20 Oktober 2007

Ich war im Schwarzen Block



Jetzt kann ich also behaupten: Ich war im Schwarzen Block. Zwei- Dreihundert Meter bin ich mitgegangen Justice-Peace-Fuck-The-Police, Our Street habe ich mit skandiert. Eine feine Sache, da es kein Risiko war. Die örtliche Bullerei war mit einer Übermacht von 4:1 angetreten und die jungen Leute hatten keine Chance, etwas illegales zu machen, außer zwei Papierkörbe umzuwerfen. Das reichte aus, um den Haufen abzudrängen, also zu isolieren, sagt der Polizeipräsident. Dann drohte der Polizeichef mit der Flüstertüte im Anschlag mit Einsperren und die Leute durften auf dem Gehsteig weitermachen. Die Aktion hatte also mehr symbolischen Charakter. Und sie gab mir einen kleinen Einblick in die Szene. Warren, ein ehemaliger Student in Leipzig, den ich Mittags angesprochen hatte, holte mich mit seine Spez´l aus dem Hotel ab. Er erzählte mir vom Schwarzen Block in Rostock und den Hintergründen. Warren war damals dabei und ich sagte ihm, dass dieser mit der NPD eine Woche lang die Schlagzeilen beherrscht hätte. Es sei also ein Erfolg gewesen und viele hätten damit sympathisiert, dass es bei dem G8-Gipfel noch was anderes gegeben hätte als die üblichen Bussi-Bussi-Bilder der politischen Amtsträger. Warren war kein Linker oder Rechter, sondern ein Typ, der verstand, dass IWF und Weltbank sich jeglicher Kontrolle durch nationale Parlamente entzogen hätten und eine kleine Minderheit dort ihr Ding drehe. Das sei klar, erwiderte ich. Das jährliche IWF-Treffen sei auch eine Plattform für große Bankgeschäfte. Die Besucher dort machen Deals mit Politikern und den Verwaltungsleuten. Ich hätte gestern im Aufzug vier Engländer getroffen, die sich über die Summe von 300 Millionen Dollar unterhielten, die sie einschieben würden. Das habe nichts mit Extremismus zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand, dass es auf dieser öffentlichen und mit Steuergeldern finanzierten Plattform um eine größere Umverteilung handle und der Rest Geplänkel sei, um über Medien die Masse ruhig zu halten. Also dann lieber Schwarzer Block und das sei gut so. Ich verabschiedete mich von Warren und seinem Kumpel und sagte, ich wolle kein Risiko eingehen, dicke Augen zu kriegen oder eingebuchtet zu werden. Ist klar, meinte er. Ich hoffe, ich sehe ihn morgen auf der Großdemo wieder.

Keine Kommentare: