06 September 2007

Zeitenwende in Bayern: Wie Edmund Stoiber, Günter Beckstein und Siegfried Schneider Terroristen heranzüchten

Heute, inmitten der Hysterie um sogenannte islamistische Terroristen, die ein Bombenattentat geplant haben, flattert mir ein Brief des Kultusministers ins Haus. Die Plakataktion an der Theatinerkirche sei gerechtfertigt. Es ließe sich nur über Geschmack streiten usw. Mit keinem Wort wurde auf meine dezidierten Vorwürfe eingegangen. Nämlich, dass es sich um die Entwertung eines staatlichen und religiösen Symbols handelt. Ein typischer nichtssagender Brief eines bayerischen Ministeriums.

Nun rätselt natürlich alle Welt, vor allem Polizeiminister Beckstein, wie es sein könne, dass immer mehr zum Islam konvertieren würden und sich dann auch noch gegen Kulturimperialismus aller Art gewaltsam zur Wehr setzen. Die Antwort geben noch bis Ende November alle Werbeplakate an der Theatinerkirche, also nicht nur das Ribery-Plakat: Die Entwertung der zwei integrierenden Identitätsanker Staat und Religion bringen motivierte Menschen dazu, sich einen anderen identitätsstiftenden Ersatz zu suchen.

Nun brauchen natürlich die Polizeiminister Beckstein und Schäuble solche vereitelten Attentate, um weitere Maßnahmen hin zu einem Überwachungsstaat zu rechtfertigen. Es ginge aber auch anders. Es ginge zum Beispiel mit einer klaren Aussage, dass staatliche Symbole wie die Theatinerkirche von Werbung frei bleiben, weil es dem Staat und der Kirche wert ist, dieses Symbol auch ohne Werbeeinnahmen zu finanzieren, was ohne weiteres möglich wäre. Was soll sich ein Mensch denken, der bisher an Bayern geglaubt hat und nun Ribery auf einem Plakat an der Theatinerkirche erblickt, der die bayerische Kultur verhohnpiepelt? Was soll er davon halten, dass ein Staat mitten in seinem Zentrum die Penetration des öffentlichen Raums duldet: für eine Handvoll Dollars? Richtig: Er hält von diesem Staat genausoviel wie von einem kleinen Zuhälter.

Es ist unbegreiflich, dass es keine Münchner oder bayerische Kulturelite gibt, die solche Zusammenhänge durchschaut. Ein Kultuminister Schneider, dem alles wurscht ist, der in den Meinungsstrom der Beliebigkeit eingetaucht ist. Ein Polizeiminister Beckstein, der sich um Aufklärungsquoten Sorgen macht, anstatt einfachste Prävention zu betreiben. Signale wie das der Theatinerkirche, dass in Bayern Symbole für ein paar Riesen gekauft werden können. Dass sogar die katholische Kirche zu diesem Geldbeschaffungsmittel greift, anstatt Spenden zu sammeln, die ich als erster gegeben hätte. Wer glaubt einem Pfarrer, der zu faul ist, eine solche Spendenaktion zu veranstalten? Und wer glaubt im Gegensatz dazu einem Fastenprediger in Pakistan, der sogar dazu bereit ist, für seinen Glauben sein Leben zu lassen? Und glaubt die stupide Spass-Masse nicht längst an den Fussballer Franck Ribéry der engels- und königsgleich den Sinn des Lebens vermittelt?

Eben: Und darum ist ab heute mit dem Zusammenfallen des Schreibens des Kultusministers mit dem aufgedeckten Terroranschlag die Zeitenwende in Bayern eingeläutet. Bayern ist ein beliebiges käufliches Bundesland geworden, dessen Symbole in München und anderswo reine Renditeobjekte aus einer vergangenen Zeit sind. Es gibt keine bayerische Identität; die Gesellschaft ist in Teilidentitäten zersplittert und schafft sich eigene Räume. Auch innerhalb der deutschen Bevölkerung. Es gibt keinen gemeinsamen Anker mehr, die letzten Bastionen Religion und Staat sind mit der Theatinerkirche endgültig geschliffen.

Diese Tatsache muss jedem klar sein. Und auch muss jedem klar sein, dass es wie seit Jahrtausenden Menschen gibt, die einen höheren Sinn suchen, als den Turnschuhkonsum und die wöchentliche Fussball-Bundesliga. Einige dieser Menschen ziehen sich zurück in Askese oder andere Lebensstile. Andere jedoch, und so wird es immer sein, wollen andere Menschen vom höheren Sinn überzeugen und finden diese durch gewaltsame oder gewaltlose Beiinflussung.
Die genannten Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung durchschauen diese Zusammenhänge nicht. Sie wenden sich eher dem CSU-Bierzeltwahlkampf zu und diskutieren über Themen, die nicht einmal ich kenne, da ich mich, wie viele, nicht dafür interessiere. Was bleibt ist die Dokumentation dieses Geschehens: Die Zeitenwende in Bayern.

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