28 September 2007

Olympiabewerbung München: CSU nun offiziell für Hörmann-Ude-Plan

Nur nachrichtlich und für alle Lobbyinteressierten, also den Menschen, die wissen und wissen wollen, wie Politik funktioniert heute die erste Nachricht aus der Bayerischen Staatskanzlei, also der CSU: Staatsregierung vertröstet Wintersportorte.
Ein paar Hundert Leser meines Artikels wissen Bescheid. Das CSU-Gebell der Wahlkreisabgeordneten und Kommunalpolitiker um Alois Glück diente der Ruhigstellung der Wählerschaft. Erst verschlief man die Sache, dann ging man dazu in die Presse, um den Eindruck zu erwecken, es könne noch etwas gegen das Ude-Hörmann-Konzept gemacht werden, was jedoch völlig aussichtslos war ohne alternative Vorschläge. Der "Trost" in Form von Weltmeisterschaften in Inzell, Ruhpolding und Oberstdorf ist keiner, da sich diese Orte von vornherein immer wieder um solche Ereignisse bewerben.
Die anderen, die sich aus der Presse informieren, glauben jetzt, dass die CSU sich erfolgreich für die Interessen der nichtberücksichtigten Wintersportorte eingesetzt hätte. So läuft das herkömmliche Politikgeschäft: Komplettverarsche, jedoch mit willigen Bürgern, die sich eben verarschen lassen.
Im Falle Transrapid ist es umgekehrt: Hier macht Münchens OB Ude Glauben, er könne das Projekt mit einer Klage stoppen, was bereits Laien aber auch Experten als aussichtslos ansehen.
Damit steht er in der Öffentlichkeit gut da und lenkt von seinen Defiziten hinsichtlich eines Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs ab, der sich nicht nur auf die zweite S-Bahn-Röhre beschränkt.
Der einzige Unterschied ist die lange Vorbereitung der Transrapidkampagne zur schnellen Olympiabewerbungsinitiative, die eine Art Überrumpelung war.
Auch nachrichtlich: Ich bin gespannt, ob die WM-Bewerbung Inzells 2011 ohne Halle Erfolg haben wird, bzw. ob 30 Millionen Steuergelder für eine Überdachung gegeben werden. Meine Prognose: Irgendwann wird sich die Gemeinde überlegen müssen, die Immobilie zu entwickeln. Und das heißt, sich weiteren Nutzungen als Eisschnelllauf zuzuwenden.

24 September 2007

Activist Art: Green City in der Sendlinger Straße



Kaum eröffne ich das Thema Activist Art, schon bieten mir die Aktivisten von Green City München Anschauungsmaterial. Ein grüner Rasen auf drei Parkplätzen in der Sendlinger Straße, Vorgartenidylle: Aktion und Happening zugleich. Hintergrund: Green City setzt sich für weniger Autos und mehr Grün in urbanen Zentren ein und folgt damit der globalen Umbrellaorganisation worldcarfree.net, das sogar einen Activist Art Wettbewerb ausgeschrieben hat.


Interessant ist das Interview mit Silvia Gonzalez, das einerseits klar macht, wieviel Arbeit und Kreativität in diesen Projekten steckt und andererseits auch ehrlich aussaugt, dass man oft spontan sein muss und sich nicht immer hundertprozentig an gesetzliche und verwaltungstechnische Vorgaben halten kann. Dies ist immer ein Problem, da es auch Lücken im Gesetz für solche Activist Art im öffentlichen Raum gibt. Es taucht immer wieder die Streitfrage auf, ob es sich nun um eine Sondernutzung oder eine Versammlung handelt.



Die Reaktionen oder Nichtreaktionen von Passanten, Radfahrern, Fußgängern, Autofahrern, Ladenbesitzern usw. lassen den Schluss zu, dass es sich bei dem politischen Ziel von Green City bereits um Allgemeingut handelt. Der Vorgarten in der Stadt wurde bereits als völlig normal wahrgenommen. Activist Art als Testballon, ob eine politische Initiative auch durchgesetzt werden könnte. Auf Widerstand stößt das Anliegen offensichtlich nicht, was für eine rasche Initiative bei der Landeshauptstadt München spricht.

20 September 2007

Rechtsanwalt von Gravenreuth: Beweise für die Rechtsanwaltskammer München

Heute bringe ich einen Internetartikel mit Aussagen des taz-Anwalts Johannes Eisenberg zur Rechtsanwaltskammer. Reagiert diese nicht, kann man hinterfragen, was diese Kammer soll, wenn sie nichts gegen schwarze Schafe des Berufsstands unternimmt. Reagiert sie, werde ich das Aktenzeichen hier veröffentlichen, damit sich Geschädigte dort melden können. Der Fall muss umfassend aufgearbeitet werden. Gravenreuth ist nicht der einzige Rechtsanwalt, der Kohlen zockt, in dem er falsch berät, Leute unter Druck setzt oder sie mit falschen Versprechungen in die Rechtsanwaltsfalle lockt. Meine Erfahrungen hier und hier. Das Internet ist übrigens das revolutionäre Medium, das diese Abzocke aufdeckt. Die konventionelle und etablierte Presse weigert sich, solche Dinge aufzudecken. Wir leben in einer Zeit des Verlautbarungsjournalismus. Nur Blogs können diese Lücke durch direkte Berichterstattung und aktive Teilnahme an solchen Verfahren schließen. Ich bitte alle verantwortlichen Netzpublizisten an einer gesellschaftlichen Entwicklung dergestalt teilzunehmen, als sie selbst ins Geschehen eingreifen und somit Informationen erhalten. Dem Rechtsanwalt Johannes Eisenberg attestiere ich eine Vorreiterrolle. Seine ausführliche Schilderung des Falls in der Öffentlichkeit ist keine plumpe PR Masche, sondern spricht für seine Integrität. Ich würde mir wünschen, mehr von dieser Sorte zu haben.

Hier der Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu meiner Anzeige/meinem Antrag gegen Rechtsanwalt Freiherr von Gravenreuth sende ich Ihnen einen Artikel aus dem Internet mit einer Beschreibung des Hintergrunds von Herrn Rechtsanwalt Johannes Eisenberg mit der Bitte um Kenntnisnahme.

Ich bitte um kurzfristige Mitteilung über die Aufnahme des Verfahrens und ein Aktenzeichen, damit Geschädigte von Rechtsanwalt Freiherr von Gravenreuth weiteres Beweismaterial vorlegen können.

Im übrigen berichtige ich meinen Vorschlag einer gemeinnützigen Verwendung des Bußgelds. Natürlich soll dies gegen Internetsucht und Abmahnunwesen verwendet werden.



Mit freundlichen Grüßen

18 September 2007

Praterkrafwerk: dorfkramer fordert Initialzündung für Ausbau der Isarpromenade

München - St.-Anna-Vorstadt, 18. September 2007:
In einer Einwendung zum wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren für das Praterkraftwerk weist dorfkramer heute die Landeshaupstadt München darauf hin, dass das geplante Wasserkraftwerk nicht an die exponierte städtebauliche Lage angepasst ist. "Die Planung dieses Dorfmühlenkraftwerks, lockt niemanden hinterm Ofen vor," so der unabhängige Lobbyist und globale Aktivist. Durch den Ausbau des Mittleren Rings Ost, würde der Verkehr auf der Isarstrecke in ein, zwei Jahren abnehmen. Dies würde endlich den Weg frei machen, um den wertvollsten Ort jeder Millionenstadt: dem Platz am Wasser zur Isarpromenade auszubauen und ein innovativ gestaltetes Wasserkraftwerk mitten in der Innenstadt weltweit als energetisches Vorbild zu vermarkten. "München als Technikstadt hat besseres verdient." Die Achse zwischen Landtag und Maximiliansforum solle als "Mall" gestaltet werden, eine Meile der politischen Intelligenz in einer fortgeschrittenen Demokratie. "Münchens OB Ude erkennt einfach nicht, welche Dinge in München gemacht werden können. Es ist an der Zeit, dieses zu ändern." Hier das Schreiben:



Dr. Stefan Engelsberger
Steinsdorfstr. 5, 80538 München, Germany
engelsberger@online.de
+49 174 1760577




Landeshauptstadt München 18.09.2007
Referat für Gesundheit und Umwelt
Bayerstr. 28a

80335 München






UW 33 - Herr Echle - Praterkraftwerk;
Einwendung nach §§ 73 Abs. 4 Satz 1 BayVwVfG, § 9 Abs. 1 UVPG, § 7 Abs. 1 WHG


Sehr geehrte Damen und Herren,

als Anlieger und damit unmittelbarer Betroffener erhebe ich gegen das Projekt „Praterkraftwerk“ nach Einsichtnahme in die Unterlagen folgende Einwendungen:

1. Wie der Presse zu entnehmen ist, wirkt sich der Betrieb des geplanten Kraftwerks auf den Wasserstand der Isar aus. Es ist deshalb in die Erlaubnis eine Nebenbestimmung aufzunehmen, die besagt, dass der sogenannte Isarplan durch den Betrieb des Kraftwerks nicht beein-trächtigt werden darf. Des weiteren hat eine Überwachung nach § 21 WHG stattzufinden und zwar einmal jährlich unter Einbeziehung der Anlieger und der Naturschutzverbände, die sich im Erlaubnisverfahren geäußert haben.

2. Die Umweltverträglichkeitsprüfung erfasst auch mittelbare Auswirkungen auf Menschen, Landschaft, Kulturgüter usw. (§ 2 Abs. 1 UVPG). Dies auch hinsichtlich zukünftiger Auswirkungen. Die Landeshauptstadt ist diesen Vorgaben nur zum Teil gefolgt. Zum Beispiel wurde eine Stellungnahme bezüglich der neuen S-Bahn-Röhre eingeholt. Es wurde jedoch ein wesentlicher Punkt vergessen.

Die städtebauliche Lage ist so grandios, dass das Kraftwerk architektonisch und technisch Maßstäbe setzen muss. Für ein normales Unterwasserkraftwerk wie geplant ist der Platz zu schade, die Stromgewinnung ist zu gering, um den Eingriff zu rechtfertigen. Es sind weitere öffentliche nutzbringende Elemente in das Projekt zu integrieren, um ein sinnvolles Kosten-Nutzen-Verhältnis zu schaffen. Hierbei ist in die Planung die künftige Entwicklung des Ortes einzubeziehen. Diese unterliegt vor allem dem absehbaren Rückgang des Verkehrsflusses auf der frequentierten Isarstrecke. Schließlich wird man in zwei Jahren durch Fertigstellung des Richard-Strauß-Tunnels ampelfrei und schneller über den Mittleren Ring zwischen Nord und Süd verkehren. Diese Entwicklung kann dazu genutzt werden, die Steinsdorf- und Widenmayerstraße als Isarpromenade auszubauen und dem Platz städtebaulich endlich das Gewicht zu verschaffen, das ihm als Platz einer Großstadt am Wasser gebührt. Weltweit werten Großstädte ihre Flächen am Wasser auf, sei es Frankfurt am Main, Hamburg oder Flensburg in Deutschland, London Docklands oder Puerto Madero Buenos Aires. München behandelt seine Isaranraineranlagen stiefmütterlich und muss diese endlich aufwerten, was dazu führen wird, dass auch Hauseigentümer ihre Gründerzeitfassaden im Lehel renovieren können. Das Praterkraftwerk kann bei dieser hochwertigen Neugestaltung eine Leitstellung für den Bewusst-seinswandel hin zur intelligenten Stadt unter sinnvoller Nutzung aller Ressourcen einnehmen. Dies mit Nutzung der technischen und gestalterischen Intelligenz der Stadt. Kurz gesagt: Das Praterkraftwerk als Wasserkraftwerk in der Großstadt an einem exponierten Ort kann weltweit als Attraktion vermarktet werden, wenn es unter architektonischer Herausarbeitung der Technik errichtet wird. Zu denken wäre an transparente Baustoffe, die die Turbine sichtbar machen bis hin zu entsprechendem Design der Trafostation und der Uferanlagen.

Auf der Achse zwischen Maximiliansforum und Maximilianeum könnte thematisch eine Art „Mall“ entstehen, eine politische Meile in einer fortgeschrittenen Demokratie, die die Notwendigkeit einer funktionierenden Zivilgesellschaft herausstellt.

Da der Rückbau der Isarstrecke kurzfristig möglich sein wird, ist diese Vision bereits in diesem Verfahren zu artikulieren und zu würdigen, um die Antragsteller auf den Punkt hinzuweisen. Das Praterkraftwerk sollte unter entsprechender Beteiligung von Bezirksausschuss, Stadtrat und Stadtverwaltung die Initialzündung für dieses städtebauliche Projekt darstellen. Da die wasserrechtliche Erlaubnis ein Koordinationsverfahren ist, ist dieser Punkt in die Abwägung mit einzubeziehen. Schließlich werden durch mögliche Versäumnisse (siehe S-Bahn) Chancen nicht ausreichend wahrgenommen und damit Steuergelder verschwendet. Der Platz ist einfach viel zu wertvoll um ein ordinäres Dorfmühlenkraftwerk zu errichten, das niemanden interessiert. München als Technikstadt hat anderes verdient, gerade im Hinblick auf das vom Praterkraftwerk aus sichtbare Deutsche Museum. Der Entwurf ist schlichtweg uninteressant. Wenn man schon baut, dann gescheit und mit Blick auf die genannte Entwicklung, die bisher von keinem Beteiligten erwähnt wurde.

Einen Elektroabdruck dieses Schreibens erhalten der Bayerische Landtag und die Regierung von Oberbayern. Ich veröffentliche alles zum Thema auf

http://dorfkramer.blogspot.com/search/label/Praterkraftwerk


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Engelsberger

17 September 2007

Activist Art: Kunstform für Politische Kommunikation

Heute ist es Zeit, mit der Besprechung einer Kunstform zu beginnen, deren explizite Nennung letztes Jahr während der IWF-Weltbank Tagung in Singapur erstmals Kreise erreichte, die kulturell kaum gebildet sind und Kunst vordergründig als Investment sehen: die internationale Finanzwelt. Ich erntete mit der Ankündigung, ich würde eine "Activist Art Performance" machen Interesse, vor allem bei den Einwohnern von Singapur, deren Medien vom ersten Tag an über die Aktivisten aus aller Welt berichtete und mir mit einer Kamera zusah, wie ich den Ort meiner Performance begutachtete. Die Regierung Singapurs wollte damals nicht, dass es Unruhen gab und stellte im Tagungszentrum einen Platz zum Demonstrieren zur Verfügung. Was wesentlich wirkungsvoller war, da ich das Thema "Betrug der argentinischen Regierung in Zusammenarbeit mit IWF und Regierungen" weltweit platzieren konnte, unter anderem durch ein Foto in der International Herald Tribune. Die deutschen Journalisten waren damals sehr reserviert, aber zu diesem Thema komme ich ein ander Mal. Stichwort: "Igitt, ein Aktivist, wir wollten doch das Statement vom Herrn Bundesfinanzminister abschreiben."
Wenn Sie in google den Begriff "Activist Art" eingeben, werden Sie erkennen, dass es Ihnen kaum deutschsprachige Seiten dazu ausgibt. Ich stehe mit meinem Dorfkramer Blog ganz oben. In Wikipedia gibt es nur den Begriff der Protest Art. Das bedeutet, dass diese Kunstgattung noch nicht so recht besetzt wird. Ist sie schließlich auch die Kunstgattung fortgeschrittener Demokratien, in der Einzelinteressen artikuliert werden müssen, um nicht unterzugehen. Deutschland gehört nicht zu diesen Demokratien. In Deutschland begann ein solcher Ansatz mit dem Argentinienbetrug unter Horst Köhler und dem IWF, der nach wie vor durch die Bundesregierung gefördert wird, da schließlich diese Bundesregierung selbst Gläubigerin Argentiniens ist und ihre Machtstellung dazu ausnutzt, die eigenen Bürger zu benachteiligen. Dies mit dem Totschlagsargument, es handle sich um eine Privatangelegenheit gieriger Spekulanten, obwohl es sich um eine sittenwidrige Kreditgefährdung des IWF und eine nachfolgende pure Zahlungsverweigerung Argentiniens war.
Wenn alle Papiere, die publiziert werden und Gespräche die geführt werden nicht dazu verhelfen, dass ein für das Gemeinwohl nützliches Einzelinteresse von einem Machthaber gewürdigt wird, gibt es nur drei Wege: Unterordnung, Kunst oder Gewalt.
Ich habe mich für den Weg der Kunst entschieden und werde die einzelnen dabei entstandenen Artefakte hier besprechen, um deutlich zu machen, um was es jeweils ging. Am wenigsten wurden diese Artefakte im deutschsprachigen Raum verstanden, was mich dazu veranlasst, hier einmal mit einer allgemeinen Hinführung zum Thema zu beginnen.
Beginnen wir also mit einem Besuch der documenta in Kassel. Der Besuch ist angesagt, weil man auf relativ engem Raum einen Überblick über den Stand der Kunstwelt bekommt und aufgrund der Vielzahl der Werke mit Sicherheit einen Gewinn für sich selbst erzielen kann. Schließlich erfährt man Kunst dann, wenn man selbst berührt wird. Nicht jedes Werk erzielt bei jedem Menschen diese emotionale Berührung, weil die Menschen unterschiedlich codiert sind und damit Sinneseindrücke emotinal unterschiedlich verarbeiten. Einfach ausgedrückt: Jeder sucht sich die Dinge raus, die ihn berühren. Unbewusst oder bewusst. Und das ist dann einfacher, wenn es eine größere Auswahl gibt.
Bei mir geschah dies erst einmal bewusst, indem ich den Katalog durchblätterte. Dadurch erreichte ich eine Zeitverkürzung, da mir die Dinge auffielen, für die ich mich interessiere, nämlich die politischen Artefakte, die auf Unterdrückung und Ausgrenzung abzielen. Gelesen habe ich dabei die englischen Texte, da mir aufgefallen war, dass die deutschen Beschreibungen zum größten Teil schlechte Übersetzungen waren, die viel zu viel der lateinischen Begriffe im Englischen übernahmen. Dadurch viel mir jedoch auch die sogenannte politische Kunst auf, da sie auch sprachlich über mehr Kraft und Energie verfügt als allgemeine Besprechungen.
Politische Kunst ist ein Oberbegriff der "Activist Art". Es ist Kunst von Künstlern, die ein politisches Thema aufgreifen und die kraft ihrer Ausbildung und Kreativität bessere handwerkliche als auch emotionale Umsetzungsmöglichkeiten haben. Dem Aktivsten, dem selbstbetroffenen Produzenten, ist dies verwehrt. Activist Art wird deshalb keine hochwertige Kunst im Sinne einer Political Art sein. Auf der Documenta gab es sowohl diese Politische Kunst als auch die spontane und medienorientierte Activist Art.
Beginnen wir mit der Politischen Kunst. Faszinierend schon im Katalog durch Ausdruck und Stringenz der Kommunikation, des Begleittextes: Kerry James Marshall und sein SynchronComic Rythm Mastr. Von Marshall hängen auf der documenta mehrere Werke, von denen ich unbewusst gepackt wurde. Eigentlich suchte ich nur den SynchronComic. Dann sagte mir der Aufseher, dort und da drüben würden Bilder von Marshall hängen. Als ich dann hinging, bemerkte ich, dass es just diese Bilder waren, die mich bei der ersten Runde, die ich gedreht hatte, unbewusst am stärksten angesprochen hatte und ich suchte fieberhaft und gespannt, die Rythm Mastr Reihe, die sich hinter dem Eingang des Aue-Pavillon befand.
Es entstand eines dieser seltenen Glücksmomente. Wenn sich eine Art Zwiegespräch mit einem Kunstwerk ergibt. Eine Kommunikation. Was sagt mir das Werk und was sage ich ihm. Ein Forschen nach weiteren Codes, nach Stilmitteln. Fragen. Erfahrungen. Black Power in den USA. Die Übernahme einer Kultur, die Verdrängung und das Entstehen neuer Ausdrucksformen, die wiederum exportiert werden. Genauso war es bei uns auch. Oder ist es bei uns. Wir, und da meine ich speziell mich, sind und ich bin Angehörigkeit der sogenannten deutschen Mittelschicht und kriegen immer wieder eins auf den Sack. So subtil, dass es die meisten gar nicht merken. Wie Ihr schwarzen Communities in USA. Die ihr den christlichen Glauben übernehmen musstet und wir, die wir die tagtägliche Penetration globaler Konzerne in unserem Lebensräumen dulden müssen. Was bleibt ist der Export von Rap und für uns der Export des Oktoberfests. Alles unter Abkassieren immer der selben multinationaler Konzerne. Marshall zeigt eine kulturelle Community ohne zu wissen, dass ein Betrachter in Kassel ihm sagen will. Hey Man, uns geht es genauso. Wir müssen unsere Dialekte aufgeben, brauchen einheitliche BWL-Jura-Ingenieurs-Lebensläufe. Müssen ein Auto haben, obwohl es in der Garage steht, müssen zum Shopping-Event in die Innenstadt. Brauchen Marken, die groß auf den Produkten prangen, da die Leute nicht mehr erkennen, was ein gutes Produkt ist und eben durch die Marke schnell ausdrücken wollen, dass sie ein gutes Produkt gekauft haben. Dann brauchen wir neue Religionen, weil´s der Katholizismus nicht mehr tut. Und so weiter. Dafür rackern wir uns ab und lassen alles mit uns machen. Kommt einer von unserer Mittelschicht nach oben, wird es ihm schnell wieder abgenommen, sei es durch Insolvenzen oder andere Umverteilungsplattformen, die von der Justiz als solche abgesichert werden.
Marshalls Werk sollte aufgekauft werden von einer unabhängigen Stelle, die es jedermann ermöglicht, dieses Werk zu sehen. Wahrscheinlich wird es jedoch in irgendeiner Privatsammlung der Oberschicht verschwinden. Was wiederum die Verwundbarkeit dieser Political Art ist: Sie wird letztendlich denjenigen verkauft, deren Wirken sie anprangert.
Anders bei Activist Art. Diese Form zielt auf spontanen Ausdruck, schnelle Kommunikation über Medien und damit für Machthaber viel gefährlicher. Zu nennen: Grupo de Artistas de Vanguardia mit Archivo Tucumán Arde. Der maßgebliche Kulturexport Argentiniens neben Tango ist Activst Art. Die Argentinier sind ein kulturverständiges Volk. Bis hinunter zum Schuhputzer werden politische Aktionen verstanden und auch entsprechend gewürdigt. Es war kein Zufall, dass das Schicksal der Bonistas, der Anleger, die von Argentininen betrogen wurden, in den Medien viel stärker Beachtung fand als meinentwegen in Deutschland. Wie gesagt, ich werde in einem Artikel über die kulturellen Unterschiede von Journalisten noch zurückkommen. Deutsche Journalisten und auch Feuilletonisten verstehen diese Kunstform nicht und ich kann nur hoffen, dass sich viele die Dinge der Argentinier auf der documenta angesehen haben. Alles war aufgebaut wie eine Art Messestand und nur Verständige erkannten, dass die einzelnen Bilder, Plakate, Schriften, Transparenten, Fotos von Zusammenkünften ein Sammelsurium von Artefakten war, die eine einzige, über Jahre hinweg dauernde Kampagne darstellten. Die Ausstellung wurde dann auch in Buenos Aires von der Polizei dichtgemacht.
Besondere künstlerisch-akademisch-handwerkliche Leistungen wird man der Gruppe Vanguardia nicht attestieren. Gleichwohl hatte diese Activist Art Sprengkraft. Entfaltete ihre Wirkung durch die kulturelle Elite Argentiniens, die nach wie vor und bei aller Repression durch die Regierung, in den Medien Botschaften transportiert. Anders als in Deutschland. Dort wird eher über den Schwarzen Block berichtet. Schließlich liefert dieser durch Straßenschlachten und Gewalt eingängigere Codes, die von jedem, auch von einem deutschen Journalisten, verstanden werden. Auch der Schwarze Block ist Activist Art durch die Bezeichnung, die Kleidung. Jedoch und das ist eine klare Grenze: Jegliche Gewalt entfernt sich von einer friedlichen Artikulation politischer Interessen und stellt eine eigenen Gattung der Politischen Kommunikation dar.
Als Ergebnis halte ich fest: Activist Art ist die Kunstform, die in unserer demokratischen Auseinandersetzung erst am Beginn einer Entwicklung und Durchsetzung steht. Dadurch, dass unsere Elite der bürgerlichen Mitte den Krieg erklärt hat, bzw. dass einzelne Geschädigte dieser Mitte langsam erkennen, was los ist und dagegen zu kämpfen beginnen, kommt diese Gattung aus dem Ruch der Dissidenten, der Revoluzzer heraus, die den Staat per se schädigen wollen.
Activist Art ist deshalb eine Notwendigkeit, die sich aus einer Machtlosigkeit der Bevölkerung gegenüber den Partei- und Wirtschaftseliten herausbildet. Kein Wunder, dass mein Vorschlag von der Bundesregierung nicht angenommen wurde. Es handelte sich um den Vorschlag, beim G8-Gipfel in Heiligendamm eine Möglichkeit für Acitivst Art zu schaffen. Wie in Singapur. Die Regierung von Singapur verstand, worum es ging. Was in Heiligendamm dann passierte, brauche ich nicht erzählen. Die Kritik an den Mächtigen versandete, da die Kritiker Gewalt anwanden. Das Gewünschte war erreicht. Und wieder konnte man der Bevölkerungsmehrheit eintrichtern, dass es sich um Globalisierungskritiker handelte, die nur Steine würfen. Alles gesteuert.
Deutsche Activist Art wird deshalb auch weiterhin außerhalb des Landes praktiziert. Und ausschließlich hier im Dorfkramer Blog kommuniziert. Zum Beispiel die Freibayer-Kampagne.

15 September 2007

Vorsicht vor Nike Schuhen: Schundgefahr!

Zeitenwende in Bayern II: Oberstaatsanwalt erklärt Franck Ribéry zum König des bayerischen Fußballs!

Ganz schnell und ohnen weiter Anhörung hat der Oberstaatsanwalt Stern meine Strafanzeige abgeschmettert. Nur zwei Dinge sind dabei interessant:

Bei der Theatinerkirche handelt es sich nicht um eine Staatskirche. Der Freistaat Bayern ist im übrigen keine Monarchie.

Kommentar: Der Oberstaatsanwalt kapiert nicht, dass auch in einer Republik Staatssymbole existieren. Beispiel: Capitol Hill et.al. Washington D.C. - Pantheon Paris und weltweit. Er kapiert auch nicht, dass mein Begriff einer Staatskirche sich darauf bezogen hat, dass die Theatinerkirche sowohl eine geweihte Kirche als auch ein staatliches Symbol ist, was insbesondere daran zu erkennen ist, dass die Kirche im Eigentum des Freistaats Bayern ist. Oder er will es nicht kapieren, weil er sich der globalen faschistoiden Tendenzen eben nicht erwehren will.

Die kommerzielle Nutzung von öffentlichen Gebäuden bedeutet keine Verunglimpfung des Staates.

Kommentar: Also setzt der Herr Oberstaatsanwalt, seines Zeichens kultureller Laie, alle öffentlichen Gebäude gleich. Die Theatinerkirche also gleichzusetzen mit dem Finanzamt Hinterhuglfing. Na servus.


Gesamtkommentar:

Bayern ist damit seit 1933/1945 wieder gleichgeschaltet, nämlich kulturell. Es besteht keinerlei Unterschied mehr zu anderen Bundesländern, Regionen oder Staaten, die sich der globalen Gleichschaltung gefügt haben. Dieser Tatsache muss man nüchtern in die Augen blicken und kann halt seine Schlüsse ziehen oder auch nicht. Die Zeitenwende ist jedoch mit dem Schreiben des Oberstaatsanwalts amtlich.

Amtlich ist auch, und das dürfte die Fans des FC Bayern München freuen, dass ihr Fußballspieler Franck Ribéry der König des bayerischen Fußballs ist. Der Oberstaatsanwalt scheint FC Bayern Fan zu sein.

13 September 2007

Antrag auf Berufsverbot gegen Rechtsanwalt Günter Werner von Grafenreuth


Heute jubelt das ganze Internet darüber, dass der Abmahn-Anwalt Gravenreuth aus München hinter Gitter wandern soll. Ich juble darüber gar nicht, da es eine Schande ist, was sich Rechtsanwälte bei uns rausnehmen. Sie genießen ja Narrenfreiheit, sind durch das Juristenmonopol in der öffentlichen Verwaltung und den Anwaltszwang vor den Gerichten in ihrer Existenz geschützt, wenn sie acht Jahre ein stupides Studium haben über sich ergehen lassen. Das ist natürlich ein ziemlich pauschales Gewettere, jedoch mit einem wahren Kern. Ich habe so meine Erlebnisse und Erfahrungen mit Juristen.

Als Aktivist bleibt mir nur eins: Ich gehe jetzt mal zur Rechtsanwaltskammer rüber und werfe der einen Brief in den Kasten. Einen sogenannten Antrag zur Verhängung einer anwaltsgerichtlichen Maßnahme. Damit die armen Teufel, die unter diesem Mann gelitten haben, sich künftig wehren können, stelle ich das Schreiben hier ins Netz. Gültig ist die BRAO und die StPO. Die Staatsanwaltschaft muss auf meinen Antrag hin einen Bescheid erlassen, wenn sie diesen ablehnt. Er muss eine Begründung enthalten und ich kann dagegen auch noch einmal vorgehen. Sehen wir mal, was der Staatsanwalt macht.

Äh....wer mich wählen will: Ich trete für die Abschaffung des Anwaltszwangs und des Juristenmonopols ein. Warum? Weil es ohne die Lobby-Anwälte keine Aktivisten gäbe, weil es ehrlicher und professioneller zuginge. So einfach ist das.

MTV Award: Wie Münchens OB Ude die Spassgesellschafts-Prolls bevorzugt


Nun, wie man heute sieht: Das Thema Religions-Lobby ist heiss. Und so meldet sich heute der Münchner Erzbischof und Kardinal Friedrich Wetter zu Wort, um den sogenannten MTV Award an Allerheiligen zu verhindern. Allerheiligen ist und bleibt ein besinnlicher Tag. Gegen diese Besinnlichkeit stinken natürlich viele junge Leute an. Auch wir kamen schon verspätet und reichlich angeschickert zum Gräberumgang an Allerheiligen und fühlten uns als revolutionäre Helden, die zweimal im Jahr, auch am Karfreitag, gegen das Establishment aufbegehren konnten.
Bei MTV ist das was anderes. MTV legt seinen Tag der Preisverleihung absichtlich auf Allerheiligen, genauso wie alle mulitnationalen Konzerne ihre Ideologie kulturell im lokalen Raum durchdrücken. Alles im Sinne des Geldes. Und der untersten Schublade. MTV ist nämlich ein Unterschichtkanal, der Kanal der Prolls, die meinen, Lebensqualität bestünde darin, vier Stunden lang ficken, Muthafukka, dirty Asshole, hot cum baby und sonst noch was zu US-amerikanischen Proll-Rappern zu grölen. Die sogenannten Superstars sind diese nicht. Sie sind es für dieses spezielle Publikum, das vielleicht aus 0,01 % der Bevölkerung besteht. Man wird es nicht erfahren. Die Quoten von MTV und der Stand der Musikindustrie, die diese Leute befriedigt, sagen alles aus. Auch die Tatsache, dass MTV in London oder L.A. total untergehen würde und hier in München halt eine Schlagzeile generieren kann, weil sich Provinzler wie Ude nicht auf dem Medienmarkt auskennen und meinen, MTV sei ein cooler Jugendsender. Fehlanzeige: MTV hat seinen Zenith schon vor Jahren, wenn nicht vor einem Jahrzehnt überschritten.
Jetzt geht es natürlich um folgende Fragen:

Warum gestattet Münchens Oberbürgermeister Christian Ude MTV einen Verstoß gegen ein Gesetz?
Warum werden kleine Kneipen und Bars, die um Mitternacht nicht die Musik ausmachen, vom Kreisverwaltungsreferat drangsaliert?
Merken Sie was? Ude ist gekauft. Ebenso wie er einen Schwarzbau durchgehen hat lassen, fördert er jetzt einen Gesetzesverstoß. Und das im Namen der globale Unterschicht mit ihren unsäglichen Symbolen aus schlechtem Sex und Gewalt. Niemand kann beweisen, dass Ude Geld für seine Entscheidungen kriegt. Jedoch ist er ideologisch gekauft. Er läuft jeder Karotte nach, die ihm vor die Nase gehalten wird, ob MTV, Werbeplakate oder IOC.
Ich pfeife drauf. Ich bin kein Rapper, sehe nicht MTV und höre nicht Musikindustrie-Shit, sondern spezielle Labels. Typischer FM4-Hörer halt und play.fm (tu felix austria). Und ich versuche, mich an die Gesetze zu halten. MTV hätte den normalen Weg des Lobbying gehen können, um beim Landtag eine Gesetzesänderung zu erreichen. Das wäre Demokratie und Rechtsstaat.
OB Ude verkörpert weder Demokratie noch Rechtsstaat. Geschweige denn kulturelles Bewusstsein. Oberbürgermeister Christian Ude ist ein Bürgermeister der globalen Unterschicht und damit ein lokaler Handlanger dieser globalen Unterschicht-Industrie.
Hoffen wir, dass es bald wieder ein Vorbild im Rathaus geben wird. Bis dahin ist Widerstand der Aufrechten angesagt. Ich brauche keine Spassgesellschaft. Und ich brauche keine MTV-AND-DO-ME-A-BLOWJOB-KULTUR.
Ein aktivistischer MTV-Hass-Elektrobrief ist raus.

12 September 2007

Hamburg Reeperbahn: Wie Touristen abgezockt werden

Heute eröffne ich den Themenkreis "Produkt Lobby". Es geht darin um alles, was uns verkauft wird, ob Ware oder Dienstleistung. Auch unter dem Begriff Verbraucherschutz bekannt. Jedoch werde ich hier keine Testreihen präsentieren, sondern über Erlebnisse mit diesen Waren und Dienstleistungen. Dorfkramer Activist eben.
Und damit geht es los: Erste Station ist Hamburg. Wie einige Male muss ich dort eine kurze Zeit in der Nacht verbringen, zwischen dem letzten ankommenden Zug und dem ersten abfahrenden Zug, also die Zeit zwischen ungefähr 23.30 und 5.30 Uhr. Es lohnt sich nicht, dafür ein Zimmer zu buchen, zumal, wenn man eingeschlafen ist ja nicht mehr so leicht aus den Federn kommt. Die Zeit lässt sich ja auch ganz gut verbringen, da man Trendscoutaktivitäten entfalten kann. Also, was gibt es in Hamburg neues, was es in Bad München und Land nicht gibt. Neue Schuppen, neue Labels und so weiter. Und natürlich Subkulturen wie die boomende SM-Szene, die einen ganzen Rattenschwanz an Produkten und Dienstleistungen mit sich zieht, vom Latexladen bis zum Uniformschneider. In München gibt es noch keinen Laden, er könnte aber kommen und da muss man sich informieren. Nicht zuletzt, weil das Thema höchst medienwirksam ist, wie man am Fall Gabriele Pauli in Latexhandschuhen erkennen kann. Bei uns ums Eck reden die Leute tatsächlich davon, die Pauli sei eine Domina und das täte den CSU´lern mal ganz gut. Auch sind alle Subkulturen grundsätzlich von Aktivisten geprägt und damit wären wir beim eigentlichen Thema.
Es gibt nämlich nicht nur echte Treffs von Subkulturen, sondern auch Clubs und Kneipen für sogenannte Normalos, die mit Frivolitäten aufwarten, um so ein kultiges Ambiente zu bieten. Im Hamburger Prinz steht dann so etwas drin, wie: "Vom Puff zur Szene-Bar. Wie sich der Kiez zum Trendviertel entwickelt" und ähnliches. Ich kaufe mir also den Hamburger Prinz und siehe da: Es findet sich eine SM Bar, die dieses Konzept anscheinend umgesetzt hat. Nichts wie hin und erst einmal ein Herumstreifen auf der Reeperbahn, die sich in den letzten zwanzig Jahren natürlich verändert hat. Sie ist ein größerer Kunstpark Ost geworden und längst nicht mehr ein Vergnügungsort für alle. Die jugendlichen Massen geben sich ein Hangout und man sehnt sich nach einer gemütlichen Bar. Kann aber auch am Alter liegen. Längst vorbei die Zeiten als Buam vom Land, die sich in der Davidswache schlafen legten und frühmorgens vom Davidswachenbullen noch ein Foto gemacht kriegten auf der Holzbank. Und tiefsinnige Gespräche mit den Nutten auf der Straße führten. "Mei, wia kon a so a liabs Dirndl aufn Strich geh" und so ähnlich. Gut katholisch halt. Und völkerverbindend. Wie im Zillertal, wo man bis 20.00 Uhr billiger kampftrinken konnte und Gruppen in Südstaatenuniformen mit Platzpatronengewehren in die Luft ballerten, während auf der Bühne die Post abging.
Es blieb davon eigentlich nur der Elbschloss-Keller, ein abgefuckter Laden. Aber ehrlich. Grundehrlich. Und deswegen immer ein Bierchen wert. Und die SM-Bar?
Also: Ich gehe rein. Am Eingang eine kleine Kasse wie die Kinokassen früher. Dahinter Glatzkopftyp um die Dreißig. Kurzer Blick in den Laden. Rote Couch mit gemischten Publikum, das heißt auch ein paar Mädchen dabei. Dürfte für den ersten Eindruck reichen. Ich drücke acht Teuro ab und schwinge mich in den Schuppen. Eigentlich ganz nett. Abgedunkelt, Rotlicht, ziemlich verraucht und viele kleine Räume, also so ganz interessant. Beim Weg zur vermuteteten Bar wundere ich mich aber immer mehr über den Männerüberschuss. Knutschende Typen, die nicht nur knutschen. Innige Tanzpaare. Also ein reiner Gayladen, ein Treff der schwulen Kultur, die längst Subkultur war und die viele gesellschaftliche Bereiche besetzt hat.
Wer sich nicht sicher ist, ob er hetero oder schwul ist, weil er eine Frisur vom schwulen Friseur hat, Klamotten vom schwulen Modedesigner trägt, schwul-redaktionelle Lifestylemagazine liest oder gar eine Partei mit einem schwulen Zentralkomitee wählt, sollte in diese SM Bar gehen und testen, ob der das Geknutsche geil findet. Auch ein Test für viele gestörte Paarbeziehungen, in der sich Mann/Frau nicht mehr so sicher sind, was los ist, angesichts der schwulen Dominanz.
Bei mir ergab der Test, dass ich zur Kasse zurückging und mein Geld zurückwollte. "Warum?" "Weil das nicht mein Laden ist, Du verstehst schon, Mann." "Ja und, dann hättest Du eben gefragt." "Du meinst tatsächlich, ich solle fragen, ob eine Kneipe Gay sei oder nicht, aha." Typ schiebt mir vier Euro rüber. "Wenn Du neu in der Stadt bist, musst Du fragen. Normalerweise gebe ich nichts zurück." Denke darüber nach, ob ich ihm nicht zwei Finger in die Nasenlöcher stecken und ihn aus seinem Kassenkasten rausziehen soll und entscheide mich, abzudackeln, da der Kiez fremd ist.
Das ist also mein persönliches Coming out als Hetero. Und das Erlebnis hat dazu geführt, dass ich zum Aktivisten werde und um meine Hetero-Subkultur kämpfe. Ich habe keinen Bock von Clubbetreibern zusammen mit dem Magazin Prinz abgezockt zu werden, indem sie mir die Tatsache verschweigen, dass der Club schwul ist. Das führt sogar bürgerlich rechtlich zu einer Anfechtbarkeit des Vertrags. Für mich führt es zu diesem Blogeintrag und einer ensprechenden Mail an Prinz. Prinz hat diese Tatsache verschwiegen und führt damit Leute in die Irre, die schnell mal in Hamburg das Ding kaufen, um sich was anzusehen. Eine größere Gemeinheit im Tourismus gibt es nicht. Das Ausnutzen von Ortsfremdheit.
Ergebnis: Vorsicht vor Läden, die sich als kultig präsentieren. Die besten Kneipen findet man ohnehin an anderen Stellen. Wie ich. Nach der Reeperbahn bin ich nämlich sofort nach Altona und schneite in eine Kneipe, in der sich noch das Strandgut des Abends versammelte. Netter Umgang, Weiberl Manderl, älter, jünger kreuz und quer. Der Wirt rüttelte mich. Ich war eingeschlafen. Ich bat darum, er möge mich noch ein Stünderl lassen. Der Zug ginge bald. Ich sei nicht besoffen. "Klar, haut schon hin, Alter."
Ich habe in dieser Kneipe in Hamburg Altona nicht einmal etwas getrunken....

11 September 2007

Terrorismus Staat, Religion und Medien


Angesichts der Medienwelle letzter Woche, Sie sehen auf dem Foto einen Münchner Zeitungsstand, gehe ich auf die Berichterstattung zurück, um Zusammenhänge zu veranschaulichen. Wir hatten folgende Themen an einem Tag:

-Persönliche Geschichten über den zum Islam konvertierten möglichen Terroristen,
-den Baubeginn einer Kathedrale in Pristina,
-eine Medienflut über den "Deutschen Herbst" 1977 und die RAF,
-die Verleihung des Karnelvalsorden "Wider den tierischen Ernst" an Gloria Fürstin von Thurn und Taxis.

Wie hängen diese Themem nun mit dem Thema "Werbeplakate an der Theatinerkirche" zusammen?

Nun: Anderswo, nämlich in Pristina, baut man eine neue Kirche als identitätsstiftendes Element. Im Gegensatz dazu schützt die Bayerische Staatsregierung und die katholische Kirche in München nicht einmal mehr eine Kirche mit hoher Symbolik. Zur Wiederholung: Die Theatinerkirche ist als Grablege der Wittelsbacher, ähnlich wie der Invalidendom in Paris oder der Wiener Stephansdom eine exponierte Kirche mit Doppelsymbolik, nämlich für Staat und Gott. Beim Stephansdom hatte es massivere Proteste gegeben, obwohl die Plakate längst nicht so verletzend wie das mit Franck Ribery war. Ursula Stenzel, eine engagierte Aktivistin und Wiener Bezirksvorsteherin, hat es geschafft, die öffentliche Meinung zu sensibilisieren und sogar eine Besinnlichkeitszone zu schaffen. In Münchens kulturell hohler Welt unmöglich.
Warum? Weil die Münchner und Bayerische Oberschicht "Alles Kasperl" tanzt. Sehen Sie sich die Nachricht von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis an: Es ist nicht die Ordensverleihung an sich, sondern die Aussage, der Orden sei so wertvoll wie das Bundesverdienstkreuz, die die Haltung unserer Oberschicht offen aufzeigt. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ist eine Vertreterin dieser Oberschicht. Sie hat Medienpräsenz, Geld und verfügt selbst über Kunstmarkterfahrung. Sie zeigt sich offen als "wertkonservative Christin" in herkömmlichen Stil, also mit dem Papst und Würdenträgern. Und sie hat Medienmacht. Alleine eine Aussage und die daraus resultierende Schlagzeile: "Fürstin Gloria: Ja, ich habe lesbische Erfahrungen!", würde sie wochenlang in alle Medien katapultieren, wo sie alle möglichen Dinge loswerden könnte. Wie Ihre Verachtung staatlicher Orden ausgedrückt durch die Gleichstellung eines Faschingsordens mit dem Bundesverdienstkreuz. Dazu bedarf es keines Wahrheitsgehalts ihrer Aussage. Es wäre ein Scoop, eine Medienbombe, die Gloria geschickt nutzen könnte und die ihr diese Macht verschafft sozusagen als Faschingsfürstin aufzutreten wie geschehen.
Nun haben die Massen um Bunte und Gala einen Heidenrespekt vor der Fürstin. Andere jedoch weniger. Womit wir beim Zusammenhang zwischen kirchlichen und staatlichen Symbolen mit Terroristen kämen. Warum wenden sich Menschen einer Relgion zu, die nicht die Kultur dominiert? Warum greifen sie zur Gewalt, um diese Religion zu stärken?
Weil es keine Symbole mehr gibt, die diesen Menschen Ehrfurcht oder Achtung vor übergeordneten Dingen mehr geben. Die Nazis entstanden als antiklerikale Truppe, weil weder Staat noch Kirche nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs eine umfassende Richtung vorgaben. Ebenso entstand die RAF aus einer Verunsicherung gegenüber der Autorität des Staates und oder eines übergeordneten, transzendenten Wesens wie Gott.
Man kann doch alles nachlesen über die Entstehungsgeschichte der Nazis und der RAF. Gewalt als Ersatz für Sinnfindung. Und die Medien helfen mit. Sie preisen den Münchner konvertierten möglichen Terroristen als "hochintelligent", "freundlich und hilfsbereit" und so weiter. Die Gruppe sei so schlau, dass sie der Polizei entkommen würde mit superintelligenten Dingen wie dem schnellen Beschleunigen auf Ausfallsstraßen und dem Springen in einen Zug auf der anderen Seite. Banalitäten werden als Zeichen einer Elitenhaltung beschrieben und kommentiert und damit gibt man der neuen terroristischen Elite gleich eine Marke: Konvertiten.
Nun: Eine Staatsführung, die es um den Frieden im Inneren ernst meint, sollte weniger Überwachen, sondern mehr Prävention betreiben. Dazu gehören Personen, die Respekt verkörpern. Keine Faschingsfürstinnen oder Latexladies. Es gehören Symbole dazu wie das Bundesverdienstkreuz, das Maximilianeum oder die Theatinerkirche. Gelingt es, auch abtrünnige Menschen ernst zu nehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dazu zu gehören, dann gibt es auch weniger Gewalt. Dabei darf man nicht übersehen, dass die Kultur des Massenkonsums, der Massensportarten wie Fußball nicht identitätsstiftend ist und es nie war, auch wenn das Werbestrategen so sehen. Für eine Turnschuhfirma ist noch niemand in den Krieg gezogen und für einen Fußballverein noch niemand gestorben, außer als Begleiterscheinung von Prügeleien.
Mit der Theatinerkirche könnte ein Beginn der Diskussion eingeleitet werden, ähnlich wie beim Wiener Stephansdom. Eins steht fest: Bereits jetzt gibt es eine Menge Symphatisanten mit der islamistischen Szene. Und sie werden mehr, wenn diese wie letzte Woche als Elite stilisiert wird. Die Medien sind dumm genug, um hier den Dienst zu erweisen, den sie derzeit auch der RAF erweist.

Das also ist der Zusammenhang zwischen Der Theatinerkirche in München, der Kathedrale in Pristina, der Faschingsordensverleihung an Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und der Entstehung von Terrorismus.

06 September 2007

Forum Argentinien Anleihen: Der plötzliche Tod


Ich habe bereits in mehreren Argentinien-Artikeln das Wiebel-Forum erwähnt. Heute nachmittag spielte sich nun folgendes ab: Bernd Wiebel, der das Forum jahrelang gepflegt hat, stellte um 13:02:20 Uhr ein lapidares Posting ins Forum mit "Tschüß, das Forum wird geschlossen." Da mich das Wiebel Forum seit über fünf Jahren am PC begleitet, habe ich es erst nicht geglaubt und war regelrecht schockiert, als das Forum für einige Minuten vom Netz ging. Es war wie ein plötzlicher Tod. Versöhnlich gestaltet nur durch das Wiederhineinstellen des letzten Postings und der Möglichkeit für die anderen paar Dutzend Wiebel-Junkies, Abschied zu sagen. Ob es das neue Forum bringen wird, weiß man ebenso wenig wie die Akzeptanz, sich im Bondboard wieder mit anderen Anlegern herumzuschlagen, die von Argentinien nicht bis ins Mark verletzt worden sind. Wie wally, der die Anleger seit Jahren als Seniorberater begleitet. Und der heute, ebenfalls Wiebel-Junkie und tagtäglich im Netz, wenn er nicht grade seine Peking-Enten füttert, plötzlich in den plötzlichen Tod geplatzt ist und sofort erkannt hat, dass damit eine Ära zu Ende gegangen ist. Das Foto oben dokumentiert den Start des Wiebel Forums am 02. März 2002 und den letzten wally Kommentar, der mittlerweile leider nicht mehr zu sehen ist: Eine Anlegergeschichte geht zu Ende.
Suchtpotenzial Wiebel: Ich erinnere mich noch genau an das Inwent-Seminar im Frühjahr 2003 in Berlin. Rolf Koch bekam, ebenso wie wir, noch kurz vor Beginn Wind von der Sache. Obwohl uns das "Insolvenzrecht für Staaten" unmittelbar betraf, wollten die Herrschaften unter Anne O. Krueger, der damaligen Vizepräsidentin und IWF-Matrone und dem argentinischen technischen Direktor Guillermo Nielsen unter sich bleiben. Mühsam gelang es mir mit Ansgar Ostermann, dem wir den Titel IGA-Chief Economist verpassten, sogar in der Diskussionsrunde sitzen zu dürfen. Während ich gegen die Enteignung Argentiniens unter der Ägide des IWF wetterte und Ostermann in nationalökonomische Diskurse eintauchte, mischte sich Rolf Koch unters Finanztheoretikervolk. Dreist hatte er sich als "Representative of Bondholders" ausgegeben und freute sich, jedem einzuschenken, dass er Argentinien bis aufs Blut pfänden würde. Es gibt davon ein Konferenzfoto, das ich irgendwann einmal in diesen Blog stellen werde. Aber Koch war bei aller Aktivität relativ kurz angebunden. Er konnte es gar nicht erwarten, wieder zu Hause zu sein und sprach das aus, was ihn wirklich berührte: "Ich muss heim. Wiebel gucken!"
Rolf Koch war ein Wiebel-Junkie, ein Internetsüchtiger. In Zeiten der heissesten Kampagnen saßen auch die anderen Anleger vor dem Kasten und verfolgten die News, die sofort mit schrägsten Kommentaren bedacht wurden. Realist und deshalb unerträglich: wally, der nicht kapieren konnte, dass sich die Anleger Träumen hingeben mussten, um die Sache emotional abzufedern. Die Einsicht einen Haufen Geld verloren zu haben und zwar nicht mit dubiosen Internet- oder Investmentklitschen, sondern unter einhelliger Aufsicht aller Regierungen der Welt, insbesondere der US-Administration und der Bundesregierung: Die erste globale Abzocke von Privatanlegern aller Zeiten. wally zerstörte Hoffnungen in die Macht des Rechts, der Diplomatie, der Faktizität wirtschaftlichen Handelns. Er begründete seine Thesen nicht und das machte sie so furchtbar. Ähnlich wie ein Psychoanalytiker legte er seine Finger in die Wunden, erzeugte wütende Ausbrüche und half letztendlich einer Vielzahl von Anlegern wieder auf die realen Beine. wally wurde für mich erst so um 2003 herum wieder zu einem normalen Mensch, mit dem man sich unterhalten konnte.
Wer erinnert sich nicht an das Pseudonym HG? Der wochenlang die wildesten Verschwörungstheorien ins Forum stellte? Den unflätigen Ernst Kratzer, der auch heute wieder erschienen ist, als Wiebel-Junkie und der immer dazu stand, dass er ein normaler Kleinanleger war, der sich einfach als furchtbar Beschissener fühlte. Bei Wiebel konnte er sich auskotzen. Ebenso wie der Anleger, dessen Anlageentscheidung dazu führte, dass er Sozialhilfe beantragen musste: Nach Hausverkauf und Scheidung. uc, der Volkswirt aus Istanbul. Dutzende weitere Wiebel Stars gab es über Wochen hinweg. Sie verließen das Forum wieder oder gaben sich andere Spitznamen.
Dann die schlechten Seiten. Das Wiebel Forum war am interessantesten, als es noch unzensiert war. Als alle möglichen Beiträge stehengelassen wurden. Mit der Folge, dass es richtige Verleumdungen gab. Wie durch Dr. Bengel. Der wie andere Einzelgänger auch alles unternahm, um die Einigung von Anlegern und eine gemeinsame Vertretung grundsätzlich als unseriös hinzustellen. Nicht nur solche miesen Beiträge waren es, die das Forum streckenweise als verabscheuenswürdig erschienen ließ. Es waren auch die beißenden Kommentare. Wie von alois. Oder Rider. Die alles niedermachten, was andere in der Öffentlichkeit machten. Motivation: gleich null. Du schaffst es, als deutscher Pimpelkramer in Argentinien bis in die Abendnachrichten mit einem Nischenthema (7 Millionen Zuschauer). Auf die dortige Sonntagsausgabe von Clarin (2 Millionen Zuschauer). Erstmals haben die Bonistas ein Gesicht. Taxifahrer sprechen Dich an. Menschen geben Dir auf offener Straße die Hand. Und im Internetcafé beim Wiebel-Check: beißende Kommentare. Was will er denn. Die ganze Soße, die andere Deutsche und Nichtdeutsche auch immer wieder reingedrückt bekommen, wenn sie auf unkonventionelle Weise an Probleme herangehen.
Und die Abgründe menschlichen Daseins. Die Gründung von sogenannten Anlegergemeinschaften, die durch Intrigen auseinanderbrechen. Alles offen kommuniziert im Wiebel-Forum. ADRIA, Abdreco. Wer kennt nicht den Wiebel-Dauerposter Rechtsanwalt Jakob Heichele aus Friedberg/Bayern, der unter wechselnden Pseudonymen um Mandanten gekämpft hat? Der sie nun hat, ohne Vertriebskosten, die er auf Bernd Wiebel abwälzen konnte. Dann Ansgar Ostermann, "Mond", der auch auf Ego-Trip war und immer noch nicht verstanden hat, dass sein Wissen und seine Kreativität viel mehr bringt, wenn er das mit anderen Menschen teilt, neu zusammensetzt und stringent kommuniziert. Die Grabenkämpfe, zuletzt im April, als wir für die American Task Force Argentina in Frankfurt eine Veranstaltung machten und bei der wir Leute wie on4 nicht haben wollten, weil wir wussten, dass diese wieder mal eine kostenlose Plattform haben wollten zur Selbstdarstellung als auch zur Acquise von Kunden und Mandanten. Natürlich unter wilden Beschimpfungen und Unterstellungen im Forum.
Das war Wiebel. Eine überfünfeinhalbjährige Fallstudie über Anlegerverhalten. Überhaupt menschliches Verhalten in Zeichen der Krise. Gestaltet von einigen wenigen. Viele haben ja nur gelesen, über eineinhalb Millionen mal. Das ist der Wissens-Wiebel. Das Forum als Erkenntnisquelle und deshalb wertvoll. Wiebel hat eins gezeigt: Im Falle einer Krise, ist ein Internetforum ein wesentlicher Halt für viele Menschen, eine Austauschplattform, die ähnlich wie die psychoanalytische Therapie tagtägliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Schicksal erfordert. In diesem Sinne haben sich viele eine reale Therapie sparen können und somit war Wiebel einen fünfstelligen Betrag für viele Anleger wert. Womit wir beim Geld wären. Bernd Wiebel, Uhlandstraße 23/2, 73765 Neuhausen hat solches verdient. Hoffen wir, dass er es bekommt. Vielleicht von den zahlreichen Lesern der Deutschen Bank, Clearly Gottlieb Steen and Hamilton oder Rechtsanwalt Wolfgang Strba. Und andere, die auch von Wiebel profitiert haben und keine Argentinien-Geschädigten sind. Journalisten, IWF-Mitarbeiter, die zum IWF gekommen sind, weil sie sich im Studium mit Argentinien beschäftigt haben. Und so weiter.
Und vergessen wir auch nicht, dass Wiebel nicht nur von Bernd gelebt hat, sondern von den Autoren, die sich beste Mühe gegeben haben, spannende und unterhaltsame Streitereien zu präsentieren, blendende Finanzmarktanalysen und juristische Expertisen. Den fleißigen Zeitungsartikelausallerwelthinheinstellern. Übersetzern. Archivaren. Kommentatoren. Ja, auch diesen Beteiligten gebührt der Dank, nicht nur den Lesern und dem Bahnwärter Wiebel, der aufpasste, dass die Bahn fahren konnte.
In diesem Sinne: Adios Wiebel Gemeinde!
Nachtrag, 7. September 2007: Heute morgen hat Bernd Wiebel auf seiner Internetseite den Grund für das Ende genannt: Vier Gesellschafter der oben genannten Adria GmbH hätten ihn dazu genötigt. Die Tatsache, dass er diese Aussage mittlerweile wieder gelöscht hat, zeigt, dass ihn diese Gesellschafter sogar heute noch gepresst haben. Ich schreibe dies auf, weil ich den Eintrag bezeugen kann und diese Erinnerung noch frisch ist. Als Gesellschafter der Adria GmbH traten vor einigen Jahren folgende Personen auf: Roland Garcon, Ansgar Ostermann, Werner Campbell und ein Herr Schumacher. Zusammengearbeitet wurde mit Rolf Koch und Rechtsanwalt Jakob Heichele.

Zeitenwende in Bayern: Wie Edmund Stoiber, Günter Beckstein und Siegfried Schneider Terroristen heranzüchten

Heute, inmitten der Hysterie um sogenannte islamistische Terroristen, die ein Bombenattentat geplant haben, flattert mir ein Brief des Kultusministers ins Haus. Die Plakataktion an der Theatinerkirche sei gerechtfertigt. Es ließe sich nur über Geschmack streiten usw. Mit keinem Wort wurde auf meine dezidierten Vorwürfe eingegangen. Nämlich, dass es sich um die Entwertung eines staatlichen und religiösen Symbols handelt. Ein typischer nichtssagender Brief eines bayerischen Ministeriums.

Nun rätselt natürlich alle Welt, vor allem Polizeiminister Beckstein, wie es sein könne, dass immer mehr zum Islam konvertieren würden und sich dann auch noch gegen Kulturimperialismus aller Art gewaltsam zur Wehr setzen. Die Antwort geben noch bis Ende November alle Werbeplakate an der Theatinerkirche, also nicht nur das Ribery-Plakat: Die Entwertung der zwei integrierenden Identitätsanker Staat und Religion bringen motivierte Menschen dazu, sich einen anderen identitätsstiftenden Ersatz zu suchen.

Nun brauchen natürlich die Polizeiminister Beckstein und Schäuble solche vereitelten Attentate, um weitere Maßnahmen hin zu einem Überwachungsstaat zu rechtfertigen. Es ginge aber auch anders. Es ginge zum Beispiel mit einer klaren Aussage, dass staatliche Symbole wie die Theatinerkirche von Werbung frei bleiben, weil es dem Staat und der Kirche wert ist, dieses Symbol auch ohne Werbeeinnahmen zu finanzieren, was ohne weiteres möglich wäre. Was soll sich ein Mensch denken, der bisher an Bayern geglaubt hat und nun Ribery auf einem Plakat an der Theatinerkirche erblickt, der die bayerische Kultur verhohnpiepelt? Was soll er davon halten, dass ein Staat mitten in seinem Zentrum die Penetration des öffentlichen Raums duldet: für eine Handvoll Dollars? Richtig: Er hält von diesem Staat genausoviel wie von einem kleinen Zuhälter.

Es ist unbegreiflich, dass es keine Münchner oder bayerische Kulturelite gibt, die solche Zusammenhänge durchschaut. Ein Kultuminister Schneider, dem alles wurscht ist, der in den Meinungsstrom der Beliebigkeit eingetaucht ist. Ein Polizeiminister Beckstein, der sich um Aufklärungsquoten Sorgen macht, anstatt einfachste Prävention zu betreiben. Signale wie das der Theatinerkirche, dass in Bayern Symbole für ein paar Riesen gekauft werden können. Dass sogar die katholische Kirche zu diesem Geldbeschaffungsmittel greift, anstatt Spenden zu sammeln, die ich als erster gegeben hätte. Wer glaubt einem Pfarrer, der zu faul ist, eine solche Spendenaktion zu veranstalten? Und wer glaubt im Gegensatz dazu einem Fastenprediger in Pakistan, der sogar dazu bereit ist, für seinen Glauben sein Leben zu lassen? Und glaubt die stupide Spass-Masse nicht längst an den Fussballer Franck Ribéry der engels- und königsgleich den Sinn des Lebens vermittelt?

Eben: Und darum ist ab heute mit dem Zusammenfallen des Schreibens des Kultusministers mit dem aufgedeckten Terroranschlag die Zeitenwende in Bayern eingeläutet. Bayern ist ein beliebiges käufliches Bundesland geworden, dessen Symbole in München und anderswo reine Renditeobjekte aus einer vergangenen Zeit sind. Es gibt keine bayerische Identität; die Gesellschaft ist in Teilidentitäten zersplittert und schafft sich eigene Räume. Auch innerhalb der deutschen Bevölkerung. Es gibt keinen gemeinsamen Anker mehr, die letzten Bastionen Religion und Staat sind mit der Theatinerkirche endgültig geschliffen.

Diese Tatsache muss jedem klar sein. Und auch muss jedem klar sein, dass es wie seit Jahrtausenden Menschen gibt, die einen höheren Sinn suchen, als den Turnschuhkonsum und die wöchentliche Fussball-Bundesliga. Einige dieser Menschen ziehen sich zurück in Askese oder andere Lebensstile. Andere jedoch, und so wird es immer sein, wollen andere Menschen vom höheren Sinn überzeugen und finden diese durch gewaltsame oder gewaltlose Beiinflussung.
Die genannten Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung durchschauen diese Zusammenhänge nicht. Sie wenden sich eher dem CSU-Bierzeltwahlkampf zu und diskutieren über Themen, die nicht einmal ich kenne, da ich mich, wie viele, nicht dafür interessiere. Was bleibt ist die Dokumentation dieses Geschehens: Die Zeitenwende in Bayern.

02 September 2007

BenQ Pleite: Insolvenzverwalter Martin Prager kann mit Schadensersatzklage rechnen

Heute wird durch eine AFP-Meldung bekannt, dass Insolvenzverwalter Martin Prager seine Vollstreckungsmaßnahmen gegen die Tochterfirmen der BenQ Corporation intensiviert. Dies, nachdem er mein Ansuchen vor fast einem Jahr unter Stützung des Amtsgerichts Münchens ignoriert hat. Es geht im weiteren Verfahren darum, festzustellen, inwieweit dadurch Vermögensverluste der Insolvenzmasse verursacht wurden. Das geht durch Einblick in das Rechnungswesen. Prager hat leider einen willfährigen Gläubigerausschuss, der die Sache nicht prüfen wird. Es muss deshalb baldmöglichst eine Gläubigerversammlung einberufen werden, die diesen Gläubigerausschuss abwählt und entsprechende Auskünfte verlangt.