28 Oktober 2007

Eishalle die Zweite

Eishalle die Zweite. Damit ist gemeint, dass es zwei Lobbykanäle gibt auf dem Weg zu einer Eishalle in Inzell. Die Grundlagen sind hier beschrieben. Nachdem nun der Lobbykanal der Olympiabewerbung Münchens freigelegt ist, macht im Internet eine dpa-Meldung die Runde, die davon spricht, der Bund hätte die Finanzierung der Eishalle zugesichert.
Vergleichen wir mal die verlinkten Artikel des Traunsteiner Tagblatts/Chiemgau-Online und der FTD. Eine wahre Freude für Medienanalysten. Also: Veronika Mergenthal vom Tagblatt hat sich die Arbeit gemacht und beim Münchner Olympiaparkboss W. Spronk nachgefragt, was es mit dem Vorschlag einer mobilen Halle aus sich habe. Meine Schlagzeile "Eishalle kommt nach Inzell" hat sie nicht übernommen, sondern ein Fragezeichen dahinter gestellt. Sie hat mich zitiert, aber auch einen Experten mit Spronk und natürlich Martin Hobmaier, der als schnell erreichbarer und greifbarer Bürgermeister natürlich seinen Senf dazu geben konnte. Ein Artikel, der dem Leser Nutzen bringt, weil er verschiedene Meinungen neutral gegenüber stellt. Es geht klar daraus hervor, dass es sich um öffentliche Debatte handelt, die man, so meine ich, bei einem 30 Millionen-Projekt auf Kosten der Steuerzahler schon mal entfachen darf.
Dem gegenüber die dpa-Meldung, die automatisiert in der Nachrichtenecke der FTD gelandet ist. Es ist klar, dass der Bund keine offizielle Zusicherung gegeben hat, da auf dessen Seite keine entsprechende Pressemitteilung zu finden ist. Allerdings gab es auch kein Dementi auf Nachfrage. Der Ministeriums-Presseboss war aber wahrscheinlich am Freitag schon im Wochendende. Die Gemeinde Inzell scheint ihre Pressearbeit in dieser Sache dem Stadiondirektor Hubert Graf (Grafei) überlassen zu haben. Und Grafei war es auch mal wieder, der einem Journalisten diese Nachricht, die ein Gerücht ist, gesteckt hat. dpa hat nicht recherchiert und die Nachricht eins zu eins übernommen. Was für den Grafei spricht, dass er die dpa so aufs Glatteis führt. Jedoch besteht die Gefahr, dass der Schuss nach hinten los geht und Grafei nicht nur im Dorfkramer Activist Blog an Glaubwürdigkeit einbüßt. Ich bleibe dabei: Die Finanzierungsübernahme eines Projekts, für das es keinerlei Berechnungen gibt, sondern nur eine Summe von 30 Millionen in den Raum gestellt wird, ist sehr unwahrscheinlich. Allein der Höhe nach wäre dies die größte Summe öffentlich finanzierten Sportstättenbaus aller Zeiten. Fraglich ist auch, ob die Gemeinde Inzell 3 Millionen und höhere Folgekosten aufbringen kann. Und vor allem, ob sie es will.
Der Punkt geht deshalb klar an das Traunsteiner Tagblatt, das das Thema hoffentlich weiterhin in diesem seriösen Stil begleitet. Vielleicht recherchiert Frau Mergenthal mal beim Bundesministerium des Innern, ob es diese Zusicherung gibt und wie diese aussieht.

Nachtrag vom 30.10.2007:
Nach Auskunft der Gemeinde Inzell gibt es keine schriftliche Zusicherung des Innenministeriums. Laut Interview des Kultusministers Siegfried Schneider, gibt es eine "mündliche Zusage" des Bundesinnenministers Schäuble. Eine Kostenschätzung gibt es aber nicht. Ergebnis: Es handelt sich um eine bloße Dampfplauderei. Es gibt weder ein Konzept für eine Halle noch einen realistischen Entwurf mit Kostenschätzung. Meine Annahmen waren also richtig. Der bayerische Kultusminister scheint das Förderprogramm nicht zu kennen oder er will es nicht. Geklärt ist jedoch noch nicht, ob die dpa-Meldung "Inzell bekommt Eishalle", die durch etliche Medien ungeprüft gegeistert ist von Hubert Graf kommt oder von der dpa selbst aufgrund des Schneider-Interviews rausgeballert wurde. Wir werden es im Dorfkramer Activist Blog, der einzigen vernünftigen Quelle in dieser Causa noch lesen.

Nachtrag 2. November 2007: Der Pressesprecher des BMI hat nun doch meine Vermutung bestätigt.



Da die Gefahr besteht, dass die Internetartikel gelöscht werden, hier einige Auszüge:
Das Traunsteiner Tagblatt titelt:


Nach Olympia mobile Eishalle nach Inzell?

" Die Sorgen Inzells um die Zukunft seines Eisschnelllauf-Zentrums scheinen bei den Planern für die Winterolympiade 2018 in München Gehör zu finden. Laut Medienberichten sei gemäß dem vorläufigen Konzept eine mobile überdachte Eisschnelllauf-Arena möglich, die nach den Spielen in Inzell wieder aufgebaut werden könnte. »Das ist machbar, genauso wie eine feste Halle. Die Technik ist heutzutage so weit fortgeschritten«, bestätigte der Olympiabeauftragte der Stadt München, Wilfrid Spronk, auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Eisschnelllauf-Arena solle im Sinne der kompakten Bewerbung im Umfeld des Münchner Olympiaparks entstehen. Konkretisiert werde die Planung erst nach einer positiven Entscheidung der Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 8. Dezember in Hamburg für die Münchner Bewerbung. »Nach dem Stimmungsbild beim Spitzengespräch am Montag in Frankfurt dürfte das kein Problem sein«, so Spronk.Dr. Stefan Engelsberger, Inzeller Hausbesitzer, freut sich, dass die Verantwortlichen mit der »verpflanzbaren« Halle eine von ihm verbreitete Idee aufgegriffen haben. Nun komme es darauf an, nach der offiziellen Bewerbung des DOSB die Projektleitung davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, schon vorher eine solche flexible Eishalle in Inzell zu bauen. Das gehe aber nur mit einem Begleitkonzept, das über den Eisschnelllauf-Spitzensport hinausgehe. »Bis 2018 sollte man damit nicht warten.« Inzell brauche wie der gesamte bayerische Alpenraum jetzt einen Finanzierungsschub.




Financial Times Deutschland:

Bund sichert Bau für Eisschnelllauf-Halle zu
Unabhängig von einer Münchner Olympia-Bewerbung für 2018 soll Inzell als dritter deutscher Standort eine moderne Eisschnelllaufhalle erhalten, falls die bayerische Gemeinde vom Weltverband ISU den Zuschlag für die Ausrichtung der Einzelstrecken-WM 2011 erhält.

Das Bundesinnenministerium hatte dem traditionsreichen Eisschnellaufort in dieser Woche zugesichert, sich in diesem Falle an den Kosten für die Überdachung der Bahn zu beteiligen. Das Gesamtprojekt wird rund 30 Millionen Euro kosten.
«Diese Zusage hat uns natürlich in Euphorie versetzt», meinte Organisationschef Hubert Graf in Erfurt. Er hofft, dass rund 60 Prozent der Kosten vom Bund getragen werden. Der Freistaat Bayern wird sich mit rund 30 Prozent beteiligen, den Rest wird die Gemeinde Inzell stemmen. Bereits zuvor hatte Inzell vom ISU-Präsidenten Ottavio Cinquanta die Zusicherung erhalten, dass die WM 2011 in Inzell stattfinden könne, wenn die Bahn dann überdacht sei. Die offizielle WM-Vergabe nimmt der ISU-Council im Mai 2008 vor.
Auf der Freiluftbahn in Inzell fanden bisher zwölf Welt- und Europameisterschaften statt, mehr als 20 Mal war Inzell Austragungsstätte von Eisschnelllauf-Weltcups. Eisschnelllauf-Hallen gibt es in Deutschland bislang nur in Berlin und Erfurt.

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