetzen, sonder verschanzen sich lieber in ihren Villen, am Besten außerhalb sozialer Brennpunkte. Soziales Engagement sind dann Spendenaktionen mit Bunte-Berichterstattung und Sozialreden von Politikern. Die Straße ist jedoch anders. Deshalb ist der Bockmist, den Schirrmacher verzapft, keine Minute Aufmerksamkeit mehr wert als die Minute, die man braucht, um zu erkennen, dass dieser Schirrmacher Bockmist verzapft. Er sollte sich einfach mal aus seiner Redaktion raus bewegen und erkennen, wie viele rotzfreche, gelangweilte Jugendliche sich aus Kreisen seiner privilegierten Schicht rumtreiben. Die Massenmedien verschweigen natürlich diese gewaltbereiten Jugendlichen und schieben sogenannten Migranten die alleinige Schuld zu. Ein einfacher Weg, der schon immer bestens funktioniert hat. Und zwar für die privilegierte Schicht.

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