25 August 2007

Ribery-Plakat: Katja von Heinegg vom Deutschen Werberat

Heute schreibt mir Katja von Heinegg vom Deutschen Werberat, dieser könne keinen Verstoß gegen die Verlautbarungen des Werberats oder gegen die allgemein akzeptierten gesellschaftlichen Grundüberzeugungen erkennen.
Da es ewig lange dauern würde, Frau Katja von Heinegg, bzw. den Deutschen Werberat über Logik ("allgemeine Grundüberzeugung"), Cultural Studies ("Grundverständnis"), Bayerisches Verfassungsrecht usw. zu informieren, habe ich mich für eine kurzgefasste E-Mail entschieden, die die Sache verfacht deutlich macht:

Sehr geehrter Frau von Heinegg,

Ihre Aussage ist erst dann glaubwürdig, wenn Sie mir darlegen, wer die Entscheidung getroffen hat und inwieweit er davon ausgeht, er wisse, was allgemein akzeptierte gesellschaftliche Grundüberzeugungen wären. Auch möchte ich wissen, inwieweit er Kenntnisse der Bayerischen Verfassung hat.

Ich glaube, da gehen die Meinungen zwischen Bayern und Berlin stark auseinander. Was Sie alleine daran erkennen, dass ich diese angeblichen Grundüberzeugungen nicht teile. Es gingen über diese Frage ja schon die Meinungen zwischen Ost- und West-Berlinern auseinander.

Deshalb ist Ihre Aussage schlichtweg Unsinn und nicht ernst zu nehmen. Eine "allgemein akzeptierte Grundüberzeugung" gibt es spätestens dann nicht, wenn ein einzelner Mensch eine andere Überzeugung hat. Sie könnten allenfalls von "mehrheitlich" sprechen, jedoch gibt es über das Plakat keine Mehrheitsentscheidung. Ihr Urteil ist mit dieser Nicht-Begründung keinen Pfifferling wert.

Ich werde jetzt einmal nachsehen, inwieweit Sie öffentliche Gelder kassieren und wer dahintersteckt. Im übrigen verlasse ich mich lieber auf mein kulturelles Verständnis als alteingesessener Altbayer, das im übrigen auch in den Medien und auf der Straße von Mitbürgern geteilt wurde. Ganz abgesehen von der schweigenden Mehrheit, die sich nicht äußert, weil sie weiß, dass Sie als hinterwäldlerisch und sonst noch was hingestellt würde, wenn sie es nur wagte, etwas gegen diese kulturimperialistische Indoktrination zu äußern. Sie sind der letzte Laden, der mir sagt, welche Überzeugungen ich teilen soll.

Geben Sie dezidierte Stellungnahmen ab, aber sparen Sie sich nicht begründeten, schnell zusammengeschusterten Bockmist, dem keine Tatsachenrecherche zu Grunde liegt. Ich empfehle Ihnen, einen Kulturwissenschaftler, vielleicht bayerischer Herkunft, hinzuzuziehen, das würde zu einer überzeugenden Begründung führen. Es gäbe auch noch Cultural Studies; holen Sie sich Experten aus dem englischsprachigen Wissenschaftsbereich. Stellen Sie mehr international erfahrene Kulturexperten ein, dann kommt es nicht zu solchen dumpfbeuteligen Aussagen.

Beste Grüße in unsere schöne Bundeshauptstadt.


Dr. Stefan Engelsberger