21 Dezember 2007

Argentinien: 6.Jahrestag der Zahlungseinstellung

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Zum 6. Jahrestag der Zahlungsverweigerung unsererer argentinischen Schuldner ein Aufzeichnung aus Buenos Aires, wo sich immer noch wackere Rentner um Wahrnehmung dieses Betrugs bemühen. Die älteren hat es am meisten getroffen. Die Pensionsfonds wurden in die Umschuldung 2005 gezwungen. Mit 65-75 Jahren kann man auch nichts mehr ansparen. Das soll jedem eine Lehre sein, der glaubt, Regierungen würden nicht bescheissen. Ich riestere jedenfalls nicht.

17 Dezember 2007

Globale Finanzmärkte und das Chaos

Heute versuche ich mal eine Analyse, die keine ist, da es sich makro- als auch mikroönonomisch ausanalysiert hat. Werfen wir einfach mal einen Blick auf das derzeitige Szenario:

-Wir haben weltweit die höchsten Preis seit Jahrzehnten für Nahrungsmittel und Rohstoffe.
-Wir haben immer noch hohe Preise für Immobilien weltweit ausser in Deutschland.
-Wir haben weltweit billiges Geld.
-Wir haben künstliche Preise für Währungen in Ländern wie China, Argentinien, Japan.

Wer die Zeitungen mit Aufmerksamkeit verfolgt, nimmt eine verstärkte Berichterstattung über dieser Tatsachen wahr. Heute schreibt das Wall Street Journal z. B. über das Auseindanderdriften der langfristigen Zinsen mit den Inflationsdaten. Es gäbe Anleger, die US-Treasuries kauften, obwohl diese weniger einbrächten als Güter teurer würden.

Das ist seit zwei Jahren klar. Ein verdreifachter Ölpreis und die Commoditypreise kommen irgendwann an und das ist jetzt der Fall. Das einzige, was noch zu haben ist, ist lustigerweise Geld. Wer sein Einkommen nach oben anpassen kann, weil es der Markt hergibt, nimmt langfristige Darlehen auf. Wer nichts mit seinem Geld anzufangen weiß, hält es seit Monaten Cash.

Aber warum jetzt der Chaoshinweis im Titel dieses Beitrags? Ganz einfach. Die obigen Ausführungen sind viel zu kurz gegriffen. Die Nationalökonomen dieser Welt sind sich gar nicht bewusst, dass die Analyse der globalen Wirtschaft mit derzeitigen Methoden gar nicht möglich ist. Und die Marktteilnehmer? Sie wissen nicht, was los ist. Bekommen wir Deflation, weil ja jetzt schon die hohen Preise einkalkuliert sind oder wird die Inflation noch schneller ansteigen? Soll ich mein Haus in England oder Spanien verkaufen oder gar Reisvorräte aufstocken? Wann beende ich meine Mc-Donalds-Cheeseburgerorgien? Bei 1,10 oder 1,30 €. Wann muss Mc Donalds seine mittlerweile günstigen Produkte verteuern? Lohnt sich die Verlagerung von Fabriken in den europäischen Osten noch oder gar nach China? Wann brechen die Disparitäten zusammen? Und vor allem: Wie schnell geht das?

Weder Zentralbanken noch Behörden können den Markt steuern. Oder gar Institutionelle. Wir stehen vor einer Zeit des Umbruchs. Der Angleichung an die in den letzten Jahren geschaffenen Fakten. Es ist eine Zeit gekommen wie 2001/2002, in der keiner so richtig weiß, was passieren wird. Aber jeder weiß, dass etwas passieren wird. Deshalb und nur deshalb schreibe ich diesen Artikel als Dokumentation, dass es Menschen gegeben hat, die ein heraufziehendes Chaos gespürt haben.

08 Dezember 2007

Olympiadokumentation

Zur Dokumentation hier ein Verweis auf die Zustimmung des Deutschen Olympischen Sportbunds
zur Olympiabewerbung. Jetzt werden 30 Millionen lockergemacht für eine ordentliche Marketingkampagne, wahrscheinlich Scholz und Friends, jedenfalls jemand der Etablierten.
Und dann sollten noch 30 Millionen für die Eishalle in Inzell her. Das hat der Gemeinderat so beschlossen.
Nicht schlecht Herr Specht. Hm., ob es für einfache Bürger Mittel und Wege gibt, irgendwie von diesem Großereignis auch was zu haben? Mal schaun.
Zur Vollständigkeit auch mal ein eher nachdenklicher Beitrag der Sozialistenzeitung Neues Deutschland.

06 Dezember 2007

Rauchverbot in Gaststätten

Heute flattert mir eine Mobilisierungsemail der FDP-Führung in den PC. Sie will bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises zum Erhalt der Dorfwirtschaften und Kneipen (AEDK)
unterstützend auftreten. Ich werde dort nicht hingehen. Das Rauchverbot ist eine gute Sache und ich freue mich schon auf eine angenehme Atmosphäre in diversen Läden. Da ich weder in Schuppen wie Uschis Prellbock, Zum Sorgenbrecher und auch nie in der hochgelobten Engelsburg verkehre und verkehrt bin (Stalin´s Schuppen), sehe ich keine Veranlassung, mich dafür einzusetzen. Zur Freiheit gehört auch, Einzelinteressen nicht zu unterstützen, wenn sie der Gesellschaft keinen Nutzen bringen. Und Freiheit bedeutet nicht, eine Zigarette in der Hand zu halten und als reitender Knecht Rindviecher zu zählen. Hier mein Brief an die FDP-Bosse:

Betreff: FDP bei Protestveranstaltungen des Arbeitskreises zum Erhalt der Dorfwirtschaften und Kneipen (AEDK)

Sehr geehrte Damen und Herren,

gestatten Sie mir bitte einen kleinen Brief als kleines FDP-Mitglied in der Sache.

Erst einmal bitte ich darum, den obengenannten Arbeitskreis zu überprüfen. Ich dort heute hingeschrieben, weil nicht ersichtlich ist, welche Personen und Firmen den Arbeitskreis unterstützen. Allein der Name lässst auf ein typisches Vorgehen der Großlobby schließen, die kleine Akteure gerne vorschiebt, um eigene Interessen durchzusetzen. Primärinteresse haben vor allem Großgastronomen und die Tabakindustrie. Bevor diese Zusammenhänge nicht geklärt sind, kann ich hier nicht aktiv werden. Die FDP sollte ihren Mitgliedern gegenüber zeigen, dass sie diese Dinge geprüft hat.

Des weiteren stelle ich fest, dass ich als Nichtraucher am Ausgehen gehindert werde, da meine Kleidung in Gaststätten einen unangenehmen Geruch annimmt. Ich habe jedoch weder Lust, ständig meine Kleidung zu waschen, weil sie stinkt noch habe ich Lust, mich gesundheitlich zu gefährden. Ich bin deshalb dafür, dass meine Rechte als Nichtraucher gestärkt werden. Der Staat ist dazu da, die Machtlosen gegenüber den Mächtigen zu schützen. Intelligente Gastronomen haben übrigens das Potenzial der Nichtraucher längst erkannt.

Auch weise ich darauf hin, dass Dorfwirtschaften und Kneipen nicht auf einer Ebene stehen. Dorfwirtschaften sind in der Regel Betriebe der Vollgastronomie, die ihren Gästen eine Rundumversorgung anbieten. Es gehen dort Mitglieder aller Gesellschaftsschichten hin. Sogenannte Kneipen sind jedoch Auffangbecken für differenzierte Gesellschaftsschichten und grenzen sich vom übrigen Gastronomieangebot ab. Kneipen in der Großstadt können deshalb jederzeit geschlossene Gesellschaften für Raucher anbieten. Dorfwirtschaften jedoch werden dies gar nicht brauchen, da in Dörfern aufgrund des intelligenten und gesundheitsbewussten Verhaltens der Bevölkerung ohnehin weniger geraucht wird. Das Gleichsetzen der beiden Gastronomien in der Arbeitsgemeinschaft lässt deshalb den Schluss zu, dass eben die Tabakindustrie oder nicht besonders kreative Großgastronomen hinter der Initiative stecken.

Ergebnis: Aus parteipolitischen Gründen könnte die Beteiligung der FDP an der Sache nutzen, da sie einen bestimmten Kreis der Bevölkerung bindet. Bei Herumdümpeln um fünf Prozent in den Landtagswahlumfragen ist auch jede Stimme wichtig. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass die FDP eher weniger die Partei von Kettenrauchern sein sollte, die ständig in Kneipen rumhängen, bei allem Verständnis für diese Lebensgestaltung. Die Kettenraucher können doch ohne weiteres ihren Hintern hochkriegen und Rauchervereine gründen. Sie sind einfach in der Minderheit und sollten mir und anderen, die nicht rauchen nicht ihren Lebensstil aufzwingen.

Die FDP-Führung sollte sich deshalb genau überlegen, ob sie solchen Partikularinteressen ungeprüft Folge leistet und sich aus wahltaktischen Gründen in Szene setzen will. Ich bin davon überzeugt, dass Parteien wie die FDP für Bayerns politische Kultur wichtig sind und würde es begrüßen, wenn stattdessen kontinuierlich die schweigende Mehrheit angesprochen werden würde, die das Rauchverbot schließlich politisch ermöglicht hat.

Ich veröffentliche diesen Mitgliederbrief auf meinem Blog

dorfkramer.blogspot.com

Ein Meinungsverbot gibt es schließlich in der FDP nicht.

Beste Grüße

Dr. Stefan Engelsberger

05 Dezember 2007

Eishalle Inzell: Viel Bla Bla um nichts

Jetzt hat also der Bürgermeister der Gemeinde Inzell den Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung über seine Vision einer Eishalle in Inzell informiert. Wie das in etwa gelaufen ist, habe ich mir von Zeugen sagen lassen. Also, der Bürgermeister stellt sich vor, dass der Bund die Halle irgendwie bezuschusst. Dahinter stünde natürlich auch der Gemeinderat. Die Halle soll die modernste in Mitteleuropa werden und damit Touristenströme aus aller Welt nach Inzell locken. Ein 24-Stunden-TV-Kanal solle nur über Eisschnellauf in Inzell berichten. Mit den Massensportarten Eisschnellauf, Eishockey in der Landesliga Süd (äh, hoffentlich nicht bald Bezirksliga), Eisstockschießen, Hundeschlittenrennen und Curling (! hat der Bürgermeister vergessen), sollen zigtausende von Tagesbesuchern an Inzell gebunden werden und Riesenmumsätze generieren. Die kleinen und veralteten Eishallen wie in Bad Tölz seien dem Untergang geweiht. Eine spezielle Ausrichtung der Vermarktung auf Holländer würde auch die Halle in Heerenveen in die Pleite treiben. Die Rettung für Inzells Tourismus bestünde nur im Bau der Halle. Der Bund und der Kultusminister, mit dem der Bürgermeister mittlerweile einen "heißen Draht" unterhielte (gebührenfreie Telekom-Hotline) hätten einfach keine Wahl, sie müssten die 30 Millionen rausrücken und für zwanzig Jahre den Unterhalt übernehmen. Staus wie beim Eisspeedway würde es nicht geben, da eine Anbindung an das ICE-Netz geplant sei. Der Bürgermeister:

"Wir sind im Gespräch."
"Die Verhandlungen laufen jetzt heiß."
"Jetzt müssen Beschlüsse her."
"Es läuft nicht alles rund, aber es läuft."
"Jetzt sind die Entscheidungsträger dran."
"Wir bleiben am Ball."

Erinnert mich irgendwie alles an die Story mit dem Multimillionär, der den Bürgermeister und andere heuer einseifte, sich als Großinvestor vorstellte, der das Krankenhaus und weitere Häuser kaufen würde, dann eine Siliciumchipfabrik auf grüner Wiese bauen würde, weil der Standort in Nähe zum Ruhpoldinger Bahnhof so günstig sei. Also die Geschichte, die in keiner Zeitung stand, jedoch monatelang beherrschendes Dorfthema war (sind oft die besten Geschichten), werde ich mir immer wieder in Erinnerung rufen, wenn neue Großprojekte in Inzell anstehen, die weltweit für Furore sorgen werden, wie auch der Golfplatz, der der beste seiner Art zumindest in Südostoberbayern werden wird. Go on Bürgei.

02 Dezember 2007

Olympia München: Erste Verteilungen

Der Münchner Stadtrat hat nun formell seine Zustimmung zur Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018 gegeben. Welt Online hatte offensichtlich sogar mal einen Reporter in der Sitzung, der die Verteilungsmechanismen offen legt.
Es wurde also eine sogenannte Machbarkeitsstudie des etabierten Architekten Albert Speer mit 205 Riesen finanziert. Natürlich kann kein Architekt dieser Welt in einigen Wochen eine solche Studie erstellen. Es handelt sich als um ein erstes Rohkonzeptpapier, mehr nicht. Und es geht vor allem darum, einen etablierten Namen für die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds vorlegen zu können. Speer ist ja weltweit unterwegs und somit erspart man den Entscheidern das Lesen des Rohkonzepts, da sie schon aufgrund des Namens Speer keinen Fehler machen können.
Hinzu kommen noch 200 Riesen für einen Werbefilm, der München wie immer zeigen wird. Dann werden wahrscheinlich Sequenzen aus Garmisch 1936 eingespielt mit "Bidui" Franz Pfnür und Christl Kranz. Vielleicht taucht noch der Hackl Schorsch auf. Auf alle Fälle kommen Olympiagelände, Marienplatz und die üblichen Ansichten zum Zuge.
Widerspruch gibt es im Stadtrat natürlich nicht, da eine Ablehnung der Bewerbung nichts bringen würde. Beim Wähler ist das Thema nicht sonderlich populär; es interessiert nicht die breite Masse, ob in Huglfing oder am Oberwiesenfeld oder sonst wo Wettbewerbe stattfinden, da die breite Masse diese sowieso, wenn überhaupt, an der Glotze wahrnimmt.
Man sehe den Grünen den Schwachsinn deshalb nach, es gäbe ökologisch verträgliche Autobahnen oder Schnellbahnen. Hoffentlich hat hier der Schreiber der Nockherbergrede aufgepasst. Der Welt Online Artikel ist Satire pur.
Wie geht es weiter?
Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass München mit einer stockkonservativen Langweilerbewerbung, wie sie Salzburg bereits vorexerziert hat, nicht durchkommen wird. Außer es laufen natürlich die üblichen Schmiergelder. Da kann man sich ja dann bei Siemens mal erkundigen, wie so was läuft. Spannender und sauberer wäre es natürlich, die dünne Schicht, der noch verbleibenden kreativen Intelligenz einzubinden.