11 September 2007

Terrorismus Staat, Religion und Medien


Angesichts der Medienwelle letzter Woche, Sie sehen auf dem Foto einen Münchner Zeitungsstand, gehe ich auf die Berichterstattung zurück, um Zusammenhänge zu veranschaulichen. Wir hatten folgende Themen an einem Tag:

-Persönliche Geschichten über den zum Islam konvertierten möglichen Terroristen,
-den Baubeginn einer Kathedrale in Pristina,
-eine Medienflut über den "Deutschen Herbst" 1977 und die RAF,
-die Verleihung des Karnelvalsorden "Wider den tierischen Ernst" an Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.

Wie hängen diese Themem nun mit dem Thema "Werbeplakate an der Theatinerkirche" zusammen?

Nun: Anderswo, nämlich in Pristina, baut man eine neue Kirche als identitätsstiftendes Element. Im Gegensatz dazu schützt die Bayerische Staatsregierung und die katholische Kirche in München nicht einmal mehr eine Kirche mit hoher Symbolik. Zur Wiederholung: Die Theatinerkirche ist als Grablege der Wittelsbacher, ähnlich wie der Invalidendom in Paris oder der Wiener Stephansdom eine exponierte Kirche mit Doppelsymbolik, nämlich für Staat und Gott. Beim Stephansdom hatte es massivere Proteste gegeben, obwohl die Plakate längst nicht so verletzend wie das mit Franck Ribery war. Ursula Stenzel, eine engagierte Aktivistin und Wiener Bezirksvorsteherin, hat es geschafft, die öffentliche Meinung zu sensibilisieren und sogar eine Besinnlichkeitszone zu schaffen. In Münchens kulturell hohler Welt unmöglich.
Warum? Weil die Münchner und Bayerische Oberschicht "Alles Kasperl" tanzt. Sehen Sie sich die Nachricht von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis an: Es ist nicht die Ordensverleihung an sich, sondern die Aussage, der Orden sei so wertvoll wie das Bundesverdienstkreuz, die die Haltung unserer Oberschicht offen aufzeigt. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ist eine Vertreterin dieser Oberschicht. Sie hat Medienpräsenz, Geld und verfügt selbst über Kunstmarkterfahrung. Sie zeigt sich offen als "wertkonservative Christin" in herkömmlichen Stil, also mit dem Papst und Würdenträgern. Und sie hat Medienmacht. Alleine eine Aussage und die daraus resultierende Schlagzeile: "Fürstin Gloria: Ja, ich habe lesbische Erfahrungen!", würde sie wochenlang in alle Medien katapultieren, wo sie alle möglichen Dinge loswerden könnte. Wie Ihre Verachtung staatlicher Orden ausgedrückt durch die Gleichstellung eines Faschingsordens mit dem Bundesverdienstkreuz. Dazu bedarf es keines Wahrheitsgehalts ihrer Aussage. Es wäre ein Scoop, eine Medienbombe, die Gloria geschickt nutzen könnte und die ihr diese Macht verschafft sozusagen als Faschingsfürstin aufzutreten wie geschehen.
Nun haben die Massen um Bunte und Gala einen Heidenrespekt vor der Fürstin. Andere jedoch weniger. Womit wir beim Zusammenhang zwischen kirchlichen und staatlichen Symbolen mit Terroristen kämen. Warum wenden sich Menschen einer Relgion zu, die nicht die Kultur dominiert? Warum greifen sie zur Gewalt, um diese Religion zu stärken?
Weil es keine Symbole mehr gibt, die diesen Menschen Ehrfurcht oder Achtung vor übergeordneten Dingen mehr geben. Die Nazis entstanden als antiklerikale Truppe, weil weder Staat noch Kirche nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs eine umfassende Richtung vorgaben. Ebenso entstand die RAF aus einer Verunsicherung gegenüber der Autorität des Staates und oder eines übergeordneten, transzendenten Wesens wie Gott.
Man kann doch alles nachlesen über die Entstehungsgeschichte der Nazis und der RAF. Gewalt als Ersatz für Sinnfindung. Und die Medien helfen mit. Sie preisen den Münchner konvertierten möglichen Terroristen als "hochintelligent", "freundlich und hilfsbereit" und so weiter. Die Gruppe sei so schlau, dass sie der Polizei entkommen würde mit superintelligenten Dingen wie dem schnellen Beschleunigen auf Ausfallsstraßen und dem Springen in einen Zug auf der anderen Seite. Banalitäten werden als Zeichen einer Elitenhaltung beschrieben und kommentiert und damit gibt man der neuen terroristischen Elite gleich eine Marke: Konvertiten.
Nun: Eine Staatsführung, die es um den Frieden im Inneren ernst meint, sollte weniger Überwachen, sondern mehr Prävention betreiben. Dazu gehören Personen, die Respekt verkörpern. Keine Faschingsfürstinnen oder Latexladies. Es gehören Symbole dazu wie das Bundesverdienstkreuz, das Maximilianeum oder die Theatinerkirche. Gelingt es, auch abtrünnige Menschen ernst zu nehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dazu zu gehören, dann gibt es auch weniger Gewalt. Dabei darf man nicht übersehen, dass die Kultur des Massenkonsums, der Massensportarten wie Fußball nicht identitätsstiftend ist und es nie war, auch wenn das Werbestrategen so sehen. Für eine Turnschuhfirma ist noch niemand in den Krieg gezogen und für einen Fußballverein noch niemand gestorben, außer als Begleiterscheinung von Prügeleien.
Mit der Theatinerkirche könnte ein Beginn der Diskussion eingeleitet werden, ähnlich wie beim Wiener Stephansdom. Eins steht fest: Bereits jetzt gibt es eine Menge Symphatisanten mit der islamistischen Szene. Und sie werden mehr, wenn diese wie letzte Woche als Elite stilisiert wird. Die Medien sind dumm genug, um hier den Dienst zu erweisen, den sie derzeit auch der RAF erweist.

Das also ist der Zusammenhang zwischen Der Theatinerkirche in München, der Kathedrale in Pristina, der Faschingsordensverleihung an Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und der Entstehung von Terrorismus.