05 August 2007

BenQ-Pleite: Geld vom EU-Globalisierungsfonds?

Wie ein Blitz schlägt die Nachricht vom Antrag des Bundesministers für Arbeit auf Geld vom EU-Globalisierungsfonds ein. Reichlich spät, wie FDP-Mann Martin Zeil zu Recht bemerkt. Erinnern wir uns: Der damals vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager hatte bereits am ersten Tag entschieden, BenQ Mobile abzuwickeln und schon mal Jan Bröker angerufen, um seinem Auktionshaus Dechow einen Verwertungsauftrag zu erteilen. Wer das nicht glaubt, kann dies in einem Welt-Artikel nachlesen, der unwidersprochen blieb. Was ich bereits von Beginn an ahnte und vor Monaten belegte ist also nunmehr durch einen weiteren Zeugen bewiesen: Martin Prager verschwendete keinen Gedanken daran, eine Sanierungsmöglichkeit für das Unternehmen in Erwägung zu ziehen. Seine von ihm kolportierten „Investorengespräche“ sind nicht glaubhaft, auch wenn sie dem Chefkorrespondenten der Süddeutschen Zeitung Stefan Klein in einem Gefälligkeitsartikel erneut wiederholt wurde. Gefälligkeitsartikel deshalb, da Stefan Klein mit keinem Wort die skandalöse Gläubigerversammlung erwähnt. Auch hat er nicht recherchiert. Sonst wäre er auf die Schlagzeile der Münchner Abendzeitung vom 22.03.2007 gestoßen, die da lautete: BenQ-Pleite: Anwalt kassiert 9 Millionen. Die Darstellung des Insolvenzverwalter Prager durch Stefan Klein als barmherziger Samariter, der es mit allen nur gut meint, ist somit nicht nur überzeichnet, sondern falsch. Die Süddeutsche Zeitung hat mit dieser „Reportage“ ihre Leser belogen. Tatsächlich wurden die Arbeitnehmer der BenQ-Mobile von Martin Prager unter Billigung aller politisch und juristisch Verantwortlichen schnellstmöglich ohne Sozialplan „entsorgt“ oder „freigesetzt“.

Aber zurück zum Globalisierungsfonds. Profitieren können davon ja nur die Arbeitnehmer, die noch keinen Job gefunden haben, meine ich. Und wie soll das laufen, angesichts der Tatsache, dass diese Arbeitnehmer bereits in eine Transfergesellschaft gewandert sind, die sich um eine Neuvermittlung kümmert? Wir werden es noch erfahren. Interessant ist nach wie vor, wie aufgesplittert die deutsche öffentliche Hand ist: Einerseits gehören das Land Nordrhein-Westfalen und die Bundesrepublik Deutschland zu den größten Insolvenzgläubigern. Andererseits versuchen sie nicht durch professionelle Durchsetzung von Gläubigerrechten Millionen für den Fiskus zu retten, sondern überlassen dies dem Bereich des Bundesarbeitsministeriums, das offensichtlich die bereits gewährten Zuschüsse durch die EU wieder hereinholen möchte. Ein Schwachsinn sondersgleichen und man kann nur hoffen, das wache Abgeordnete wie Martin Zeil im Bundestag einmal hinterfragen, was das Ganze soll.