18 August 2007

Argentinien-Anleihen: Einzelgängertum am Beispiel des Christoph Wittig


Dieses Bild zeigt eine sogenannte Zustellungsurkunde und einen Kontoauszug der IG-Argentinien e. V. vom 5.10.2003. Die Geschichte, die hinter diesen Dokumenten steckt, sei hier geschildert, um aufzuzeigen, warum die Inhaber der Argentinien-Anleihen bisher wenig zu melden hatten. Viele Inhaber von Argentinien-Anleihen dachten nämlich, sie seien die allerstärksten und hätten Superurkunden in der Hand, würden alles alleine machen. Go west, lonely Cowboy. Einer davon war und ist Christoph Wittig, mit dem ich von Beginn an zu tun hatte.

Wittig erschien erstmals im zitierten Wiebel-Forum. Unter dem Pseudonym "Dr. Bengel" stänkerte er gegen mich und die IG-Argentinien. Ich wusste damals noch nicht, dass Wittig dahinterstand. Wittig war nicht der einzige, der gegen eine Lobbyplattform der Betrogenen stank, aber ein heftiger. Der Höhepunkt wurde erreicht, nachdem ich beim IWF-und Weltbank-Treffen 2003 in Dubai einen frischen Wind für die Anleger verspürte. Die IGA war damals fast pleite. In einem umfassenden Rechenschaftsbericht vom 15. Mai 2003 sagte ich klipp und klar, dass zum derzeitigen Stand keinerlei Aussicht auf zeitigen Erfolg bestand und schloss mit dem Projekt mental ab. Es war der Zeitpunkt des Ausstiegs, zumal auch viele Spekulanten auf einen Wahlsieg Nestor Kirchners setzten und die Kurse irrational hochtrieben. Kirchner enteignete diese Spekulanten und uns dann leider.

Anfang August 2003 bekam ich dann einen freundlichen Anruf aus Dubai. Dort gab es, wie weltweit, IGA-Mitglieder. Ein Ehepaar, das sich dort niedergelassen hatte, nachdem es nach jahrzehntelanger Schufterei die Früchte seiner Arbeit genießen wollte. Sie hatten viel zu viele Argentinien-Anleihen ins Depot gepackt, wegen der gar nicht so viel höheren Zinsen. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass viele Interessenten an der IGA nicht mitgemacht hätten, weil sie im Wiebel-Forum gelesen hätten, ich sei in unseriöser Spekulant, der am Neuen Markt sich verzockt habe und ähnliches. Ich solle jetzt aber die Flinte nicht ins Korn werfen und zur Tagung nach Dubai düsen. Das und nur das sei eine einmalige Chance. Ich kratzte also Privatkohle zusammen und flog dort hin, was auch finanzierbar war, weil mir dieses freundliche Ehepaar die ganzen zehn Tage Dubai lang eine noch freundlichere Gastfreundschaft in ihrem Haus gewährte.
Jeden Tag fuhren wir ins Tagungszentrum, um unser Anliegen unter die Leute zu bringen. Der damalige IWF-Boss Horst Köhler, jetziger Bundespräsident Horst Köhler und Moralapostel, lachte uns nur ins Gesicht und schlich sich. Den Argentiniern spuckten wir ein bisschen in die Suppe, weil wir es schafften, die Schlagzeile "Anleger lehnen Angebot ab" zu kreieren. Es hätte ohne uns geheißen "Argentinien unterbreitet gutes Angebot" oder so ähnlich. Die Argentinier haben von Beginn an gewusst, wie wichtig PR und Lobby ist im Gegensatz zu vielen Anlegern, die zum Rechtsanwalt liefen.

Ich flog also nach Hause und war sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Wir waren endlich dabei. Sogar der allzeit arrogant wirkende Gerd Häusler gewährte mir sozusagen eine Audienz, nachdem er uns über eineinhalb Jahre ignoriert hatte: "Yes, we take you serious," sagte er auf Englisch, da sich die Deutschen im Ausland immer auf Englisch unterhalten. Aber er wollte nur Infos schnorren von unseren Gesprächen mit Argentiniens Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Lavagna und seinem Steigbügelhalter-Staatssekretär Guillermo Nielsen. Als ich dann sagte, er könne sich auf unserer Internetseite erkundigen -eine Retourkutsche für mein Ansinnen, von Gerd Häusler Infos zu bekommen und dessen Abfuhr- stand er wie von der Tarantel gestochen auf und bellte mir aus seinem Büro noch nach: "Einen anderen Ton rat ich Ihnen." Preußisch-Kasernenhof. Aber immerhin: Ich wollte es wissen und weitermachen. Da die IGA pleite war, wie man auf dem Kontoauszug sehen kann, es waren 69,39 Euro Guthaben, legte ich vom Geschäftskonto einen Riesen ein und machte einen Spendenaufruf.

Es kamen dann auch Spenden. Schließlich gab es auch eine Vielzahl von intelligenten Anlegern, die kapiert hatten, dass Grassroot-Lobbying hier der einzige Weg war, kostengünstig Interessen zu artikulieren. Aber es gab auch Christoph Wittig. Als dieser im Wiebel-Forum unter seinem Pseudonym Dr. Bengel kund tat, er habe uns schon einen Cent überwiesen, glaubte ich das erst nicht. Erst der Kontoauszug auf dem Foto oben wies dann diesen Betrag aus, dessen Verbuchung mehr kostete als er an Geldwert einbrachte. Warum Wittig dies tat, weiß ich bis heute nicht. Wollte er, dass ich über ihn schreibe. Nun gut, hiermit tue ich es und entspreche seinem Willen. Die Aktion erschien mir etwas gestört und ich dachte darüber nicht weiter nach. Was mich auch dazu veranlasste, Christoph Wittig bei einer Tagung der Initiative erlassjahr.de im Frühjahr 2004 ganz normal zu begrüßen und ihm alles Gute zu wünschen.

Ich hätte die Sache schon vergessen, als just dieser Christoph Wittig wieder auftauchte und zwar mit einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Anfang 2006 rief mich plötzlich der Ober-Gerichtsvollzieher vom Amtsgericht Traunstein an und kreuzte auch bei mir persönlich auf. Da ich mitten im Dorf beim Dorfkramer mein Büro hatte, ist es nicht besonders schön, wenn der dorfbekannte Ober-Gerichtsvollzieher aufkreuzt und als ich las, dass Christoph Wittig dahinter stand, wurde mir klar, dass der Mann entweder ein gestörter Einzelgänger oder ein besonders bösartiger Mensch sein müsste. Anders konnte ich sein Verhalten nicht erklären. Er hatte für den Pfändungs- und Überweisungsbeschluss sogar 31,60 Euro ausgegeben und ich musste mich jetzt hinsetzen, um klar zu machen, dass ich der Argentinischen Republik kein Geld schulden würde. Warum auch? Argentinien schuldet mir ja Geld. Was stand dahinter? Nun, Wittig war seiner Meinung nach offensichtlich superschlau. Ich erfuhr durch ihn selbst und andere über das Wiebel-Forum, dass er gegen viele Inhaber von Argentinien-Anleihen solche Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse ausfertigen ließ. Er meinte, dass diese bei Klagen gegen Argentinien unterliegen könnten. Damit müssten sie Argentinien die Gerichtskosten erstatten und seien sogenannte Drittschuldner, die dann die Kohle an Christoph Wittig hätten abdrücken müssen. Wittig wusste jedoch, dass nur noch eine Klage beim Amtsgericht Frankfurt anhängig war. Es handelt sich um einen Zinsschein von 850 DM. Auch wenn ich diesen Prozess verloren hätte, hätte Wittig nicht viel mehr als seine Gerichtskosten zurückerhalten. Er hatte also andere Absichten, als zu Geld zu kommen. In seinem Antrag auf Pfändung- und Überweisung schreibt er nämlich: "Der Gläubiger erhielt nach Gesprächen mit Verfahrensbeteiligten die Kenntnis, dass streitgegenständliche Papiere sowohl in New-York und Frankfurt gleichzeitig rechtsanhängig gemacht wurden. Ferner hat der Schuldner nach früheren Berichten im Internet vor der Übernahme seiner "Campaigningaktionen" der IG Argentinien verbunden mit einem Besuch zu Tee mit dem Finanzstaatssekretär Nielsen in Buenos Aires eine Rücknahme des Verfahrens angeboten."

Wittigs Annahmen hatten sich als haltlos erwiesen, weshalb ich mir sicher bin, dass Christoph Wittig mit diesen komischen, anlegerschädlichen und feindseligen Aktionen nur erreichen wollte, dass ich über ihn schreibe. Schließlich wusste er von unserer unabhängigen Plattform der Interessengemeinschaft Argentinien e. V. auf der über seine Aktionen ja bereits hingewiesen wurde. Also ich glaube, Wittig will bekannt werden, sonst hätte er auch nicht seine Dr. Bengel Postings im Wiebel-Forum abgegeben und damit den öffentlichen Raum betreten. Es musste ihm doch klar sein, dass ein Pseudonym, das jeder kennt, irgendwann mal zum richtigen Namen führt. Ich nehme mir seinen offensichtlichen Willen also zu Herzen und schreibe hier die Tatsachen auf.

Ergebnis: Christoph Wittig ist kein Einzelfall. Auch andere Anleger versuchten den Alleingang. Einer warf einen sechsstelligen Betrag für Rechtsanwaltshonorare raus und scheiterte letztendlich. Ein anderer, Rechtsanwalt, vertrieb dann selbst solche Prozesse und kassierte Rechtsanwaltshonorare in sechsstelliger Höhe. Wieder ein anderer wollte ein halbes Dutzend Musterprozesse einleiten und tat dies teilweise auch. Ich habe aber nicht erfahren, ob er damit die Rechtsordnung geändert hat.

Ich möchte damit sagen, dass jede Einzelaktion weiterhilft. Jedoch nur, wenn sie sich in eine Gesamtheit einfügt. Nur und nur dann kann eine Einzelaktion Macht entfalten. Eine sogenannte einzelnbleibende Einzelaktion bleibt das was ihr Name sagt: einsam.

Christoph Wittig sollte darüber mal nachdenken...es ist nie zu spät....