06 Dezember 2007

Rauchverbot in Gaststätten

Heute flattert mir eine Mobilisierungsemail der FDP-Führung in den PC. Sie will bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises zum Erhalt der Dorfwirtschaften und Kneipen (AEDK)
unterstützend auftreten. Ich werde dort nicht hingehen. Das Rauchverbot ist eine gute Sache und ich freue mich schon auf eine angenehme Atmosphäre in diversen Läden. Da ich weder in Schuppen wie Uschis Prellbock, Zum Sorgenbrecher und auch nie in der hochgelobten Engelsburg verkehre und verkehrt bin (Stalin´s Schuppen), sehe ich keine Veranlassung, mich dafür einzusetzen. Zur Freiheit gehört auch, Einzelinteressen nicht zu unterstützen, wenn sie der Gesellschaft keinen Nutzen bringen. Und Freiheit bedeutet nicht, eine Zigarette in der Hand zu halten und als reitender Knecht Rindviecher zu zählen. Hier mein Brief an die FDP-Bosse:

Betreff: FDP bei Protestveranstaltungen des Arbeitskreises zum Erhalt der Dorfwirtschaften und Kneipen (AEDK)

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestatten Sie mir bitte einen kleinen Brief als kleines FDP-Mitglied in der Sache.

Erst einmal bitte ich darum, den obengenannten Arbeitskreis zu überprüfen. Ich dort heute hingeschrieben, weil nicht ersichtlich ist, welche Personen und Firmen den Arbeitskreis unterstützen. Allein der Name lässst auf ein typisches Vorgehen der Großlobby schließen, die kleine Akteure gerne vorschiebt, um eigene Interessen durchzusetzen. Primärinteresse haben vor allem Großgastronomen und die Tabakindustrie. Bevor diese Zusammenhänge nicht geklärt sind, kann ich hier nicht aktiv werden. Die FDP sollte ihren Mitgliedern gegenüber zeigen, dass sie diese Dinge geprüft hat.

Des weiteren stelle ich fest, dass ich als Nichtraucher am Ausgehen gehindert werde, da meine Kleidung in Gaststätten einen unangenehmen Geruch annimmt. Ich habe jedoch weder Lust, ständig meine Kleidung zu waschen, weil sie stinkt noch habe ich Lust, mich gesundheitlich zu gefährden. Ich bin deshalb dafür, dass meine Rechte als Nichtraucher gestärkt werden. Der Staat ist dazu da, die Machtlosen gegenüber den Mächtigen zu schützen. Intelligente Gastronomen haben übrigens das Potenzial der Nichtraucher längst erkannt.

Auch weise ich darauf hin, dass Dorfwirtschaften und Kneipen nicht auf einer Ebene stehen. Dorfwirtschaften sind in der Regel Betriebe der Vollgastronomie, die ihren Gästen eine Rundumversorgung anbieten. Es gehen dort Mitglieder aller Gesellschaftsschichten hin. Sogenannte Kneipen sind jedoch Auffangbecken für differenzierte Gesellschaftsschichten und grenzen sich vom übrigen Gastronomieangebot ab. Kneipen in der Großstadt können deshalb jederzeit geschlossene Gesellschaften für Raucher anbieten. Dorfwirtschaften jedoch werden dies gar nicht brauchen, da in Dörfern aufgrund des intelligenten und gesundheitsbewussten Verhaltens der Bevölkerung ohnehin weniger geraucht wird. Das Gleichsetzen der beiden Gastronomien in der Arbeitsgemeinschaft lässt deshalb den Schluss zu, dass eben die Tabakindustrie oder nicht besonders kreative Großgastronomen hinter der Initiative stecken.

Ergebnis: Aus parteipolitischen Gründen könnte die Beteiligung der FDP an der Sache nutzen, da sie einen bestimmten Kreis der Bevölkerung bindet. Bei Herumdümpeln um fünf Prozent in den Landtagswahlumfragen ist auch jede Stimme wichtig. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass die FDP eher weniger die Partei von Kettenrauchern sein sollte, die ständig in Kneipen rumhängen, bei allem Verständnis für diese Lebensgestaltung. Die Kettenraucher können doch ohne weiteres ihren Hintern hochkriegen und Rauchervereine gründen. Sie sind einfach in der Minderheit und sollten mir und anderen, die nicht rauchen nicht ihren Lebensstil aufzwingen.

Die FDP-Führung sollte sich deshalb genau überlegen, ob sie solchen Partikularinteressen ungeprüft Folge leistet und sich aus wahltaktischen Gründen in Szene setzen will. Ich bin davon überzeugt, dass Parteien wie die FDP für Bayerns politische Kultur wichtig sind und würde es begrüßen, wenn stattdessen kontinuierlich die schweigende Mehrheit angesprochen werden würde, die das Rauchverbot schließlich politisch ermöglicht hat.

Ich veröffentliche diesen Mitgliederbrief auf meinem Blog

dorfkramer.blogspot.com

Ein Meinungsverbot gibt es schließlich in der FDP nicht.

Beste Grüße

Dr. Stefan Engelsberger

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