21 Oktober 2007

IWF Weltbank: Demonstration gegen Horst Köhler, Peer Steinbrück und Axel Weber

Schön, sich einmal richtig auskotzen zu können. Zwar war die diesjährige Demo gegen unsere faschistischen, unkontrollierten internationalen Behörden nur eine Art Happening. Jedoch freue ich mich, Gleichgesinnte zu treffen, die kapieren, dass diese Globalisierung dazu führt, dass ein paar wenige immer wieder massiv abzocken können, ohne dafür belangt zu werden. So wie unsere deutsche Enteignungstruppe um Horst Köhler, Axel Weber und Peer Steinbrück. Noch mal an neue Leser: Horst Köhler war mal Direktor des Internationalen Währungsfonds und hat im Jahr 2001 zwei Milliardenkredite an Argentinien gegeben, um die Märkte zu beruhigen. Ihm und der Deutschen Bundesbank war klar, dass Argentinien bereits damals pleite war. Viele wie ich haben darauf vertraut und Argentinien-Anleihen gekauft. Der IWF machte aber dann nichts mehr, sondern ließ sich einfach auszahlen. Also eine große Abzocke dieser Leute. Damals für die Bundesbank verantwortlich ein Ernst Welteke und für die Bundesregierung Hans Eichel, der noch im Herbst 2001 versicherte, Argentinien hätte bis Sommer 2002 genügend Luft, um sich zu sanieren. Für diesen verursachten Milliardenschaden an deutsche Bürger wurde bisher niemand dieser verbrecherischen Organisationen belangt. Verbrecherisch deshalb, weil es keine parlamentarische Kontrolle gibt und auch keine richterliche und die IWF Leute mit Vorsatz die Anleger geschädigt haben.

Ich treffe Warren wieder, als ich mein Plakat male. Er wird von einem AP-Journalisten angesprochen, der ein Fernsehinterview mit ihm für France 24 macht. Dann gehen wir los und ziehen durch die Straßen. Vor der Weltbank bleibt der Haufen stehen und ich frage mich, warum. „Geht doch zum IWF-Eingang rüber,“ sage ich einem Typen, der in der Georgetown Universität arbeitet. „Es nutzt doch nix, wenn Ihr Euch mit den Bullen rumschlagt.“ Der Typ kapiert die Geschichte und geht zum Haufen zurück. Ich sehe zufällig Mohamed El-Erian auf dem Gehsteig. El-Erian war 2001 Vermögensverwalter der Pimco, die zum Allianzkonzern gehört. Ein Superstar unter den Assetmanagern. Er wurde damals in der F.A.Z. zitiert und sagte, Argentinien würde pleite gehen, es sei diesmal alles anders. Seit Jahren brenne ich darauf, El-Erian dazu zu befragen. Er meint, dies sei aufgrund seiner Analysen klar gewesen. „Aber die Vorgehensweise des IWF kann man doch nicht volkswirtschaftlich analysieren, großer Meister.“ „Ask your President,“ erwidert er. Und ich zeige ihm auf meinem Plakat den Namen Horst Köhler. „I can´t speak German, but ask your President,“ so El-Erian. Ein Hinweis?

Ich versorge ein paar Demonstranten mit Cola. Normalerweise fährt bei sowas ein Bierwagen mit, sage ich. Ein paar Hanseln dieser Georgetown Universität stellen sich in einer Reihe auf. „Hey, hey, hey ho, the IMF has got to go!“ Eine klare Ansage. Nun: Ich sehe nur einen IWF Delegierten, der stehen bleibt und ein bisschen nachdenklich schaut. Wir setzen uns hin und reden über Demostrategien. „Nicht gerade eine Sturmtruppe, Eure Leute.“ „Sie sind jung. Nicht besonders erfahren Sie wollen sich nur mit der Polizei rumschlagen.“ In diesem Moment kommen zwanzig Leute vom Schwarzen Block und gehen ein paar Delegierte an. Die Polizisten sind gleich da und hauen die Leute zusammen. Nun, meine ich, in den letzten Tagen hätte man noch eine Bombe mit reinnehmen können. Die haben gestern nicht mal meinen Ausweis kontrolliert. Geschweige denn meinen Rucksack. Überhaupt. Wie wolle man den einen solchen Laden bewachen? Es gäbe immer die Möglichkeit von Einzeltätern. Die müssten jede Behörde so bewachen wie das Weiße Haus und den Ami-Präsi. „Drum planen sie auch die Auslagerung von IWF und Weltbank. Es soll ein neues Zentrum in Virginia entstehen.“ „Aha. Und was soll das bringen? Bauen sie dann gleich Hotels mit drum rum?“

Wir sind uns einig, dass man den Laden einfachst auseinandernehmen könnte. Dreitausend Delegierte und sonstige Besucher sind in der Stadt. Man könne sich ohne weiteres die zweite und dritte Reihe vornehmen, da es für die keinen Personenschutz gäbe. Die wichtige Schnittstelle zwischen dem IWF-Sicherheitsdienst und dem Commander der örtlichen Polizei könne locker durch kleinen Eingriff ins Funknetz gestört werden. Ich stelle mir vor, wie die Polizisten in falsche Richtungen laufen oder der Sicherheitschef, der ständig rausläuft keine Kommandos mehr geben kann. Aber diese technischen Spielereien bräuchte man gar nicht, da einfach so viele Verantwortliche da seien, die man ohne weiteres packen könne. Wenn man es wollte. „Leider bringt die Presse immer nur was, wenn Gewalt im Spiel ist,“ meint mein Gesprächspartner. „Wie wahr.“ Die Möglichkeiten ohne Gewalt ein Thema in Massenmedien zu kommunizieren, als Nobody, sind wirklich gering. Im Gegensatz zum Dorf. Unweigerlich erinnere ich mich an eine Aktion, die vor Jahren zum Dorfgespräch wurde: Ein, ich glaube angestellter Meister eines größeren Handwerksbetriebs war unbeliebt, den Grund kenne ich nicht. Jedenfalls hatte jemand seinem Unmut freien Lauf gelassen und ihm ins Auto geschissen, als der in der Kneipe beim Saufen war. Die Autorität dieses Meisters war so beschädigt, dass er sich nicht mehr lange halten konnte. Was wäre gewesen, wenn ich gestern ins Zimmer der deutschen Delegation geschissen hätte, fantasiere ich. Wäre es den Hofberichterstattern von der Financial Times Deutschland eine Zeile wert gewesen? „Ich schleich mich jetzt Leute, hier ist es langweilig.“ „Bye, stay in contact.“