16 August 2007

Praterwerk: Ortstermin mit Unsicherheiten, Halbwissen und einer überraschenden Wendung


Diese drei Herren sind die Macher des Praterwerks, von links: Klaus von Nippold, Dr. Berhard Thiersch und Herr Scharnagl von den Stadtwerken. Herr Scharnagl macht die Wirtschaftlichkeitsberechnung, konnte mir aber keine Auskunft darüber geben, ob es denn wirtschaftlich ein Brüller sei. Also sind die drei doch die Wölfe im Schafspelz?
Der zweite Ortstermin fand dieses Mal mit etwas mehr Besuchern statt. Es outeten sich ein paar Mitglieder des Bezirksausschusses und Anwohner. Nach dem Vortrag und ungefähr acht Power Point Folien über die ökologische Bedeutung der Wasserkraft, einem Testat von Greenpeace, Klimaerwärmung und so weiter, also die ganzen Verkaufsargumente, die uns seit Monaten penetrant hineingedröhnt werden, kann es endlich zur Sache: Ich wollte wissen, ob irgendeiner der Anwesenden erkennt, welche Symbolkraft und welche energetischen Kraft der Platz hat, an dem das Kraftwerk gebaut werden soll. Ich stank gegen das Projekt, fundamental und basisökologisch. Aber niemand zeigte Emotionen. Vielmehr sagte einer, es wäre nicht so interessant, da sich niemand am Isarufer aufhalten würde. Dagegen sagte ich, dass ich da rumliefe und ich heute mit einem Sandler gesprochen hätte, der von dem Projekt wusste. Und überhaupt: Die Tatsache, dass sich das Projekt in Sandlerkreisen mehr herumgesprochen hätte als bei den gesättigten Akademikern des Viertels, sagt doch schon einiges. Letztendlich würden wieder mal die Schwächsten vertrieben. Einer sagte, es gäbe keine Fische. Nein nein, natürlich gibt es Fische, aber Bäume fällen, ist eh schon wurscht, der Platz sei eh schon verbaut.
Als ich dann den Mitgliedern des Bezirksausschusses erzählte, dass niemand bei mir im Haus und in der Nachbarschaft etwas von dem Projekt wüsste, meinten die, naja, lesen die den keine Zeitung und man könne doch jederzeit zu den Sitzungen kommen. Und als ich dann beiläufig erwähnte, warum ich denn da hingehen sollte, wenn dort Vorlagen der Stadtverwaltung nur abgenickt würden und warum die BA-Mitglieder meinten, wir sollten uns für sie interessieren anstatt dass diese sich für uns interessierten erntete ich - nichts.
Es war also ein letzter Palaver vor Baubeginn. Jedoch bemerkte ich, wie der Kraftwerks-Knut, wie ich den Dr. Thiersch mal bezeichne, weil er seine Kraftwerke so knuddelig-knutig-ökologisch anpreist, sich im Hintergrund wand mit Grauen und gar nicht mehr zuhören wollte angesichts der Diskussion um den Trafo und die fünf Bäume und ich dachte mir, dass er irgendwie mehr in das Kraftwerk steckt, vielleicht sogar Herzblut.
Ich muss dazu sagen, dass mir der Bernhard Thiersch Gelegenheit bot, mich mit ihm am Tisch eine Stunde über das Projekt zu unterhalten. Das schätze ich natürlich, aber ich habe ihm auch gesagt, dass sich auch wenige mit seinen Ideen so beschäftigten wie ich. Und dann kamen wir richtig ins streiten und ich merkte eine Wendung, nämlich, dass wir beide eines wollten: Nämlich Mehrwert. An diesem wichtigen Platz. Und nicht nur 12 Millionen Kilowattstunden im Jahr und den ganzen Ökosenf, den man heute immer runterbeten muss. Das war eine Wendung, auf die man nur kommt, wenn man sich auseinandersetzt und ordentlich streitet. Und darum werde ich mich trotz dieses im Grunde genommen faden Ortstermins mit der Sache und den Ideen dieses Dr. Bernhard Thiersch mal weiter beschäftigen, um doch noch was gescheites aus dem typischen Langweilerprojekt rauszuholen. Dieser Platz hat mehr verdient als eine zur Stromgewinnung umfunktionierte Kleindörflermühle.

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