18 September 2007

Praterkrafwerk: dorfkramer fordert Initialzündung für Ausbau der Isarpromenade

München - St.-Anna-Vorstadt, 18. September 2007:
In einer Einwendung zum wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren für das Praterkraftwerk weist dorfkramer heute die Landeshaupstadt München darauf hin, dass das geplante Wasserkraftwerk nicht an die exponierte städtebauliche Lage angepasst ist. "Die Planung dieses Dorfmühlenkraftwerks, lockt niemanden hinterm Ofen vor," so der unabhängige Lobbyist und globale Aktivist. Durch den Ausbau des Mittleren Rings Ost, würde der Verkehr auf der Isarstrecke in ein, zwei Jahren abnehmen. Dies würde endlich den Weg frei machen, um den wertvollsten Ort jeder Millionenstadt: dem Platz am Wasser zur Isarpromenade auszubauen und ein innovativ gestaltetes Wasserkraftwerk mitten in der Innenstadt weltweit als energetisches Vorbild zu vermarkten. "München als Technikstadt hat besseres verdient." Die Achse zwischen Landtag und Maximiliansforum solle als "Mall" gestaltet werden, eine Meile der politischen Intelligenz in einer fortgeschrittenen Demokratie. "Münchens OB Ude erkennt einfach nicht, welche Dinge in München gemacht werden können. Es ist an der Zeit, dieses zu ändern." Hier das Schreiben:



Dr. Stefan Engelsberger
Steinsdorfstr. 5, 80538 München, Germany
engelsberger@online.de
+49 174 1760577




Landeshauptstadt München 18.09.2007
Referat für Gesundheit und Umwelt
Bayerstr. 28a

80335 München






UW 33 - Herr Echle - Praterkraftwerk;
Einwendung nach §§ 73 Abs. 4 Satz 1 BayVwVfG, § 9 Abs. 1 UVPG, § 7 Abs. 1 WHG


Sehr geehrte Damen und Herren,

als Anlieger und damit unmittelbarer Betroffener erhebe ich gegen das Projekt „Praterkraftwerk“ nach Einsichtnahme in die Unterlagen folgende Einwendungen:

1. Wie der Presse zu entnehmen ist, wirkt sich der Betrieb des geplanten Kraftwerks auf den Wasserstand der Isar aus. Es ist deshalb in die Erlaubnis eine Nebenbestimmung aufzunehmen, die besagt, dass der sogenannte Isarplan durch den Betrieb des Kraftwerks nicht beein-trächtigt werden darf. Des weiteren hat eine Überwachung nach § 21 WHG stattzufinden und zwar einmal jährlich unter Einbeziehung der Anlieger und der Naturschutzverbände, die sich im Erlaubnisverfahren geäußert haben.

2. Die Umweltverträglichkeitsprüfung erfasst auch mittelbare Auswirkungen auf Menschen, Landschaft, Kulturgüter usw. (§ 2 Abs. 1 UVPG). Dies auch hinsichtlich zukünftiger Auswirkungen. Die Landeshauptstadt ist diesen Vorgaben nur zum Teil gefolgt. Zum Beispiel wurde eine Stellungnahme bezüglich der neuen S-Bahn-Röhre eingeholt. Es wurde jedoch ein wesentlicher Punkt vergessen.

Die städtebauliche Lage ist so grandios, dass das Kraftwerk architektonisch und technisch Maßstäbe setzen muss. Für ein normales Unterwasserkraftwerk wie geplant ist der Platz zu schade, die Stromgewinnung ist zu gering, um den Eingriff zu rechtfertigen. Es sind weitere öffentliche nutzbringende Elemente in das Projekt zu integrieren, um ein sinnvolles Kosten-Nutzen-Verhältnis zu schaffen. Hierbei ist in die Planung die künftige Entwicklung des Ortes einzubeziehen. Diese unterliegt vor allem dem absehbaren Rückgang des Verkehrsflusses auf der frequentierten Isarstrecke. Schließlich wird man in zwei Jahren durch Fertigstellung des Richard-Strauß-Tunnels ampelfrei und schneller über den Mittleren Ring zwischen Nord und Süd verkehren. Diese Entwicklung kann dazu genutzt werden, die Steinsdorf- und Widenmayerstraße als Isarpromenade auszubauen und dem Platz städtebaulich endlich das Gewicht zu verschaffen, das ihm als Platz einer Großstadt am Wasser gebührt. Weltweit werten Großstädte ihre Flächen am Wasser auf, sei es Frankfurt am Main, Hamburg oder Flensburg in Deutschland, London Docklands oder Puerto Madero Buenos Aires. München behandelt seine Isaranraineranlagen stiefmütterlich und muss diese endlich aufwerten, was dazu führen wird, dass auch Hauseigentümer ihre Gründerzeitfassaden im Lehel renovieren können. Das Praterkraftwerk kann bei dieser hochwertigen Neugestaltung eine Leitstellung für den Bewusst-seinswandel hin zur intelligenten Stadt unter sinnvoller Nutzung aller Ressourcen einnehmen. Dies mit Nutzung der technischen und gestalterischen Intelligenz der Stadt. Kurz gesagt: Das Praterkraftwerk als Wasserkraftwerk in der Großstadt an einem exponierten Ort kann weltweit als Attraktion vermarktet werden, wenn es unter architektonischer Herausarbeitung der Technik errichtet wird. Zu denken wäre an transparente Baustoffe, die die Turbine sichtbar machen bis hin zu entsprechendem Design der Trafostation und der Uferanlagen.

Auf der Achse zwischen Maximiliansforum und Maximilianeum könnte thematisch eine Art „Mall“ entstehen, eine politische Meile in einer fortgeschrittenen Demokratie, die die Notwendigkeit einer funktionierenden Zivilgesellschaft herausstellt.

Da der Rückbau der Isarstrecke kurzfristig möglich sein wird, ist diese Vision bereits in diesem Verfahren zu artikulieren und zu würdigen, um die Antragsteller auf den Punkt hinzuweisen. Das Praterkraftwerk sollte unter entsprechender Beteiligung von Bezirksausschuss, Stadtrat und Stadtverwaltung die Initialzündung für dieses städtebauliche Projekt darstellen. Da die wasserrechtliche Erlaubnis ein Koordinationsverfahren ist, ist dieser Punkt in die Abwägung mit einzubeziehen. Schließlich werden durch mögliche Versäumnisse (siehe S-Bahn) Chancen nicht ausreichend wahrgenommen und damit Steuergelder verschwendet. Der Platz ist einfach viel zu wertvoll um ein ordinäres Dorfmühlenkraftwerk zu errichten, das niemanden interessiert. München als Technikstadt hat anderes verdient, gerade im Hinblick auf das vom Praterkraftwerk aus sichtbare Deutsche Museum. Der Entwurf ist schlichtweg uninteressant. Wenn man schon baut, dann gescheit und mit Blick auf die genannte Entwicklung, die bisher von keinem Beteiligten erwähnt wurde.

Einen Elektroabdruck dieses Schreibens erhalten der Bayerische Landtag und die Regierung von Oberbayern. Ich veröffentliche alles zum Thema auf

http://dorfkramer.blogspot.com/search/label/Praterkraftwerk


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Engelsberger