10 August 2007

Dorfkramer informiert OB Ude

Soeben habe ich -emotional bedingt- eine E-Mail an Oberbürgermeister Christian Ude geschickt. Mit folgendem Text:

Sehr geehrter Herr OB Ude,

ich habe von Ihrer ideenlosen und provinziellen Politik die Schnauze voll.

Wie ich Ihnen schon mal gesagt habe, ist Ihre juristische Bibliothek zwar top. Auch die Kantine. Jedoch zeigen mir die Hau-drauf-Projekte Praterwerk und Olympiabewerbung, dass Ihre Zeit abgelaufen ist.

Machen Sie sich auf einige Dinge gefasst. Die Freibayern formieren sich.

Beste Grüße

Olympiabewerbung München ohne Bayerische Alpen

Nun gibt es also das offizielle Statement der Wintersportverbände, dass die Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 ohne die traditionellen Wintersportorte in den Bayerischen Alpen stattfinden soll. Das muss ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Oberstdorf, Reit im Winkl, Ruhpolding. Meine Heimatgemeinde Inzell und die Wintersport-Hochburgen Lengriess, Schliersee, Bad Tölz. Stattdessen will man sich der Welt mit München + 2 präsentieren und hofft, dass die interessierte Weltöffentlichkeit nachfragt, was denn das +2 bedeute. Nun gut, München braucht ja einen Ort mit Bergen, die Schuttberge tun´s nicht so ganz. Dann beschränkt man sich halt auf Garmisch und dazu kommt die Bob- und Rodelbahn am Königssee, die vor ein paar Wochen mit ihrer Olympiabewerbung zum zweiten Mal hintereinander gescheitert ist.

Das alles wäre schön und recht, wenn es nicht um Millionen von Steuergeldern ginge, die schon jetzt für die Bewerbung ausgegeben werden. Natürlich wird soll das alles unter Federführung des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude in die Taschen seiner Spez´ln fließen wie dem Boss des Olympiaparks Wilfried Spronk. Es verwundert deshalb nicht, dass schon in der ersten Stunde der Aufforderung zur Olympiabewerbung durch den Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds Thomas Bach Stimmen laut wurden, die darauf abzielten, sich auf Garmisch und die dortigen Spez´ln Gold-Rosi Mittermaier und Dalli-Dalli-Moderator Christian Neureuther zu beschränken. Halt: Köngissee sollte noch dazu kommen, da sich dort der Hackl Schorsch rumtreibt. Vereinfacht ausgedrückt.

Es könnte aber auch sein, dass statt der für uns Bayern gewohnten Spez´lwirtschaft etwas anderes dahintersteckt: Grenzenlose Naivität, was Lobbying in Internationalen Organisationen betrifft und eine Laienhaftigkeit was globales Branding betrifft. Was ist damit gemeint?

Also, gerade ist Salzburg wieder mal gescheitert und das mit einem Konzept, das kompakter nicht sein kann. Die Bewerbung war dem internationalen Publikum zu langweilig, das Fun haben will und neue Locations wie Sotchi, das ist mal was anderes. Es ist bezeichnend, dass Deutschland seit 1968 keine Olympiabewerbung mehr durchgebracht hat, weil es einfach dilettantisches Lobbying betrieb, man denke nur an Leipzig.

Nun fällt dem provinziellstem aller deutschen Großstadtbürgermeister nur eins ein: Dass dös a Riesensach sei, weil man da ja dann endlich die U-Bahn nach Pasing weiterbauen könnte. Geben Sie mal in die Suchmaschine google die Stichwörter "Olympia München Pasing" ein, klicken Sie auf News und es spuckt Ihnen diesen Artikel aus. Sie sehen, dass es gut möglich ist, dass sich unser Provinz-OB etwas selbst überschätzt und glaubt, er könne eine dümmliche München + 2 Bewerbung auf globaler Bühne vermarkten. Zur Not gäbe es ja noch den Franz Beckenbauer, auf den schon Verlass sei oder halt die Gold-Rosi. Alles Urgesteine, schon richtig, aber man fragt sich, ob es nicht einmal an der Zeit sei, diesen Standardbewerbungen keine Steuergelder mehr hinterherzuwerfen weil die Wahrscheinlichkeit besteht, dass das IOC auf andere Dinge steht, wie auf eine stinknormale Olympiade in einer stinknormalen Stadt.

Ich nehme also mal dieses Thema in mein Lobbyportfolio mit auf, da ich nicht sehr davon überzeugt bin, dass eine solche Olympiabewerbung, die von ein, zwei, drei Leuten gemacht wird, Erfolg haben wird. Damit meine ich, dass die Sportverbände heute mit ihrer Festlegung halt vorauseilenden Gehorsam gegen die Provinzler Ude als auch Stoiber geleistet haben. Schließlich bekommen sie ja Staatsknete, auch wenn sie wie die Deutsche Eissschnelllauf-Gemeinschaft seit Erhard Keller, also seit nunmehr 35 Jahren keinen männlichen Medaillenträger mehr bei den Olympischen Spielen zu verzeichnen haben.

Ein weiterer Musterfall, wie die Umverteilung in Deutschland funktioniert, wo einige wenige die Staatsknete vieler abzweigen. Und alles unter dem Auge der Öffentlichkeit, da die ja auch irgendwie dazugehört. Schließlich kann ich ja dann 2010 vor einer Leinwand stehen und die IOC-Entscheidung abwarten. Und wenn München dann mit dieser Provinz-Bewerbung tatsächlich den Zuschlag bekommen sollte, weil sich andere noch dümmer bewerben, ja: Dann kann ich sogar mit der U-Bahn nach Pasing fahren.

München: Gegner des Praterkraftwerks formieren sich



Lokaltermin im Café des Müller´schen Volksbads: Die Naturschutzverbände präsentieren der Öffentlichkeit ihre Sichtweise. Anwesend: Der Bund Naturschutz in Bayern e. V., der Landesfischereiverband Bayern e. V. und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. Zusammen mit anderen Umweltschützern bilden sie die Isar Allianz, die die Renaturierung der Isar mit auf den Weg gebracht hat. Klar, dass diese Leute genau erkennen, was hier Sache ist. Es stecken massive wirtschaftliche Interessen hinter dem Praterkraftwerk. Die Isar hat ja nur untergeordnete Bedeutung in der Planung. Wie der Projektleiter Dr. Bernhard Thiersch bereits dem Münchner Merkur steckte: "Was mit der kleinen Isar geschieht, ist für unsere Planung nur eine Randbedingung." Wichtiger ist für einen Kraftwerksbetreiber immer, dass er viel Wasser hat, um die Anlage auszulasten. Der Fluss schert ihn wenig, es geht um die Strommenge, für die er Geld kriegt.


Nun gibt es bereits eine EU-Wasserrahmenrichtlinie. Das Wasserwirtschaftsamt München präsentiert auf seiner Internetseite den Hintergrund dazu. Wie in Deutschland üblich, werden wir jedoch die letzten sein, wenn es um die Umsetzung geht. Vorrang haben derzeit die Kleinwasserkraftwerkbetreiber, die vom Staat sichere Gewinne gewährleistet bekommen. Derzeit stapeln sich die Anträge bei den Landratsämtern. Alle warten auf das Praterkraftwerk, das als Symbol für die Verbauung der letzten Flusslandschaften herhalten soll. Und das alles unter der Schirmherrschaft einer rot-grünen Stadtregierung und dem ehemaligen Umweltverband Green City, der nunmehr zum Energielobbyist mutiert ist. Seien wir gespannt, ob die Umweltverbände sich durchsetzen werden.