22 Januar 2008

Argentinien-Anleihen: Dokumentation eines Gerichtsprozesses


Heute stelle ich der stetig wachsenden Leserschaft einmal Wissen über ein Gerichtsverfahren gegen die Argentinische Republik zur Verfügung. Sorry, liebe Fotofreunde, aber ich habe keinen Weißabgleich gemacht. Die Leuchstoffröhre verfärbt das Bild. Und, liebe Weitsichtige: Ich habe Schriftgrad 8 eingestellt, um Papier zu sparen. Es wird in diesen Gerichtsverfahren nämlich sehr viel Papier produziert. Ich will sparen. Hier eine kurze Chronik des Geschehens:

Also: Die Argentinische Republik zahlt einfach die Schulden nicht und hat eine globale Großkanzlei, natürlich US-amerikanisch, damit beauftragt, weltweit jedwede Prozesse abzuwehren. Name: Clearly Gottlieb. Der Vorteil für globale Finanzbetrüger wie der argentinischen Regierung ist der, dass eine Advokatenkanzlei (von Rechtsanwälten sollte man hier besser nicht reden) Experten aller nationale Rechtsordnungen und damit alle Informationen hat. Klage ich also in Buenos Aires und New York, weiß die argentinische Regierung das, und kann die Abwehr ohne weiteres organisieren. Das geht dann so weit, dass man über Kläger Informationen sammelt, um diese global herabzuwürdigen. Ich komme in meiner Argentiniensaga, die ich hier nach und nach veröffentliche, noch einmal darauf zurück. In New York nannten diese Advokaten das Fünf-Punkte-Programm der Interessengemeinschaft Argentinien und weitere Äußerungen "idiosyncratic". Äh. bzw. mich. Das heißt soviel wie "Idiot" oder "Volltrottel", aber auch "von unüberwindlicher Abneigung erfüllt sein." Zur Freude meiner zahlreichen Feinde, die sich in Internetforen wie Wiebel tummeln: Ja, ich gehe davon aus, dass Clearly Gottlieb mich da einen Trottel genannt hat. Es steht sogar im Protokoll des Bezirksgerichts New York.

Nun könnte man also sagen: "Jetzt hast Du es amtlich." Man könnte aber auch sagen, dass den Advokaten von Clearly Gottlieb zur Sache nichts eingefallen ist und sie sich deshalb auf dieses Niveau begeben haben. Aus diesem Grund haben Sie die Prozesse in New York ja allesamt verloren. Anders in Deutschland. Hier muss jeder Anleiheinhaber einen Kampf beginnen. Der beginnt mit einer Klageeinreichung. Bei mir ging diese am 7. Oktober 2007 raus. Ich hatte damals schon die in allen anderen Fällen zuständige Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei Strba als Prozessbevollmächtigte angegeben. Ich dachte mir, das sei schon in Ordnung. Schließlich hatte ich mit dem Advokaten Strba des öfteren zu tun und er hat sich ja auch sehr besorgt über den Zustand des rührigen Anlegers Rolf Koch geäußert. Ein paar menschliche Züge waren da zu entdecken. Leider kam es dann anders. Strba hat den Auftrag, die Prozesse in Frankfurt so gut es geht zu verschleppen und er hat sämtliche Richter hinter sich. Es ist gute deutsche Richtertradition, wenn es darum geht, Regierungen und die privilegierte Klasse zu stützen und Bürger zu triezen.
Ich musste also herausfinden, wer Zustellungsbevollmächtigte war. Das war vor Jahren eine Fideurop, eine Briefkastenfirma, die damals aussagte, sie sei nicht zustellungsbevollmächtigt. Diese Firma hat derzeit folgende Anschrift:

Fideurop GmbH
Westhafentower
Westhafenplatz 1
60327 Frankfurt am Main

Die Anschrift hat Rolf Koch veröffentlicht und dank Suchmaschine habe ich dort anrufen können. Die Fideurop hat ihren Briefkasten nämlich eigentlich in München. In Frankfurt ist sie bei einem Advokaten angesiedelt. Es vergingen also schon deshalb Wochen.

Heute flattert mir nun ein Antrag des Advokaten Strba ins Büro. Er beantragt eine Fristverlängerung bis 14.03.2008. Er müsse meinen Bondclubprospekt nach New York und Buenos Aires transferieren und übersetzen. Alle anderen Richter hätten auch eine Fristverlängerung gewährt. Meine Antwort oben.

Ich rechne damit, dass die gute Richterin das Zeug erst mal liegen lässt und noch eine zweite und dritte Fristverlängerung gewährt. Wir haben ja alle viel viel Lebenszeit. Sollte es anders sein, wäre ich sehr überrascht. Ich werde die geschätzte Argentiniengemeinde natürlich über alle Vorkommnisse auf dem Laufenden halten.

Heil Dir oh deutsche Gerichtsbarkeit!

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