19 August 2007

Theatinerkirche: Versagen der Bayerischen Staatsregierung und der katholischen Kirche



Hiermit, geschätzte Leserschaft, nehme ich die Werbeplakataktion an der Theatinerkirche zum Anlass, um einen neuen Themenkreis zu eröffnen: das Religions Lobbying. Wie wir alle wissen, gibt es wie in allen Bereichen für die Glaubensgemeinschaften neben dem Weg, zu beten, alle anderen Möglichkeiten, um diese Glaubensgemeinschaften, bzw. Religionen im gesellschaftlichen Leben zu verankern. Der Unterschied zu herkömmlichen Verkaufsaktionen wie für Fussball oder Turnschuhe, besteht darin, dass es sich um eine übergeordnete Entität dreht, nach der sich der Mensch sehnt und aufgrund seiner Sterblichkeit immer sehnen wird: der über den Dingen stehende, gerechte Gott. Diese Besonderheit führte immer dazu, dass es Menschen gab, die ohne Millionentransfers einen Bischofssitz übernahmen oder eine Pfarrei führten. Auch ließen etliche ihr Leben, starben für den Glauben. Weil dem Fussball und den Turnschuhen diese übergeordnete Entität fehlt, versuchen es Marketing-Leute vom Prenzlberg und von anderswo wie Dr. Tonio Kröger, diese im Grunde genommen einfachen Produkte religiös zu überhöhen und greifen zu Werbemitteln, die wie die Illustration auf dem Foto oben, sogar die Grenze zur Lächerlichkeit überschreiten. Ich habe das schon vor drei Jahren beschrieben.
Gefährlich wird es dann, wenn solche Überhöhungen dazu führen, dass man sie ernst nimmt. Ein Indiz dafür, dass das Plakat an der Theatinerkirche ernst genommen wird, sind Kommentare in Weblogs wie dem von Marc Scheloske. Sehen wir uns diesen Kommentar mal näher an: Also, Scheloske scheint schon zu erkennen, dass der Platz vielleicht nicht der richtige ist. Natürlich lobt er das Ganze, weil er sich es nicht mit einen globalen Weltkonzern verderben will und schön im Mainstream schwimmt. Aber bei diesem Lob erkennt man, dass er nicht begriffen hat, um was es geht. Es geht nicht um die Person des Fussballers oder dessen Religion. Es geht, und es kommen ja demnächst andere Plakate, die andere einfache Produkte bewerben, darum, dass an eine Staatskirche verkauft wird wie eine Prostitutierte und damit jegliche Ehrfucht vor dieser Staatskirche, also der Führung des Freistaats Bayern und der katholischen Kirche verloren geht. Schließlich besetzt der Fußballspieler die Religion (Kirche) und den Herrscher (König).
Einfach ausgedrückt: Wer nimmt jemanden ernst, der an seinem Gebäude Werbung für den Konkurrenten macht. Oder: Was würden Sie von Mc Donalds halten, wenn dieser an seinen Filialen Werbung für Burger King machen würde? Macht vielleicht die katholische Kirche Bandenwerbung in der Allianz-Arena?
Es wäre also genau so eine Dummheit, wenn ein katholischer Fussballspieler aus München (gibt es sowas überhaupt?) auf dem Plakat abgebildet wäre. Und wenn sich jetzt katholische Münchner darüber aufregen, dann werden sie als Hinterwäldler diffamiert.
Sehen wir uns kurz die anderen monotheistischen Religionen an: Der Islam versucht seit längerem, eine neue Moschee zu errichten, will er aus seiner Randlage an der Freisinger Landstraße heraus. Obwohl es zigtausende Anhänger dieser Glaubensrichtung in München gibt, tun sich die Verantwortlichen schwer mit diesem Ansinnen. Auch dem geplanten Ausbildungszentrum für Imane wird es nicht einfach gemacht. Die jüdische Religion hat sich da leichter getan, aufgrund der Verfolgungs-Vergangenheit. Sie musste sich jedoch auch erst mühselig eine Position erarbeiten, die nun sehr fest ist. Man erkennt es daran, dass viele Zitate von Charlotte Knobloch in den Medien gebracht werden. Auch alle staatlichen Amtsträger unterstützten den Bau des jüdischen Gemeindezentrums mitten in der Stadt und kreuzen auch zu allen möglichen Anlässen dort auf. Ich glaube nicht, dass die jüdische oder islamische Gemeinde ein ähnliches Plakat wie an der Theatinerkirche zugelassen hätten.
Für mich bleibt als Aktivist nunmehr die Möglichkeit, meinen Unmut zu äußern, was ich mit einem Elektrobrief an Kirchenrektor Pfarrer Obermaier hiermit auch tue:
Sehr geehrter Herr Pfarrer,

als ehemaliger Ministrant und Schüler des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein frage ich mich ab und zu, was ich eigentlich noch in der katholischen Kirche zu suchen habe, wenn diese offensichtlich nicht einmal Willens ist, ihre eigene Identität nach außen hin zu verteidigen.

Ich habe bereits einen Grundlagentext verfasst:

http://dorfkramer.blogspot.com/2007/08/das-fussballerplakat-der.html

Vielleicht findet sich ja noch ein oder der andere Intellektuelle in der katholischen Kirche, der die einfachsten Dinge begreift. Modern um jeden Preis heißt im Endeffekt eine Entwertung der Religion. Die wirklich spirituellen Menschen werden dabei vertrieben, es tritt eine Beliebigkeit ein. Es ist eigenartig, dass man Ihnen das sagen muss.

Ich werde in den nächsten Wochen mal nachschauen, inwiefern noch etwas bayerisches existiert, d.h. Auch das katholische Bayern. Ich habe den Eindruck, dieses Bayern existiert nicht mehr.

Derzeit bin ich von den Juden und Moslems mehr angetan, da diese ihre Identität verteidigen. Diesen Religionen sind ihre Gotteshäuser noch heilig. Vielleicht sollte ich dort mal hinschauen. Aber erst publiziere ich erst mal, um zu sehen, wie andere Menschen darüber denken.

Gerne organisiere ich Ihnen eine Sammlung für die Kirchenrenovierung, damit Sie unsere Bayerische Staatskirche nicht verkaufen müssen wie eine Prostituierte.

Grüß Gott