27 November 2007

Gabriele Pauli als Protagonistin des moderne Lobbyismus

Heute muss ich auf Gabriele Pauli hinweisen, die seit einem Jahr die deutschen Medien geradezu beherrscht. Diese drucken alles ab, was von ihr kommt und eine "harte" Meldung bringt. Kandidatur um den CSU-Vorsitz, Ehe auf Zeit als Programmaussage, verlorenen Wahl, CSU-Austritt. Der nächste Scoop ist dann der wahrscheinliche FDP-Eintritt. Nun hat Pauli also zugegeben, für einen Spin, einen von ihr lancierten Story in Vanity Fair, Kohle bekommen zu haben.

Das Zusammenspiel von Politik und Medien funktioniert ganz einfach: Politiker bringen Geschichten und werden dafür mit Präsenz und Bekanntheitsgrad belohnt. Dafür müssen die Politiker keine Anzeigen für teures Geld schalten und die Medien müssen keinen investigativen Journalismus mehr bezahlen. Ein für beide Seiten lohnendes Geschäft.

Vanity Fair bezahlt Gabriele Pauli und vergisst dabei, dass ihr eine erneute Plattform für den Parteiaustrittsscoop geboten wurde. Das allein wäre für Pauli einen sechsstelligen Betrag wert gewesen. Also hat Pauli die Vanity Fair ziemlich abgezockt, könnte man glauben. Sieht man jedoch genauer hin, fällt auf, dass der Wert der Bekanntheit fiktiv ist. Er zahlt sich auch nicht in jedem Fall aus. Vanity Fair verkauft sich jedoch real und erzielt sofort Cash Flow, Zahlungseingänge. Das ist der große Unterschied. Im Lobbying wird deshalb ein Teil dieses Cash Flows an diejenigen weitergeleitet, die man am Leben erhalten muss, damit überhaupt künftig Geschichten produziert werden. Deshalb gibt es auch Buch- und Vortragshonorare oder der US-amerikanisch genannte monatliche "Retainer", den man als Bereitschaftsprovision bezeichnen könnte.

Schwierig wird es tatsächlich, wenn sich Mandatsträger während ihres "Vertrags" mit dem Staat für so etwas bezahlen lassen. Schließlich haben sie durch Amtsübernahme den Bereich des unabhängigen Lobbyisten verlassen. Gabriele Pauli ist bis zum Ende ihrer Amtszeit als Landrätin mitnichten unabhängig, wie sie glauben machen möchte. Sie wird es erst mit Aufgabe des Amts. Dann, aber nur dann, greifen die oben angeführten Argumente für einen Verkauf ihrer politischen Person und ihrer Geschichten.

Zu kritisieren ist der Verkauf der Geschichte deshalb wirklich nur, weil Pauli während ihrer Landratszeit diese Nebentätigkeit ausgeführt hat. Sie sollte die Kohle für einen guten Zweck spenden. Dafür würde sie wiederum deutschlandweit Medienrummel verursachen. Die Soap geht weiter, Inhalte gibt es dabei nicht. Soap wird aber mehr nachgefragt als Inhalt und da Kohle das allein bestimmende Element menschlichen Daseins ist (bei den meisten) wird die Pauli Soap ihr und den Medien einen Haufen Kohle bescheren. Wenn sie dann genügend hat, dann wird sie Experten bezahlen, die ihr die Inhalte aufbereiten, so wie das Berater und Mitarbeiter von Abgeordneten ja schon machen. Für die Regierenden machen es halt die Fachbeamten.
Der Politikberater Florian Busch-Janser redet deshalb ziemlichen Stuss, wenn er Pauli als "verglühenden Stern" bezeichnet. Tatsächlich ist Pauli der Hot Spot der deutschen Politszene und wird mit jedem Scoop wertvoller.
Protagonistin ist sie deshalb, weil sie der Öffentlichkeit klar macht, dass sie in der medialen Wertschöpfung zu wenig bekommt. Es wird nicht lange dauern, bis sich Politiker anderer Couleur dieser Einsicht anschließen. Die Folgen sind klar: Kosten dieser PR-Arbeit, die bisher der Staat übernommen hat (Abgeordnetendiäten, Landratsbesoldung etc.), werden dann den Medien selbst auferlegt. Diese müssen die Kosten an den Kunden weitergeben. Solange man aber eine Pauli Story noch kostenlos auf der Schlagzeile am Zeitungskasten bekommt und natürlich im Internet, wird dies schwierig. Pauli sollte also die Marktmechansimen nicht unterschätzen und nicht überreizen. Sonst bauen die Medien andere auf, die preiswerter sind. Es gibt schönere, jüngere und inhaltlich tiefergehende Menschen in dieser Szene, als dass Pauli hier ohne Konkurrenz wäre. Vielleicht werde die Medien ja wach und erkennen dies. Sie haben einfach zu sehr verpennt, die Darstellung von Persönlichkeiten im sogenannten politischen Vorfeld zu fördern. Je mehr Vielfalt sie abbilden, umso geringer die Produktionskosten. Schließlich kann man dann Leute, die den Preis zu hoch treiben oder keine guten Geschichten mehr bringen, ähnlich wie ALDI, aus dem Regal nehmen. Es wird dann wie in jedem Geschäft die "Dreher" geben, zu denen Pauli derzeit gehört und die "Hüter", die sich erst entwickeln müssen, die der Kaufmann jedoch aus den angeführten Gründen immer wieder einführt. Solange der Trendartikel Pauli noch gut läuft, kann er hohe Preise erzielen. Schwächelt er, muss man zu einem anderen greifen. Kritisch betrachtet werden sollte deshalb vor allem, warum Gabriele Pauli derzeit keinen nennenswerten Konkurrenten in dieser Hinsicht hat. Fragen Sie die Medien, warum das so ist.

Forum Argentinien Anleihen (Wiebel Forum) wieder da

Heute erscheint das Wiebel Forum wieder.

Der Nachruf war also eine Zwischenstandsbericht.

Hoffen wir, dass der Bernd Wiebel das Forum weiter pflegt, damit kein neuer Nachruf erforderlich wird.

23 November 2007

Werbeplakate: Oberbürgermeister Christian Ude antwortet dem Dorfkramer


Völlig überraschend trudelt heute ein Schreiben von OB Ude ein. Ude beherrscht ja in diesen Tagen mit seinem Outing als Heterosexueller die Schlagzeilen. Offensichtlich hat er sich nach der Lektüre des Dorfkramer Activist Blogs dazu entschieden. Dorfkramer hatte sich bereits vor Wochen geoutet und damit den gesellschaftlichen Gegentrend zur medialen Übermacht der Schwulen und Lesben eröffnet.
Nun lese ich das Schreiben und spüre, dass der OB die Plakate an sich eher weniger toll findet. Er hat aber leider nicht die Schneid, die Penetration des öffentlichen Raums durch multinationale Konzerne, anzuprangern. Zu sehr wurde ihm während seiner Amtszeit schon von Firmenbossen eingeheizt. Ein Mercedes Stern musste auf ein Hochhaus montiert werden und die Allianz hat die Arena praktisch ohne Mitwirkung des Stadtrats durchgezogen.
Ich bin weiterhin der Ansicht, dass an exponierten Stellen, wie jetzt auch der Residenzsüdfassade (Palazzo Pitti Imitat) , keine Riesenplakate hängen sollten. Ich fühle mich dadurch belästigt. Beschäftige mich deshalb bereits mit Grassroots wie den Urbanauten, die vielleicht das Thema aufgreifen. Für München ist ja jedes noch so kleine Motzen gegen die globalen Abzocker ein Attentat, im Gegensatz zu Städten wie Salzburg, an dessen Dom niemals ein Shitplakat der Geldgeier hängen würde. Meine Lieblingsgalerie
dort bringt auch immer wieder subversive Themen, während in ihrem organisatiorischen Pendant Künstlergruppen über die Frage diskutieren, wie sie Kohlen machen können.
Immerhin hat sich Heten-Christei Ude mit seiner Originalunterschrift an Dorfkramer als Kunstkenner geoutet, weil er die Aktion von Dorfkramer vor einigen Wochen als solche verstanden hat. Ich werde ihm trotzdem mit meinen Themen weiter einheizen.

22 November 2007

Activist Art: Justizposse um Aktion von Wolfram Kastner und Georg Ledig


Die Münchner Tageszeitungen berichten heute über die Einstellung eines Verfahrens gegen die politischen Aktionskünstler Wolfram Kastner und Georg Ledig.
Es ist sehr interessant, wie die Münchner Polizei hier vorgeht. Die hat die beiden aus dem Verkehr gezogen und das mit einem Verstoß gegen das Versammlungsgesetz begründet. Es war also richtig, meine Performance gegen BenQ-Boss Lee als Versammlung anzumelden und den Inhalt mit der Polizei abzustimmen. Wenn Kastner das getan hätte, wären auch keine Probleme aufgetaucht. Jedoch konnte er so erreichen, dass seine Aktion auch medial gewürdigt wurde.

21 November 2007

Isarpromenade: Bürgerversammlung des Bezirks Altstadt Lehel stimmt für Dorfkramer Antrag

München, St.-Anna-Vorstadt: Die Bürgerversammlung des Münchner Kernbezirks Altstadt-Lehel hat gestern für einen Antrag vom Dorfkramer gestimmt. Es handelt sich um eine Empfehlung an die Landeshauptstadt München, eine Untersuchung durchzuführen, ob die autobahnähnliche Isar-Rennstrecke nach dem Ausbau des Mittleren Rings Ost im Jahr 2009 noch in dieser Form benötigt wird. Es hat sich wiederholt gezeigt, dass der Verkehr bei alternativen und besseren Streckenführungen massiv abnimmt. Es wäre dann die Zeit gekommen, an eine Verbesserung des Freizeitwerts an der Isar für alle Bürger zu denken im Sinne einer städtebaulichen Maßnahme wie bei der Düsseldorfer Rheinuferpromenade.

Vorangegangen war eine Vorstellung des Dorfkramer, der darauf hinwies, er sei ein Bürger mit Migrationshintergrund. Schließlich habe er sich als oberbayerischer Dorfbewohner in zehn Jahren von Milbertshofen ins Lehel hochbuckeln müssen und sei wegen seines Dialekts kontinuierlich diskriminiert worden. "Bayerischer Dialekt steht bereits weit hinter exotischen Fremdsprachen," kommentierte Dorfkramer und zeigte sich kämpferisch, als ein Beamter des Planungsreferats den Vorschlag niederbügeln wollte mit den üblichen Methoden der Münchner SPD-Provinzregierung: Geht nicht, machen wir nicht, da könnte ja jeder kommen.

Als dann noch der OB-Kandidat der CSU, der Schmidt Seppi, versuchte, den Antrag verfälscht zur Abstimmung zu bringen, und der so gescheitert wäre, brachte ihn Dorfkramer dazu, den Antrag wörtlich zu verlesen. Der Seppi wollte abstimmen lassen, ob eine Isarpromenade gebaut werden solle, was im Stadium einer Idee Schwachsinn gewesen wäre. So sind halt die Tricks der Etablierten, aber die Bürger des Bezirks haben mit satter Mehrheit zu Ausdruck gebracht, die Landeshautpstadt solle diese Sache endlich einmal wertneutral und profesionell prüfen, bevor dann weitere Wünsche der Bevölkerung kämen.

Die Bürgerversammlung fand in dem Altenheim statt, in das die Oma von Tscharlie Häusler nach ihrem Rauswurf durch einen Hauseigentümer gezogen war. Auch gestern wurde wieder auf die Problematik hingewiesen, dass im Viertel immer mehr Luxuswohnungen gebaut und saniert würden. Diese Vertreibung, die von der Landeshauptstadt gefördert wird, weil sie die besten Grundstücke nur an Superreiche verkauft, hat es bereits vor dreißig Jahren gegeben und wurde in den Münchner Geschichten dokumentiert. Nie war das Thema aktueller. Sogar die Mönche vom St.-Anna-Kloster (Santa Anna) haben sich dafür entschieden, nur noch für Superreiche da zu sein und das ist das Ergebnis: Wohnungen auf Erbpacht ab 900.000 Euro aufwärts.

Auch die Dorfkramerkampagne in Sachen Praterkraftwerk hat gefruchtet. Der Bezirksausschuss, der das Projekt total verpennt hatte, hat gestern noch mal durch den BA-Boss Püschel verlauten lassen, er habe nunmehr auf die Problematik hingewiesen.

Fazit: Nach seiner Olympiainitiative und der Anti-Ribery-Plakatkampagne, mit denen der Dorfkramer erstmals politische Spuren in der übermächtigen Landeshauptstadt hinterlassen hat, hat er nun die Unterstützung der intelligenten und verantwortungsbewussten Bürgerschaft. Die Mächtigen und Superreichen, die den Dorfkramer zu oft beschissen haben, werden sich noch warm anziehen müssen. Der Kampf geht weiter.

19 November 2007

Benq jetzt Qisda: Insolvenzverwalter Martin Prager verliert in erster Instanz


Eine spannende Gerichtsverhandlung wurde den wenigen Beobachtern letzten Donnerstag zuteil. Insolvenzwerwalter Prager hatte sich ja endlich durchgerungen, Arreste zu beantragen. Im Gerichtssaal erfuhr man nun, dass bereits in Holland ein Arrest über 120 Millionen verfügt wurde. Dort befindet sich die Sammelstelle der Zahlungen, die von europäischen Niederlassungen der ehemaligen BenQ, die sich jetzt Qisda nennt, an Die Bosse in Taiwan abgeführt werden. In München hatte Prager weniger Glück. Der Hauptanspruch aus Bonuszahlungen wurde vom Gericht verneint.
Der Arrest über ca. 400.000 Euro blieb jedoch bestehen. Ein kleiner Sieg, jedoch ein wackeliger. Das lief nämlich so ab:

Beim Arrest geht es erst um die Frage, ob es erforderlich ist, sich die Kohle in Deutschland zu sichern, weil in Taiwan Vollstreckungen nur schwer möglich seien. Das bejahte das Gericht. Ein Arrest war also grundsätzlich möglich. Jedoch wurde plötzlich der Einwand vorgetragen, BenQ Mobile sei damals gar nicht zahlungsunfähig gewesen. Die Anwälte legten Kontoauszüge mit dreistelligen Millionenbeträgen aus den Jahren 2005 und 2006 vor, die die Prageranwälte nicht kannten. Näheres werden wir aus der Urteilsbegründung erfahren. Wenn das Hauptsacheverfahren anläuft, dann ist dieser Punkt der Ausschlaggebende. Was ich von Beginn an vermutet habe, scheint sich zu bewahrheiten: BenQ Mobile hätte, wenn nicht gerettet, so doch ordentlich außerhalb eines Insolvenzverfahrens abgewickelt werden können. Prager hat jedoch nachweislich das Unternehmen sofort innerhalb des Verfahrens abgewickelt und ist einfach von einer Zahlungsunfähigkeit ausgegangen, um sich die Millionenhonorare zu sichern.
Mit vier Anwälten unterlag nun Prager, ohne auch den von mir favorisierten Anspruch aus abstraktem Schuldversprechen geltend zu machen. Ein klares Versagen deutscher Institutionen wie Insolvenzgericht und Insolvenzverwalter, die einfach, wie alle Institutionen, die Bürger nicht ernst nehmen und meinen Vorschlag nicht aufgegriffen haben.
Der Fall wird weiter dokumentiert.

12 November 2007

Eishalle Inzell: Ein schöner Traum von warmen Brez´n

Zur Dokumentation heute ein Artikel des Münchner Merkur. Es wird der Sportdirektor der Deutschen Eisschnellauf Gemeinschaft Günter Schumacher vorgestellt, der seine Meinung zum Besten gibt. Das ist ok. zumal der transferierende und zitierende Journalist Armin Gibis den Text durch Erwähnung der Tatsache einrahmt, dass es sich dabei um Träumereien handelt.
Der Merkur ist somit das erste Blatt, das den monatelang kolportierten Bockmist, die Eisstadionüberdachung sei fix, der Bund habe sein ok. gegeben. Baubeginn 2011 und so weiter, in den Bereich des Irrealen stellt.
Was nicht heißt, dass man aus dem Eisstadion nicht etwas vernünftiges machen könnte. Zwei Eisschnellaufstützpunkte in München und Inzell sind jedoch ausgemachter Blödsinn, Herr Schumacher. Entweder München allein oder flexible Halle. Wer soll beides finanzieren, wenn nach Anni Friesinger Jahre vergehen werden, bis wieder ein Weltklasseläufer aufgebaut worden ist? Und nicht mal damit könnte ein zweistelliges Millionenprojekt allein für den Nischensport auf Kosten des Steuerzahlers gerechtfertigt werden. Das ist halt nun mal die Realität.

Die Realität erkannt haben auch der Inzeller Zweite Bürgermeister Johann Egger (Eckei) und der Sprecher der Fraktionsgemeinschaft SPD/Bürger für Inzell Johann Rieder (Schwindlig Sepp). Tatsächlich wurde der auf einer Veranstaltung von Karl-Heinz Holzner (wer is´n dös, wem g´hörta denn?) gefragt, wie sich die Gemeinde angesichts ihrer Finanzlage denn 3 Millionen für den Hallenbau leisten könne. Antwort Rieder: "Wir haben noch keine einzige greifbare Vorlage. Über die Bedingungen und darüber, ob man sich das als Gemeinde leisten könnte, kann man erst sprechen, wenn man eine Vorlage habe. " Das erste vernünftige und wahrheitsgetreue Statement aus Inzell.

Dass die CSU zu dumm ist, das zu kapieren, ist mir ein Rätsel. Demnach Hut ab vor den Dorfsozis. Es könnte aber auch sein, dass die CSU nur die Bevölkerung ordentlich einseifen möchte, wie sie es ja schon seit Jahrzehnten macht. Es geht nicht darum, was wirklich ist, sondern was die Leute glauben sollen. Mit dieser Strategie fuhr die CSU immer gut, aber es gibt mittlerweile einen Bevölkerungsanteil, der informiert ist und mitdenkt. Die Lügenbarone der CSU verlieren nach und nach bürgerlich eingestellte Menschen und hätte ich in Inzell Wahlrecht, ich würde den Eckei und den Sepp wählen, die mit gesundem Menschenverstand Dingen auf den Grund gehen und nicht in sofortiges Dampfgeplaudere verfallen, wenn sie nur irgendein Interesse von Medien verspüren.

Man kann hoffen, dass mit der Veröffentlichung des Münchner Merkurs die etablierte Presse nunmehr realistischer an die Sache rangeht und nicht jeden Stuss eins zu eins übernimmt, der ihr von dem Möchtegern-PR-Duo Martin Hobmaier und Hubert Graf geblasen wird. Was der Dorfkramer Activist Blog aufgedeckt hat, ist ein veritabler Medienskandal, der die Dummheit, Faulheit und mangelnde Sorgfaltspflicht einzelner Journalisten, Redakteure und Mitwirkender am Medienbetrieb schonungslos offenlegt. Ein Lehrbeispiel für Erstsemester des Studienfachs Kommunikationswissenschaften, jedoch auch ein Medienseminar an der Volkshochschule wert.

08 November 2007

Eishalle Inzell: Traunsteiner Tagblatt stützt Lügengebäude der CSU

Heute ein Artikel des Traunsteiner Tagblatts, das eine reine Grußbotschaft der CSU ist mit dem Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier und dem langjährigen Traunsteiner Landtagsabgeordneten Alois Glück, der hier den Josef Filser gibt.

Hobmaier sagt:

Fest steht nur, dass das Projekt 30 Millionen Euro kostet. Alles andere ist Spekulation«, so die klärenden Worte von Bürgermeister Martin Hobmaier zu den jüngsten Aussagen von Stadionleiter Hubert Graf zum Eishallenbau in Inzell.

Sehr klärend. Aufgeklärt wird der Leser jedoch nicht über die Berechnung der 30 Millionen. Geht auch nicht, da es weder einen Plan noch eine darauf basierende Kostenschätzung gibt. Schon die 30 Millionen sind reine Spekulation.

Alois Glück sagt:

Offenbar gibt es auch eine mündliche Zusage von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble für Bundesmittel für das Hallendach im Falle eines WM-Zuschlags für Inzell, von der Glück ebenso wie Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider gegenüber der Presse berichten. »Eine entsprechende Zusage des Freistaats Bayern liegt ebenfalls vor«, ergänzt Glück.

Die Leser des Dorfkramer Activist Blog wissen schon seit Tagen, dass es keine Zusage des Bundesinnenministeriums gibt. Auch eine Zusage des Freistaats Bayern nicht, da darüber der Haushaltsausschuss des Landtags befinden müsste. Und dies auch nur auf Antrag der Gemeinde Inzell, die Trägerin des Eisstadions ist.


Ergebnis: Ein reiner CSU-Spin, der das zusammengezimmerte Lügengebäude festigen soll. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Lügengebäude zusammenbricht. Bis dahin freuen wir uns noch auf die CSU-Hofberichterstattung des Traunsteiner Tagblatts, das einfach die Tatsache verschwiegen hat, dass es eine Auskunft des Bundesministeriums des Innern gibt, die klar und deutlich zum Ausdruck bringt, dass es keine Zusage für die Eishalle gibt. Ich wiederhole: Es ist sicher, dass es keine Kohle für die Eishalle auf absehbare Zeit gibt. Inzell kann sich diesen Traum abschminken. Nicht einmal die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft unterstützt das Vorhaben durch eine positive sportfachliche Stellungnahme und damit ist eine Förderung aus Steuermitteln nicht zu rechtfertigen. Sogar die Männermannschaft der DESG wurde jetzt aus den Stützpunkten abgezogen, weil eine Zentralisierung erforderlich ist. Zur Erinnerung: Nach Anni Friesinger und Jenny Wolf kommt nichts erfolgversprechendes. Die Männer zerreißen seit Erhard Keller nichts mehr. Das war 1972 (!). Wie will man für diese Nischensportart die Notwendigkeit zweier Eishallen in Berlin und Erfurt und einer Dritten für 30 Millionen erklären?

Ich habe die Haus- und Hofjournalistin Veronika Mergenthal über diese Tatsachen informiert, aber offensichtlich ist dies nicht angekommen. Das Traunsteiner Tagblatt ist deshalb der Mißachtung journalistischer Grundsätze überführt. Der Artikel ist wertlos. Er verunsichert die Bevölkerung und suggeriert Möglichkeiten für Inzell, die es nicht gibt. Dass sich Alois Glück und der Verleger Miller dazu hinreißen lassen, verstehe ich nicht. Ich kann für mich nur den Schluß ziehen, dass man bis hinunter ins Lokale letztendlich verarscht wird, wie es geht. Eine kleine Bevölkerungsschicht, die dies durchschaut, hat schon längst die Konsequenzen aus dieser Tatsache gezogen und recherchiert einzelne Themen lieber selbst.

02 November 2007

Eishalle Inzell: BMI gibt Auskunft

Gestern habe ich folgende Auskunft der Pressestelle des Bundesministeriums des Innern erhalten:

"...ich habe mich in der Sportabt. nach Ihrer Mail zum Sachstand erkundigt und kann Ihnen wie folgt antworten:
Eine Zusage des Bundes, den Bau einer Eisschnelllaufhalle in Inzell zu unterstützen, ist hier nicht bekannt. Es liegen diesbezüglich auch keine positiven sportfachlichen Voten der Deutschen Eisschnelllaufgemeinschaft (DESG) und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor."