29 August 2007

OlyMuc: Special Interest Kampagne für Inzell beendet

München-Lehel: OlyMuc beendet heute die Special Interest Kampagne für Inzell, da Bürgermeister Martin Hobmaier und Stadiondirektor Hubert Graf in der Presse Bockmist verzapft haben. Die ganze Story dieses Versagens im Dorfkramer-Blog. Es gibt nur ein Argument, Inzell in die Olympischen Winterspiele einzubeziehen und dieses Argument wurde von der Inzeller Führung nicht angenommen. Die Sache ist für München gelaufen.

Die Plattform OlyMuc bleibt bestehen, da der Verteilungskampf um die Bewerbung interessant genug sind, um dokumentiert zu werden. OlyMuc wird sich zu gebotener Zeit als Olympia-Think-Tank zu Wort melden. Es wurden ja bereits etliche Argumente von OlyMuc aufgegriffen und in der Öffentlichkeit kommuniziert. Dr. Stefan Engelsberger hat bereits zwei Wochen nach Eröffnung seines Lobbybüros in München drei Themen erarbeitet und unter Medienresonanz kommuniziert sowie eine Activist Art Performance gestartet. Parteien und Verbände brauchen dazu viele Mitarbeiter. Dr. Engelsberger zeigt so seine Effizienz als derzeit einziger unabhängiger Lobbyist mit gesellschaftlichem Auftrag in Deutschland.

Auch das Brand Munich and the Bavarian Alps wird weiter verfolgt, da dies der einzige Weg dazu ist, den bayerischen Alpengemeinden eine gemeinsame Stimme und eine Vernetzung mit der Landeshauptstadt München zu sichern. Für diese Lobbytätigkeit kam auch das meiste Interesse aus Städten, Gemeinden und Landkreisen. Dr. Engelsberger wird nach Konzeption und Kommunikation in kommunalen Fachzeitschriften eventuell ein Angebot für eine professionelle Interessenvertretung unterbreiten.

Eisstadion Inzell: Fallstudie für missglücktes Lobbying




Dieses Foto zeigt einen Ausschnitt des Inzeller Eisstadions. Ich habe es gewählt, weil der in der Mitte zu erkennende ÖKM-Aufkleber alles über den Zustand des Stadions sagt. Es bedarf keiner weiteren Erklärung der Lage, auch darum nicht, weil dieser ÖKM-Aufkleber dort schon seit Jahren unbehelligt hängt und spricht. Im Inzeller Eisstadion war ich letztes Jahr einmal. Es waren ein paar Schüler auf dem Eis.

Ein Blick in die Vergangenheit (ca. 1960) zeigt, dass der Bau und Betrieb des Eisstadions der Lobbytätigkeit des ehemaligen Inzeller Bürgermeisters Ludwig Schwabl zu verdanken ist. Dieser wiederum wurde durch den Willen der Eisschnellläufer unterstützt, die sich am Frillensee ein eigenes Reich aufgebaut hatten. Welche Bedeutung das Eisstadion für Inzell hatte, kann nicht genügend gewürdigt werden. Das Bewusstsein, als kleines Dorf in den Medien präsent zu sein, der Kontakt zu internationalen Sportlern, das ganze weltoffene Klima, das dadurch entstand, versetzte viele Inzeller in die Lage, außerhalb des Dorfes international zu bestehen. Es erweiterte sich bei vielen schon im Kindesalter der Horizont. Ohne Eisstadion wäre Inzell ein stinknormales Dorf.

Es hat mich immer schon gewundert, dass der an sich hohe Stellenwert dieses Eisstadions nicht genügend Beachtung fand. Zuschauer blieben rar, wenn es um die Nischensportart Eisschnelllauf ging. Anders als in Ruhpolding mit Biathlon, verstand man es nicht, daraus ein unterhaltsames Massenereignis zu machen. Nicht zuletzt wegen dem unattraktiven Eisstadion. Die letzte Weltmeisterschaft 2005 machte da nicht viel Unterschied, wenn man dem Welt-am-Sonntag-Artikel Glauben schenken darf. Ich bin damals über Kurtl´s Bar nicht hinaus gekommen. Nunmehr schreiben wir das Jahr 2007 und es häufen sich die Erfolgsmeldungen über die Überdachung des Eisstadions, die kurz bevor stünde. Und es ist Zeit, einmal über die Fakten zu schreiben, die in diesen Siegesmeldungen und Erfolgsgeschichten nicht stehen.

Zurück ins Jahr 1986. Damals fanden Riesen-Weltmeisterschaften in Inzell statt mit dicken 7er BMW und hohen Funktionären auch des IOC, die angesichts der Olympiabewerbung Berchtesgadens mit Inzell übers Land gefahren wurden. Die Olympiabewerbung ging daneben. Was blieb, war das Eisstadion, das nicht überdacht war und damit schon aus damaliger verständiger Sicht mit anderen Eisstadien wie Heerenveen nicht mehr konkurrenzfähig sein würde. Ludwig Schwabl trat 1990 als Bürgermeister ab und die Sache schlief ein, zumal der damalige Bürgermeister Oskar Wimmer und der Stadionleiter Gerd Zimmermann sich eher auf das Verwalten des Altbestands konzentrierten, sprich: Sie traten nicht durch irgendeinen Einsatz in Sachen Stadionüberdachung in besonders wahrnehmbare Erscheinung. Das sollte sich rächen. Andere waren nämlich schneller und heraus kam die Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle in Erfurt, die 2001 eröffnet wurde. Der Bund beteiligte sich an dem 28-Millionen-DM-Projekt mit 12 Millionen -DEUTSCHER MARK-.


Die Zeit verging und mit der letzten Weltmeisterschaft in Inzell 2005 trat Gerd Zimmermann ab. Der neue Stadiondirektor Hubert Graf begann nun mit seiner offensiven Lobbytätigkeit. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch Ende 2006 erinnern, das er mir auf Anfrage gewährte. Er war sehr offen, sprühte vor Begeisterung und ich begrüßte natürlich als Hauseigentümer und damals noch Inzeller Bürger jegliche Initiative für eine sinnvolle Verwendung des Eisstadions. Ich beschäftigte mich etwas mit der Sache und stellte fest, dass es zwei Wege gab: Entweder einen kreativen Weg mit einer neuen Nutzungsart, bei der Eisschnelllauf nicht mehr dominieren würde, bei der aber Gewinne erwirtschaftet würden. Oder den herkömmlichen Weg, Fördermittel für einen Sportstättenbau für Spitzensport zu beantragen. Hubert Graf entschied sich für den nicht kreativen Weg der direkten Förderung. Ich wünschte ihm innerlich -mehr besorgt als belustigt- viel Vergnügen, da jedem seit Jahren klar sein musste, dass sich die Zeiten geändert hatten und man heute nicht ohne weiteres ein neues Eisstadion in ein 4000 Einwohner Dorf stellen würde wie vor 40 Jahren. Das damalige Hauptargument des kalten Standorts greift ja nicht mehr und Inzell verfügt einfach über kein Einzugsgebiet. Nachforschungen ergaben dann, dass sich Salzburg schon bei seiner Olympiabewerbung für Spiele 2010 für den Aufbau eines Eisstadions entschieden hatte, das nach den Spielen wieder abgebaut werden sollte. Damit war klar, dass Inzell nicht einmal mehr mit der Nähe zu Salzburg punkten konnte. Graf musste sich also etwas besonderes einfallen lassen, zumal die Gemeinde Inzell als Träger des Eisstadions traditionell knapp bei Kasse ist und die anderen potenziellen Geldgeber, der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland zwar Geld haben, jedoch der Sportstättenbau mittlerweile klar formalisiert ist, was die Förderung betrifft. Mit alleiniger politischer Einflussnahme ließ sich in den letzten Jahren nichts erreichen. Der formale Weg würde einen Gemeinderatsbeschluss Inzells bedeuten, diesen Förderantrag überhaupt beim Freistaat Bayern anzuregen, zumal damit auch Folgekosten auf die Gemeinde zukommen würden. Dazu müssten Sportverbände wie der Spitzenverband, die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft angehört werden, wie sie sich die Verwendung einer solchen Eishalle konkret vorstellen würde. Und dann würde der Freistaat Bayern entscheiden, inwieweit er kofinanzieren würde und dies unter Einbeziehung der Bundesfördermittel. Ein klarer Weg des Förderlobbying über Gemeinde-Land-Bund. Wie ihn auch Erfurt erfolgreich gegangen war.

Hubert Graf machte nun mit dem Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier folgendes Lobbying, auf das sich viele Lokalpolitiker beschränken: Er ging an die Öffentlichkeit und wandte sich an die Wahlkreisabgeordneten. Es spielte sich folgendes ab: Eröffnet wurde die Eishallen-Kampagne mit einem Artikel des Eisschnelllauf-Journalisten Siegi Huber, der wie ich mich erinnere sogar den Weg durch die dpa ging. Es war ein Artikel mit vielen Übertreibungen und falschen Aussagen. Der CSU-Abgeordnete Ramsauer erwähnte zum Beispiel die Möglichkeit einer Olympiateilnahme mit Salzburg, was schon damals aussichtslos war. Von "Plänen für ein schlüsselfertiges Projekt" kann in einem solchen Frühstadium niemals die Rede sein, allenfalls von Planskizzen. Aber immerhin und das ist anzuerkennen: Das Thema war auf der öffentlichen Agenda und Graf konnte weitermachen. Beziehungsweise sein Lobbypartner und Chef, Bürgermeister Martin Hobmaier. Dieser trat Anfang 2007 in die CSU ein und sprach davon, dass damit die Chancen stiegen, Geld vom Freistaat zu bekommen. Die CSU hätte nun mal die Macht und mit einer Parteimitgliedschaft könne man leichter an die Stadionkohle kommen. Das Thema Geld bzw. Macht und CSU wurde sogar in einem ARD Report gesendet. Es gaben sich dann in Inzell verschiedene Politiker die Hand. Die CSU mit Kultusminister Siegfried Schneider und die SPD mit Bärbel Kofler. Alle waren sich einig: Das Stadion muss gebaut werden. Ich erwähne nur kurz, dass es um 30 Millionen Euro ging, also mehr als doppelt so viel wie bei der Förderung der Erfurter Überdachung und das in einem Dorf. Hubert Graf und Martin Hobmaier gingen mit Siegesmeldungen in die Presse. Der Höhepunkt war die Aussage Grafs, er erwarte schon eine Entscheidung Anfang Oktober 2007. Graf erzählte seinen Vereinsmitgliedern vom DEC Frillensee schon Details über die Planungs- und Bauzeit und alle freuten sich riesig, dass sie bald unter einem Dach Eishockey spielen könnten.


Ich wurde damals schon stutzig, da bekannt ist, dass sich Wahlkreispolitiker gerne und schnell zu Unterstützungszusagen hinreißen lassen, wenn nur ihr Bild im Traunsteiner Tagblatt oder anderswo erscheint. Ich recherchierte also mal und fand heraus, dass es weder einen Gemeinderatsbeschluss gab, noch einen Antrag der Bayerischen Staatsregierung auf Gewährung von Haushaltsmitteln oder gar einen Antrag nach dem Förderprogramm. Die DESG sagte nur etwas davon, sie würde das Inzeller Projekt unterstützen und dann erfuhr ich noch, dass das Bundesinnenministerium eine sportfachliche Stellungnahme zur Sache in Arbeit hätte, das der DESG zugestellt werden würde. Man muss dazu sagen, dass sich die DESG als Nischensportverband um die Förderung des Sports an sich kümmern muss. Die DESG-Profis um Trainer Markus Eicher sind weltweit im Einsatz und nicht an ein Stadion gebunden, was auch die sportfachliche Argumentation gegen das 30-Millionen-Projekt stützen würde. Es ist deshalb klar, dass die DESG kein Interesse an Stadionneubauten haben kann, wenn es sich vor allem für ihre Sportler und Trainer einsetzen muss, die ja Leistung bringen müssen, um weiterhin Fördergelder zu erhalten. In diesem Sport-Lobbying spielen einzelne Standortfragen nur eine untergeordnete Rolle, zumal es ja auch in Berlin und Erfurt mittlerweile Hallen gibt.

Die ganze Sache war also eine Luftnummer von Hubert Graf und Martin Hobmaier, die nicht durchschauten, dass hier nicht einfach 30 Millionen auf "politischem Wege" gezockt werden konnten, wie das der Grafei immer formulierte. Wenn sie es durchschaut hätten, dass die Abgeordneten hier nicht den Einfluss ausüben können, den man sich bei lokalprominenten Gesichtern immer erhofft, hätten sie ganz einfach die Öffentlichkeit belogen. Leider musste ich feststellen, dass viele Inzeller den Stuss vom "Stadiondach kurz vor der Realisierung" glaubten. "Jo mei, jetza kriagn ma dös Stadiondachl" usw. Es waren die gleichen Siegesmeldungen wie beim Inzeller Golfplatzprojekt, das seit Jahren kurz vor der Realisierung steht, möge man den Pressemitteilungen Glauben schenken. Grundsatz eines seriösen Lobbyisten ist jedoch immer, dass man die Öffentlichkeit nicht in falschem Glauben wiegt, gerade bei Projekten, die man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln kann.


Ich schenkte der Sache also keine große Beachtung mehr und kalkulierte bereits ohne das Inzeller Eisstadion; machte mich Anfang 2007 vom Acker und verschwendete keinen Gedanken mehr an den Inzeller Tourismus mit oder ohne Eisstadion, zumal auch der Boss der Inzeller Touristik GmbH Gernot Fritsch, von dem auch ich mir frischen Wind versprach, nicht überzeugte. Fritsch wurde ja letzte Woche gefeuert, um einem Bürgeraufstand zuvor zu kommen. Auch solche falschen Personalentscheidungen und natürlich Pleiten wie der dreimalige vergebliche Anlauf, ein Biomasse-Heizkraftwerk zu errichten, ließen mich nicht auf eine schnelle und professionelle Verbesserung des Inzeller politischen Umfelds hoffen. Ich zog mich letztendlich aus der öffentlichen Inzeller Plattform zurück. Diese Informationen sind wichtig, weil sie vielleicht erklären, was in der weiteren Lobbytätigkeit von Martin Hobmaier und Hubert Graf geschah.

Es kam nämlich die Einladung des Deutschen Olympischen Sportbunds an München, sich für die Olympischen Winterspiele 2018 zu bewerben. Es war von Beginn an klar, dass dies ein Alleingang des Trios Bach, Ude, Hörmann sein würde. Ein klares Lobby-Verteilungsthema, bei dem die bayerischen Alpengemeinden übervorteilt würden. Diese haben eigentliche gleiche Interessen, die jedoch seit zwei Jahrzehnten nicht mehr richtig vertreten werden. Für Inzell wäre der Bau eines Stadions in München das endgültige Aus gewesen. Ich informierte sofort eine Partnerfirma, ob man nicht eine Lobbyplattform anbieten solle und entschied mich dann, erst einmal abzuwarten und Meinungen einzuholen. Hubert Graf knallte den Hörer auf, nachdem er mir sagte, ich sei nicht kompetent und an Hobmaier ging ich gar nicht heran, da ich seinen Hang zu schnellen, unüberlegten Pressestatements kenne. Er konnte sehr viel kaputt machen, man muss solche Leute aus frühen Entwicklungen heraushalten. Anderen Bürgermeistern schrieb ich am Freitag, den 10. August abends eine E-Mail. Auch die CSU und Alois Glück wurden auf meine Überlegung hingewiesen, eine Initiative vorzudenken, was ich am Sonntag dann auch machte. Am Montag bekam ich dann mittags die Information, dass die CSU sich für die Einbeziehung der Wintersportorte Inzell und Ruhpolding einsetzen würde; es käme später in der Abendschau ein Beitrag. Dieser brachte die üblichen Statements von "es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen" und "schade, dass wir nicht dabei sind." Immerhin und bei aller Jammerei: Auch hier wurde Agenda-Setting betrieben und es gab eine Gegenposition zu Ude. Was es weiterhin nicht gab, war ein Mittelweg zwischen Alleingang Ude und plumper lokaler Besitzstandswahrung, wie sie die CSU vertrat. Die CSU geht dabei nach dem immer gleichen Modell vor: Es kommen Aussagen von Politikern, die im Wahlkreis bekannt sind. Wenn es medienwirksam ist, kümmert sich Stoiber angeblich persönlich drum. Auch wenn es sich um ein aussichtsloses Unterfangen handelt, ist der Wähler froh, weil er glaubt, die CSU hätte sich für Ihn eingesetzt.

Aussichtslos war und ist das Unterfangen einer direkten Olympiabeteiligung von Inzell und Ruhpolding, da das Einzelinteresse zweier Dörfer zu gering gewichtet ist, um gewürdigt zu werden. Anders ausgedrückt: Wen im München und anderswo kümmert es, ob in Inzell eine Eishalle steht oder nicht? Wer interessiert sich für eine Teilnahme Ruhpoldings? Haben Sie vielleicht ein Pressestatement der Münchner CSU gelesen, in dem steht: Wir sind für den Vorschlag von Alois Glück? Der Münchner Wähler würde sich ans Hirn langen. Inzell hatte nur eine kleine Chance mit einem innovativen Vorschlag, mit dem man überhaupt einmal zu ernsthaften Gesprächen kommen könnte. Und diesen Vorschlag, diese klitzekleine Chance, gab ich Inzell auf Seite 3 meiner Argumentationsschrift: Es handelte sich um den Vorschlag, eine flexible Halle in Inzell zu bauen, die man während der Olympischen Spiele in München kurzfristig aufstellen hätte können. So etwas wie auf der Expo 2000, der Weltausstellung in Hannover. Damals wurden viele Gebäude abgebaut und woanders aufgebaut. Gerade hinsichtlich es Wissenschaftsstandorts München mit der Technischen Universität könnte man doch eine Arbeitsgruppe aufbauen, die sich um Leichtbau kümmern hätte können. Ein Vorschlag, der sachlich gerechtfertigt ist und dann überzeugen kann, wenn man ihn weiter ausführt und natürlich weitere Befürworter sich entsprechend äußern.


Was aber geschah nun mit diesem Vorschlag? Anstatt eine Pressemitteilung loszulassen, von wegen: "Erst einmal interessant, wir prüfen das usw." kam die sofortige Konfrontation. Der Grafei im Inzeller Gmoablattl: "Letzteres ist für Graf allerdings nicht vorstellbar, da es sich in Inzell um ein freitragendes, 205 mal 85 Meter großes Dach handle, das eine Schneelast von 350 Kilogramm pro Quadratmeter aushalten müsse." Merken Sie was? Hubert Graf argumentiert selbst gegen sein Projekt. Warum sollte man nämlich eine solch teure Halle gerade an einem Ort in der höchsten Schneelastzone aufbauen? Und weiter in Chiemgau-Online: "Wir als Gemeinde distanzieren uns ausdrücklich von dieser Einzelinitiative", betonte Bürgermeister Martin Hobmaier gegenüber unserer Zeitung zu Dr. Engelsbergers Engagement. Die Idee einer Olympia-Bewerbung unter dem Motto "München und die bayerischen Alpen", wie sie Engelsberger präsentiert, habe er vor einigen Wochen schon geäußert, erklärte Rathaus-Chef Hobmaier. Es sei "nicht in Ordnung, wenn sich Einzelpersonen profilieren wollen auf Kosten der Gespräche mit den Verbänden und der Politik".


Erst hatte ich gar nicht verstanden, warum Hobmaier den Inhalt meiner Argumentationsschrift für gut hieß, sich aber ausdrücklich von der Initiative distanzierte. Auch erfuhr ich, dass es in der Inzeller Gemeinderatssitzung nicht heiß her gegangen, sondern über die Initiative nur informiert worden war. Es sah alles nach einer Anti-Engelsberger Kampagne Hobmaiers aus. Seinen Widerspruch löste ich deshalb erst einmal auf und titelte dann: Gemeinde Inzell unterstützt Konzept. Was nach den Aussagen Hobmaiers auch stimmte. Ich wollte damit erreichen, dass zumindest der Inhalt, das Argument für das Eisstadion Inzell erhalten bliebe. Auf persönliche Angriffe Hobmaiers durfte ich aus Interesse für Inzell nicht eingehen. Mein Unbehagen wurde jedoch durch einen Journalisten verstärkt, der mich fragte, was ich denn jetzt nach der Watsch´n des Inzeller Bürgermeisters machen würde. Ich stieg also in die Regionalbahn und das Postauto und fuhr für zwei Stunden nach Inzell, um nach dem Rechten zu sehen. Zu meiner großen Überraschung sprachen mich schon auf der Straße Inzeller an und lobten die Initiative. Im Inzeller Gemeindeanzeiger war nämlich ein größerer Bericht veröffentlicht und niemand wusste von der Watsch´n Hobmaiers, die offensichtlich nur im Traunsteiner Tagblatt stand. Jedoch fand ich im Inzeller Gemeindeanzeiger nur CSU-Werbung und Fantastereien wie "Geschliffene Rede von Staatsminister Dr. Thomas Goppel im Festzelt" oder eben "Bei Stadiondach fast vor der Ziellinie". Auch das sofortige ungerechtfertigte Gegenstinken und die persönlichen Anfeindung, die bis zum lächerlichen Vorwurf des Ideenklaus reichten, brachten mich zur Entscheidung, über den Sachverhalt aufzuklären und den Fall abzuschließen.

Damit ist der Fall erledigt. Martin Hobmaier und Hubert Graf haben sich dafür entschieden, den einzigen argumentativen Strohhalm nicht aufzugreifen, sondern gleich zu bekämpfen. Ich hatte mich erst gefragt, wie man ohne Not so dumm sein könne. Zumal ich in keinem Konkurrenzverhältnis zu Hobmaier oder Graf stehe, sondern mittlerweile unbehelligt in München publiziere. Und da bin ich drauf gekommen, dass vielleicht Dinge in der Vergangenheit passiert sind, die weder Hobmaier noch Graf gefallen haben und die deshalb emotional handeln. Wobei mein Verhältnis zu Hobmaier oder Graf rein politisch war. Auch kann es sein, dass es weder Hobmaier noch Graf verkraften können, wenn von aussen Dinge angesprochen werden, auf die sie selber nicht kommen. Darum kann ich mich aber leider nicht kümmern, da für mich Ergebnisse zählen. Für professionelle Lobbyisten ist zwar Kreativität wichtig, jedoch nicht personenbezogene Emotion. Und dazu gehören auch Aussagen wie oben zitiert als auch Siegesmeldungen vom "Durchbruch bei einer Telefonkonferenz" und anderem Blödsinn, bei dem man unweigerlich an die ehemalige Berichterstattung der deutschen Ostfront nach Stalingrad erinnert wird. Ich persönlich glaube nicht an den Eisstadion-Endsieg auf diese Art. Ich glaube viel mehr, dass sich bei professioneller Gestaltung dieses Lobbyprozesses Projektpartner finden lassen, die auch kreative Lösungen ermöglichen. Nicht glaube ich allerdings, dass Martin Hobmaier oder Hubert Graf diesen Lobbyprozess professionell gestalten werden. Emotionen wie Eitelkeiten sind in diesem Geschäft einfach fehl am Platz.


Anmerkung vom 2. November 2007:

Mittlerweile wurde die Idee einer flexiblen Eishalle aufgegriffen.

Auch hat das Bundesministerium des Innern mitgeteilt, dass es keine positive Stellungnahme der DESG gibt.


Neuer Themenblock: Lobby & Politik

Heute eröffne ich einen neuen Themenblock: Lobby & Politik. Damit ist gemeint, dass Lobby & Politik eine Schnittmenge ergeben. Jedoch gibt es auch Merkmale, die sich nicht decken. Lobby kann zum Beispiel die Vertretung von Einzelinteressen um jeden Preis sein und steht damit konträr zum hier verwendeten Politikbegriff, der Organisation von Gesellschaften zur Hebung des Gemeinwohls.

Was bitteschön macht ein unabhängiger Lobbyist? Was sind Ihre Interessen? Wie verdienen Sie Ihr Geld? Diese Fragen sind die vordringlichen des interessierten Publikums, das immer mehr mit diesem Berufsfeld in Kontakt kommt. Die Antworten sind einfach: Der unabhängige Lobbyist erkennt Themen, analysiert die Wirkungszusammenhänge und deckt Lücken der Interessenvertretung auf. Letztere versucht er dann für andere zu übernehmen, die dies noch nicht erkannt haben und sich Zeit und Geld für Expertise und Kommunikation sparen möchten, weil sie andere Dinge zu tun haben. Beispiel: Ich erkenne, dass Anleger von argentinischen Staatsanleihen in einem Verteilungskampf nicht vertreten werden. Sie haben keine Stimme und werden leichtes Opfer sein, wenn sie ihre Interessen nicht bündeln und mit allen Mitteln durchsetzen. Das führt dann zu einer Ad-Hoc-Interessengruppe wie der Interessengemeinschaft Argentinien e. V. Je mehr persönliche und finanzielle Unterstützung, umso größer in der Regel der Erfolg, je nach Befähigung und Motivation der leitenden Lobbyisten.

In gefestigten Demokratien geht es um die Verteilung öffentlicher und privater Mittel. Diese geschieht oft so, dass es die Menschen nicht bemerken. Verteilungsplattformen sind zum Beispiel auch die Finanzmärkte, die wiederum staatlich reguliert sind. Wer dort professionelles Lobbying betreibt, kann seine Firma schnell auf neue Gegebenheiten einstimmen und sogar staatliche Unterstützung bekommen wie die in Schieflage geratene IKB . In bestimmten Sektoren, eröffnen sich so ganzen Branchen neue Geschäftsmöglichkeiten wie der Solar- und Windkraftenergie. Verteilungsplattformen sind aber auch Berufsordnungen mit bestimmten Zulassungsbeschränkungen oder Produkte mit staatlicher Überwachung wie Medikamente: Fast in alle Lebensbereiche spielt die Politik hinein und diese wird beeinflusst durch Lobby.

Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion über die Legitimation von Lobby und weitere Fragen führen; überlasse dies anderen Plattformen wie Lobbycontrol. Vielmehr beschränke ich mich bei der Beschäftigung mit Lobby & Politik auf Aufklärung über solche politischen Prozesse, wie sie funktionieren, wer dabei mitmacht. Dabei habe ich ein Interesse, das Berufsbild des unabhängigen Lobbyisten zu festigen und die Möglichkeiten auch in Parlamenten und Ministerien zu verbessern. Schließlich werden, wie Lobbycontrol aufdeckt, die großen Unternehmen und deren Verbände immer noch bevorzugt behandelt, obwohl es mittlerweile eine Vielzahl von Einzelinteressen gibt, deren staatlicher Wert über diesen Unternehmen steht. Als Beispiel diene nur der Fall Argentinien, der den deutschen Steuerzahler mindestens 10 Millarden Euro gekostet hat ohne Folgekosten. Den Privatanlegern wird immer noch der Zugang zu Lobbyorganisationen wie der Initiative Finanzstandort Deutschland verweigert.

Lobby ist überall. Lobby bestimmt das Leben. Wer keine Stimme hat, verliert. Er muss sich mit weniger zufrieden geben. Auch Kulturen und Lebenseinstellungen gehen ohne ständige Lobby verloren. Auch Lobbycontrol ist Lobby und zwar für unabhängige Beobachter. Jeder muss tagtäglich seine Existenzberechtigung nachweisen, sei es im Beruf oder in der Familie. Lobby & Politik beschränkt sich jedoch auf die Beziehungen von Interessen im Spannungsfeld des Privaten zum Öffentlichen. In diesem Sinne wünsche ich neue Erkenntnisse über Lobby & Politik und hoffe, dass dieser Bereich als völlig normal wahrgenommen wird, was er auch ist. Vernünftige, gemeinwohlverträgliche Lobby ist eine Dienstleistung an der Gesellschaft.

26 August 2007

OlyMuc: Gemeinde Inzell unterstützt Konzept von Dr. Stefan Engelsberger

Die Gemeinde Inzell, vertreten durch den Ersten Bürgermeister Martin Hobmaier hat laut Presseartikeln des Verlags Miller, Traunstein, das Konzept von Dr. Stefan Engelsberger unterstützt. Das Traunsteiner Tagblatt zitiert Hobmaier mit den Worten:

"Es gehe dabei nicht um die Inhalte. Die Idee einer Olympia-Bewerbung unter dem Motto »München und die bayerischen Alpen«, wie sie Engelsberger in seiner Online-Argumentationsschrift präsentiert, habe er vor einigen Wochen schon geäußert, erklärte der Rathauschef. »Dafür gibt es Zeugen.«"

In welcher Fachpublikation Hobmaier seine Argumente veröffentlicht hat, bzw. in welchen Fachkreisen er sein Konzept vorgestellt hat, wurde nicht mitgeteilt. Mit seiner Unterstützung ist Hobmaier damit konform mit der Kritik der CSU an dem zur Erfolglosigkeit verdammten München + 2 Konzept. Hobmaier musste sich von der professionellen Initiative OlyMuc mit dem Konzept Munich & Bavarian Alps und damit seiner eigenen Idee erst einmal formell distanzieren, da er es sich nicht mit den Sportverbänden, insbesondere der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft verderben will. Schließlich arbeitet er immer noch an seiner Vision einer Hallenüberdachung für das Eissstadion Inzell. Eine sportfachliche Stellungnahme des Bundesinnenministeriums soll der DESG demnächst vorgelegt werden. Ein Antrag des Freistaats Bayern auf Sportstättenbauförderung wurde noch nicht gestellt. Zuschüsse gibt es nur, wenn das Eisstadion weiterhin eine Einrichtung des Spitzensports bleibt. Verabschiedet sich die DESG aus Inzell, werden öffentliche Zuschüsse für den weiteren Betrieb schwer zu rechtfertigen sein. Insoweit ist die Prognose von Stadiondirektor Hubert Graf, er rechne mit eine Zusage von Freistaat Bayern und Bund für 30 Millionen Euro bis Oktober etwas gewagt. Dies insbesondere im Hinblick auf die üblichen Fördersummen des Bunds, die sich eher weniger im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Hier die Aussagen von Stadiondirektor Hubert Graf (Quelle: DEC-Frillensee Inzell - Internetseite):



Jahreshauptversammlung DEC
Hallenneubau und sportliche Erfolge die dominierenden Themen
Ganz im Zeichen der Planungen für eine Eishalle stand die Jahresmitglieder-Versammlung des DEC Frillensee/Inzell. DEC Vorsitzender Hubert Graf stellte dabei den anwesenden Mitgliedern den vorläufigen Zeitplan zur Realisierung des 30 Millionen Euro-Projekts vor. Bis zum Oktober diesen Jahres erwartet Graf die Zusage der Finanzierung von Bund und Land, dann würde ab November bis Juli nächsten Jahres das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren anstehen. Mit dem ersten Bauabschnitt rechnen die Inzeller Verantwortlichen im März 2009 der dann bis September dauern soll. Im Winter 2009/10 würden zwar die Bauarbeiten fortgesetzt werden, allerdings müsste auch ein eingeschränkter Betrieb der 400 Eisschnelllaufbahn gewährleistet werden. Ab März 2010 sollte es dann mit dem zweiten Bauabschnitt weitergehen so dass im Januar 2011 die Halle voll in Betrieb gehen könnte. Offiziell eingeweiht soll die Halle von 10. bis 13. März im Rahmen einer Weltmeisterschaft, die bereits beantragt ist, werden. Auch Bürgermeister Martin Hobmaier zeigte sich im Rahmen der Versammlung optimistisch was den Bau einer Eishalle in Inzell angeht. „Wir sind das kleine gallische Dorf in Deutschland was den Eisschnelllauf betrifft“, bekräftigte Hobmaier die Anstrengungen nach Berlin und Erfurt nun ebenfalls eine Halle zu bekommen. Nach Worten des Bürgermeisters ist nach dem jüngsten Besuch von Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber und Kultusminister Siegfried Schneider und die Zusage der Unterstützung nun der nächste Schritt in Berlin zu machen. Dafür werden sich Landtagspräsident Alois Glück und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer kümmern.

25 August 2007

Ribery-Plakat: Katja von Heinegg vom Deutschen Werberat

Heute schreibt mir Katja von Heinegg vom Deutschen Werberat, dieser könne keinen Verstoß gegen die Verlautbarungen des Werberats oder gegen die allgemein akzeptierten gesellschaftlichen Grundüberzeugungen erkennen.
Da es ewig lange dauern würde, Frau Katja von Heinegg, bzw. den Deutschen Werberat über Logik ("allgemeine Grundüberzeugung"), Cultural Studies ("Grundverständnis"), Bayerisches Verfassungsrecht usw. zu informieren, habe ich mich für eine kurzgefasste E-Mail entschieden, die die Sache verfacht deutlich macht:

Sehr geehrter Frau von Heinegg,

Ihre Aussage ist erst dann glaubwürdig, wenn Sie mir darlegen, wer die Entscheidung getroffen hat und inwieweit er davon ausgeht, er wisse, was allgemein akzeptierte gesellschaftliche Grundüberzeugungen wären. Auch möchte ich wissen, inwieweit er Kenntnisse der Bayerischen Verfassung hat.

Ich glaube, da gehen die Meinungen zwischen Bayern und Berlin stark auseinander. Was Sie alleine daran erkennen, dass ich diese angeblichen Grundüberzeugungen nicht teile. Es gingen über diese Frage ja schon die Meinungen zwischen Ost- und West-Berlinern auseinander.

Deshalb ist Ihre Aussage schlichtweg Unsinn und nicht ernst zu nehmen. Eine "allgemein akzeptierte Grundüberzeugung" gibt es spätestens dann nicht, wenn ein einzelner Mensch eine andere Überzeugung hat. Sie könnten allenfalls von "mehrheitlich" sprechen, jedoch gibt es über das Plakat keine Mehrheitsentscheidung. Ihr Urteil ist mit dieser Nicht-Begründung keinen Pfifferling wert.

Ich werde jetzt einmal nachsehen, inwieweit Sie öffentliche Gelder kassieren und wer dahintersteckt. Im übrigen verlasse ich mich lieber auf mein kulturelles Verständnis als alteingesessener Altbayer, das im übrigen auch in den Medien und auf der Straße von Mitbürgern geteilt wurde. Ganz abgesehen von der schweigenden Mehrheit, die sich nicht äußert, weil sie weiß, dass Sie als hinterwäldlerisch und sonst noch was hingestellt würde, wenn sie es nur wagte, etwas gegen diese kulturimperialistische Indoktrination zu äußern. Sie sind der letzte Laden, der mir sagt, welche Überzeugungen ich teilen soll.

Geben Sie dezidierte Stellungnahmen ab, aber sparen Sie sich nicht begründeten, schnell zusammengeschusterten Bockmist, dem keine Tatsachenrecherche zu Grunde liegt. Ich empfehle Ihnen, einen Kulturwissenschaftler, vielleicht bayerischer Herkunft, hinzuzuziehen, das würde zu einer überzeugenden Begründung führen. Es gäbe auch noch Cultural Studies; holen Sie sich Experten aus dem englischsprachigen Wissenschaftsbereich. Stellen Sie mehr international erfahrene Kulturexperten ein, dann kommt es nicht zu solchen dumpfbeuteligen Aussagen.

Beste Grüße in unsere schöne Bundeshauptstadt.


Dr. Stefan Engelsberger

23 August 2007

Ribery Plakat an Theatinerkirche: Schwarzbau der media forces network gmbH




Nun werde ich aktiv, da ich meine, dass Leuten wie Tyll Gundermann und Bernd Jasper das Handwerk gelegt werden sollte. Die beiden haben dummdreist einen Schwarzbau an der Theatinerkirche errichtet. Sie sind laut Handelsregisterauszug Geschäftsführer der media forces network GmbH (HRB 152800 Amtsgericht München). Natürlich schmälert das die Schuld des Freistaats Bayern nicht, der offensichtlich seine Auftragnehmer nicht genügend überwacht. Auch der von der SZ zitierte Rechtsanwalt Maximilian Rehrl ist mit schuld, er hat die Firma offensichtlich bei der Straftat und beim Schwarzbau unterstützt, sonst würde er nicht so einen Stuss von sich geben.
Der Hohn ist nämlich, dass sich unsere Buam vom Schlachthofviertel auch noch im Recht sehen. Und zum Lachen ist die Tatsache, dass die Wohnorte von Bernd Jasper und Tyll Gundermann Grünwald und Tutzing sind. Da fällt mir nur folgende Geschichte ein:
Zwei Super-Schnösel aus München-Sehr-Süd mit Markenjeans und van Laack-Hemd, beschließen eine Werbeagentur aufzumachen. Sie gehen ins vermeintlich coole und angesagte Glockenbachviertel, checken aber nicht, dass sie im Schlachhofviertel gelandet sind. Der Laden trägt eine sehr lässige Anglizismen-Parole in sich, natürlich müssen alle Wörter kleine Anfangsbuchtstaben haben. Dann machen Sie bei einem Auftrag der DDB Group Germany aus dem supercoolen und angesagten Prenzlauer Berg mit und versprechen, dass sie ein obercooles Plakat an einen aufsehenerregenden Ort hinknallen, ohne dass jemand was sagt. Oha, dann kommt doch einer drauf. Aber genehmigungsfähig wärs doch gewesen, sagt man.
So sieht also unsere Bayerische Elite aus. Es ist zum Wiehern. Oder zum Heulen?
Die Werbetafel wird als Ribery-Plakat in die Werbegeschichte eingehen. Äh, wie hieß noch gleich das Produkt für das geworben werden sollte???
Werbeplakate an der Theatinerkirche;
Anzeige gegen Verstoß gegen Baugesetze


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

wie Sie nunmehr selbst erkennen, handelt es sich um einen Schwarzbau.

Ich fordere Sie auf, gegen die Schwarzbauer ein Bußgeld zu verhängen. Dieses sollte sich nicht an einem Bußgeld für den durchschnittlichen Schwarzbauer orientieren, sondern ein Zeichen setzen. Das Bußgeld ist gegen die GmbH und deren Geschäftsführer Tyll Gundermann und Bernd Jasper zu verhängen. Ich habe Ihnen einen Handelsregisterauszug beigefügt.

Beste Grüße

Ribery-Plakat: OB Ude duldet Schwarzbau

So schnell kann es also gehen, wenn Aktivisten tätig werden. Habe ich doch OB Ude auf den Schwarzbau hingewiesen. Nun ist es also ein Schwarzbau, wenn man der Süddeutschen Zeitung Glauben schenken darf. Und der Boss der media forces network GmbH München ein Schwarzbauer, mithin ein Gesetzesbrecher und Straftäter, da er ja auch Sachbeschädigung zu verantworten hat.

Leider sind es diese einfachen bürokratischen Dinge, mit denen man den Kriminellen der das Handwerk legen will. Tatsache ist und bleibt: An eine exponierte Stelle wie der Theatinerkirche, mithin Symbol des Staates und der Kirche, gehören keine Werbeplakate, gleich wie häßlich und dumpfbeutelig sie sind, wie das Ribery-Plakat.

Zur Dokumentation noch der Dorfkramer-Brief an OB Ude. Jetzt folgt die Aufforderung, der media forces network GmbH für ihr Vergehen eine ordentliche Geldbuße aufzuerlegen. Das wird mit dem kleinen Häuserlbauer auch gemacht. Also ab mit einem Bußgeldbescheid an die Werbefritzen vom Schlachthofviertel! (Anmerkung: Erinnert sich irgendjemand noch an die Firma, die da beworben werden soll?!?):

Werbeplakate an der Theatinerkirche;
Anzeige gegen Verstoß gegen Baugesetze


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

nicht nur dass die Werbeplakate an der Theatinerkirche Unfug sind und staatliche als auch kirchliche Symbole besudeln und uns eine Ersatzreligion präsentieren. Sie sind schlichtweg auch Schwarzbauten.

Es handelt sich nämlich um bauliche Anlagen, die nach der Bayerischen Bauordnung genehmigungspflichtig sind. Näheres hierzu erklärt Ihnen Ihre Bauabteilung. Ich weise Sie darauf hin, dass Werbeplakaten an solchen symbolträchtigen Orten gegen den Staat per se gerichtet sind. Näheres hierzu erklärt Ihnen Ihr Staatsrechtler. Im Abwägungsprozess ist dies, insbesondere unter Einbeziehung der Fachbehörden für Denkmalschutz und Ihrem Kulturreferat zu berücksichtigen.

Ich fordere Sie auf, eine Beseitigungsanordnung für diesen Schwarzbau zu erlassen.


Mit freundlichen Grüßen

22 August 2007

Olympia München: Ruperti-Nachrichten berichten über OLYMUC Kampagne

Die Ruperti-Nachrichten haben heute über die Initiative OlyMuc berichtet:

Weiter Streit um Olympia - Ein Inzeller startet Graswurzelkampage

Die Journalisten dort wissen, was Grassroot-Kampagnen sind und haben erstmals professionell über sowas berichtet. Hoffentlich werden die Argumente auch wahrgenommen und verschwinden nicht im Ude-und-Stoiber-Sumpf des falschverstandenen Populismus.

Ribery Plakat und Antrag auf Exkommunikation


Die von dümmlichen Berliner Werbeagenturen unabhängige Abendzeitung berichtet heute über meine Strafanzeige. Wiederum tritt Kirchenrektor P. Dr. Klaus Obermeier in Erscheinung, der Werbeplakate an seiner Kirche lustig, spaßig und trendy findet, gleich, welch bescheuerte Botschaften sie transportieren. Anstatt wie Don Camillo die Ärmel hochzukrempeln und seine Kirche zu verteidigen, wählt er den Weg des geringsten Widerstands. Mehr noch: Er bereitet den Boden für ein Gefühl der Wurschtigkeit gegenüber staatlichen und klerikalen Symbolen.
Was viele noch nicht begriffen haben: Es geht um staatliche und göttliche Autorität. Geht diese verloren, ist der Weg frei, die Gesellschaft zu spalten. Ein Fußballspieler wird diese Autorität niemals ersetzen können. Leute Dr. Tonio Kröger, die sich auf dem Kreuzzug befinden, haben dann gesiegt.
Weil auch die Dummheit von Kirchenrektor P. Dr. Klaus Obermeier nicht vor Strafe schützt, habe ich heute beim Erzbischof eine Exkommunikation angeregt. Die größten Feinde der göttlichen Autorität sind Leute wie Obermeier. Hier das Schreiben:
H. H. Erzbischof Kardinal 22.08.2007
Prof. Dr. Friedrich Wetter
Pacellistr. 8

80333 München


Werbeplakate Theatinerkirche


Sehr geehrte Exzellenz,
Hochwürdigster Herr Erzbischof,

die Plakate an der Theatinerkirche werden von Ihnen offensichtlich unterschätzt. Anders kann ich Ihr Stillschweigen in der Sache nicht verstehen. Es geht um die letzte symbolische Bastion der katholischen Kirche in Bayern. Der Gott Fußball und Kommerz hat, wenn es nach Ihrem Willen geht, gesiegt.

Ich weigere mich, diesen Sieg anzuerkennen und wehre mich publizistisch im Internet. Auch habe ich Strafanzeige erstattet und erstatte nunmehr Strafanzeige gegen Kirchenrektor und Pfarrer Karl Obermeier, der sich in der Öffentlichkeit für das Plakat ausgesprochen und somit seine Kirchengemeinde und sein Amt verraten hat. Er gehört exkommuniziert.

Für mich stellt sich die Frage, warum ich noch in der katholischen Kirche bin, wenn eh alles egal und spaßig ist und wir doch so lieb zu allen sind. Ihre Wurschtigkeit führt dazu, dass die Kirche nicht mehr als heilig wahrgenommen wird, sondern als Folkloreveranstaltung, zu der man bei Familienfesten und Anlässen wie Weihnachten mal hingeht. Fragen Sie mal in Grundschulen nach, wie viele Kinder noch wissen, worum es überhaupt geht.

Für spirituelle Menschen sind innerhalb der monotheistischen Religionen das Judentum und der Islam mittlerweile attraktiver.

Mit freundlichen Grüßen

21 August 2007

dorfkramer startet Freibayer-Kampagne



Jetzt ist das Fass endgültig übergelaufen und ich beginne mit meiner Freibayer-Kampagne, um einmal klar zu stellen, was hier in Bayern die Realität ist. Es ist eine Realität außerhalb der etablierten Medien, die alles so rosig und harmlos darstellen als gäbe es keinerlei gesellschaftliche Auseinandersetzungen mehr, es reiche aus, wenn die Masse mit zwei, drei, vier Riesen am Monatsersten ausgestattet würde. Wollte Sie mehr, dann gäbe es schon einen Richter, der sich für die Interessen der Bosse einsetzen würde, die von diesem Scheinfrieden profitieren und dies seit über zehn Jahren. Alles klar, sagt die Politik wenn man den Bayern nur eine Halbe hinstellt und politische Gaudi macht. Die sollen schön Kinderkriegen und Angestelltenjobs übernehmen, dann is a Rua im Land.

Es reicht. Ich habe jetzt so viele Themen in so kurzer Zeit serviert bekommen, dass es Zeit wird, Sturmhaube und Handschuhe überzuziehen, um das Straßenbild Münchens und Bayerns zu bereichern: Der Freibayer läuft. Der Freibayer zeigt, dass es noch Bayern gibt, die sich Gedanken über ihre Identität machen. Der Freibayer beweist, dass es noch Bayern gibt, die frei denken können und beispielsweise durchschauen, wenn ein paar wenige abzocken und auch noch die Presse manipulieren. Der Freibayer weiß, dass Bayern sich an globale Zwänge anpassen muss. Deshalb müssen übergeordnete politische Konzepte den Standort global stärken. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sich in der Welt zum Affen macht und sich Stussorganisationen wie dem IOC in allen Belangen beugt oder sich gar noch von einer auswärtigen Regierung Milliarden abnehmen lässt.

Die Figur Freibayer zeigt das originäre Charakterbild des Bayern. Der Bayer ist grundsätzlich ein Mensch, der sich nicht einsperren lässt wie ein Viech, sondern sich frei bewegt. Er will jedoch gefüttert werden, braucht einen festen Rahmen, um seine Kreativität ausleben zu können. Dieser feste Rahmen ist nicht mehr gegeben. Konzerne feuern ihre Leute, wenn es danach ist, als Kleinunternehmer hat man immer weniger Gestaltungsräume und unübernehmbare Risiken. Die Trachtenvereine und Gebirgsschützen haben null Inhalte mehr, urbane Räume sind Reihenhaussiedlungen, das Land wird regelrecht ausgetrocknet und so weiter. Und allen wird seit Jahren reingedrückt, dass alles beim Alten sei und Bayern Spitze, weil´s irgendeine Umfrage einer Zeitschrift so ergeben hat.

Bayern steht in diesem Jahr im Zeichen von Kommunal- und Landtagswahlen. Es wird eine Richtungsentscheidung. Ob wir uns in den nächsten fünf Jahren wieder mit Sachen beschäftigen müssen wie dem Tot-Sparen des Staates, der sogar den Blinden ihre paar Staats-Kröten kürzt, Latex-Shows oder außereheliche Sexgeschichten. Oder können Sie sich noch an etwas anderes erinnern, wenn Sie an die Bayerische Politik der letzten fünf Jahre denken? Was war denn los? Hat sich die Welt nicht weiterentwickelt? Was war wirklich Inhalt einer bayerischen Politik? Gut, der Bär Bruno wurde politisch abgeknallt. Und Stoiber weigerte sich, in Berlin und Brüssel, Verantwortung für Bayern zu übernehmen. Dort, wo es wichtiger wäre, als im Zirbel-Bunker.

Eins vorneweg: Der freiheitliche Bayerngedanke, dem ich nachgehe, ein bisserl angelehnt am früheren Bauernbund, ist nirgendwo repräsentiert. Aber ihn gibt es, ich schätze den Anteil der Freibayern auf 7 %. Die FDP, deren passives Mitglied ich seit 2004 bin, macht vordringlich Interessenpolitik für sexuelle Lebensstile, die Freien Wähler haben es nicht geschafft, aus ihrer kommunalen Ecke rauszukommen. Die Bayernpartei ist bayerisch-utopisch. Wo ist also das freibayerische Element?

Ich werde in den nächsten Monaten dieser Frage nachgehen. Es muss eine Dokumentation des politischen Zustands Bayerns erarbeitet werden und zwar an der Wurzel. Deshalb beginne ich die Freibayer-Tour in einem Internetcafé im Münchner Universitätsviertel. Weil solche Läden wie Dorfkramer-Läden die Infrastruktur für Aktivisten bilden. Diese Corner-Stores haben es mir weltweit ermöglicht, meinen Interessen und Ideen Ausdruck zu verschaffen. Die Waffe der Politik ist das Wort. Wird diese Waffe verboten, greifen viele zur Bombe. Wir müssen das nicht, da wir das Internet haben und die Dorfkramer-Läden, dh. Internetcafés es ermöglichen, neue Nachrichten schnellstmöglich ins Netz zu geben. Weltweit. Nur deshalb kann eine solche Kampage gefahren werden, man müsste sonst versuchen, durch Latex-Aktionen, Gruppensex oder Homo-Parties in die Presse zu kommen.

Das Pressemonopol ist tot. Der Freibayer lebt.

Olympiabewerbung München: Sinnlose Streitigkeiten der CSU

Die CSU hat sich nach einiger Verspätung dazu durchgerungen, eine Position zu beziehen. Und zwar möchte sie die weitere Wintersportorte in das Konzept einbeziehen. Augegangen ist das Ganze von einem eher sachlichen Interview mit Alois Glück in der SZ. Es wurde dann klar, dass er nur Partikularinteressen-Lobbying betrieb und zwar für seinen Wahlkreis Traunstein. Ins selbe Horn stießen die weiteren lokalen Politgrößen in den Ruperti-Nachrichten.
Es ist klar, dass sich dieses konzeptlose Lobbying in der Münchner Stadtpolitik nicht durchsetzen wird. Es ist zu plump. Noch plumper als die U-Bahn nach Pasing von OB Christian Ude. Sieht man sich nämlich zum Beispiel die Vorschläge der Grünen zur Öko-Olympiade an, dann bieten diese als einzige Partei eine machbare Vision, die Olympische Winterspiele überhaupt erst lohnenswert erscheinen lassen. Merke: Das IOC ist derzeit bemüht um gute Bewerber, da diese nicht mehr so zahlreich sind. Viele Länder bringen ihre Infrastruktur auch so in Ordnung, brauchen dazu keine Großereignisse. Und viele interessieren sich auch für die Spiele selbst nicht mehr. Ebenso wie die katholische Kirche ist die Olympische Bewegung säkularisiert. Es geht nur noch um Kohle und viele fragen sich, ob man sich nicht das Geld für eine Bewerbung sparen und nicht gleich investieren sollte. Mit 30 Millionen Euro lässt sich schon viel machen.
Ein Blick zurück auf das CSU-Lobbying: Interessant ist, dass sich die Münchner CSU in Schweigen hüllt. Man will nicht als Spielverderber gelten und hat Angst, Wählerstimmen zu verlieren, bzw. nicht zu gewinnen. Die Münchner CSU macht es nämlich wie die FDP: Nichts tun und nicht groß auffallen, um dann durch Fehler der anderen kurz vor dem Wahltermin eine positive Stimmung zu erzeugen. Aber hier ist genau der Reibungspunkt innerhalb der CSU, der das Special Interest Lobbying für Inzell und Ruhpolding als Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit erscheinen lässt. Zusammenfassend: Die CSU bellt ein bisschen umher, weiß, dass es damit keine Chance hat und präsentiert sich in den Wählerhochburgen Traunstein usw. als einziger Interessenvertreter.

Auf der Strecke bleiben vernünftige Vorschläge wie http://www.olymuc.org/.

20 August 2007

Strafanzeige gegen Franck Ribéry, Dr. Edmund Stoiber und Dr. Tonio Kröger


Ich habe mich nun durchgerungen und eine Strafanzeige verfasst. Dr. Tonio Kröger befindet sich offensichtlich auf Kreuzzug gegen die katholische Kirche. Ich finde, er soll diesen Kreuzzug woanders austragen. Hier der Text:

An die
Staatsanwaltschaft München I 20.08.2007
Postfach

80997 München




Strafanzeige gegen Franck Ribery, Dr. Tonio Kröger, Dr. Edmund Stoiber und andere wegen Begehung von Straftaten, insbesondere nach § 90a, § 166 und § 168 Strafgesetzbuch


I. Sachverhalt

Seit einiger Zeit befindet sich ein Werbeplakat von der Theatinerkirche. Der Sachverhalt ist bereits in den Medien bekannt gemacht worden. Zur Vervollständigung lege ich einen Beitrag meines Weblogs dorfkramer.blogspot.com bei und verweise auch auf weitere, von mir verfasste Artikel.

Ich setze genügend staatsbürgerliches, religiöses und kulturelles Wissen bei der Staatsanwaltschaft München I voraus und muss deshalb nicht weiter erklären, dass es sich bei der Theatinerkirche um einen Sakralbau von großer Bedeutung als auch um eine Grablege der Wittelsbacher handelt. Unter anderem ist in der Theatinerkirche Bayerns erster König, Max Joseph I. bestattet. Aufgrund der städtebaulichen Lage an der Residenz handelt es sich um die Bayerische Staatskirche. Weder die Frauenkirche (Kaiser Ludwig der Bayer) noch die Michaelskirche (König Ludwig II.) erreichen diesen Stellenwert.

II. Rechtliche Würdigung

Der Charakter als Staatskirche bringt es mit sich, dass man mit diesem Symbol sorgfältig umgehen muss. Der Missbrauch für Werbezwecke allein ist bereits ein so offensichtlicher Verstoß gegen das kulturelle und religiöse Verständnis eines bayerischen Staatsbürgers als auch eines Mitglieds der katholischen Kirche, dass hier keine Toleranz angebracht ist.

Strafrechtlich ist die Theatinerkirche vor dieser Plakataktion mehrfach geschützt.

1. Verächtlichmachung des Freistaats Bayern nach § 90 a Strafgesetzbuch:

Das Verächtliche besteht bereits darin, dass das Werbeplakat signalisiert, der Freistaat Bayern hätte nicht genügend Geld in der Kasse, um die Fassade seiner Staatskirche zu renovieren. Des weiteren wird nicht nur König Ludwig II., sondern das bayerische Königshaus verhöhnt, da die Darstellung signalisiert, dass es einen „König Fußball“ gäbe, der letztendlich den Staat bereits ersetzen würde.

Eine brutalere Abwertung eines Staates gibt es nicht. Man stelle sich ein solches Plakat am Weißen Haus in Washington, Petersdom im Rom oder gar an der Al Azhar Moschee in Kairo vor. Es bedarf keiner näheren Ausführungen hierzu.

2. Beschimpfung einer Einrichtung der katholischen Kirche nach § 166 Abs. 2 StGB:

Das Aufhängen von Plakaten vor der Theatinerkirche ist grundsätzlich eine Verhöhnung der katholischen Kirche. Auch hier wird signalisiert, dass diese Kirche zu arm wäre, um sich eine Fassadenrenovierung einer ihrer wichtigsten Sakralbauten nicht leisten zu können. Man habe es nötig, Werbung für Turnschuhe und anderer Artikel zu machen. Des weiteren wird signalisiert, dass es bereits eine wichtigere, sogar eine Staatsreligion gäbe, nämlich den Fußball.

Auch hierzu brauche ich keine näheren Ausführungen machen. Wer das Neue Testament in etwa kennt, insbesondere die Episode mit Jesus Christus im Tempel, ist sich dieser Beschimpfung bewusst.

3. Störung der Totenruhe nach § 168 Abs. 2 Strafgesetzbuch:

Es handelt sich bei der Theatinerkirche nicht nur um einen Beisetzungsstätte ehemaliger bayerischer Staatsführer, sondern um eine öffentliche Totengedenkstätte. Es sind deshalb die gleichen Maßstäbe heranzuziehen, wie z. B. bei jüdischen Friedhöfen, die von Neonazis geschändet werden. Das heißt, dass bereits die Verunstaltung einer Fassade zur Erfüllung des Straftatbestands ausreicht. Es muss dabei nicht die Grabstätte im Kircheninneren geschändet werden. Ebenso wie Hakenkreuzschmierereien sofort polizeilich geahndet werden, müssen Symbole eines globalen Konzerns wie das Logo als auch die Darstellung eines bekannten Fußballprofis dazu ausreichen, dass die Staatsanwaltschaft einschreitet. Alles andere wäre eine Diskriminierung des Bayerischen Königshauses als auch ein Affront gegen bayerische Staatsbürger, die sich gegen diese Grabschändung wehren.

Die Strafanzeige richtet sich gegen alle, die an der Erfüllung der Straftatbestände teilgenommen haben. Drahtzieher dürfte Dr. Tonio Kröger, Geschäftsführer der DDB Group Germany sein. Diese Firma hat ihren Leitspruch auf ihrer Internetfirma veröffentlicht:
„Enemies oft he Ordinary“. Da dieser Spruch sogar als Marke geschützt wurde, ist davon auszugehen, dass sich Kröger und DDB in einer Art Kreuzzug befinden, eben gegen Feinde (Enemy) vorgehen. Da Ordinary nicht nur „das Gewöhnliche oder Übliche“ heißt, sondern auch „Ordinarium, Messordnung und Bischof“, ist davon auszugehen, dass sich die DDB in einem Kreuzzug gegen die katholische Kirche befindet, den sie subtil und unter Einsatz perfidester Mittel ausübt. Es geht DDB und Kröger um ein Kaputtmachen traditioneller Werte mit Mitteln, die bei unverständigen Mitmenschen als „modern“ „lustig“ und so weiter wahrgenommen werden, weil alles Spaß machen muss.

Die Erfüllung des Straftatbestands setzt jedoch nicht voraus, dass die etablierten Medien, die sich auf der Seite des Kreuzritters Kröger befinden, nicht wahrhaben wollen, dass es viele Menschen gibt, die sich dadurch in ihrer Würde verletzt fühlen. Nicht nur als Staatsbürger, sondern als Mitglied der zu schützenden Religionsgemeinschaft der katholischen Kirche. In diesem Sinne verhält es sich nicht anders als zum geschändeten jüdischen Friedhof.
Franck Ribery ist deshalb zu bestrafen, weil er dumm genug war, zu erkennen, dass er von seiner Agentur als Ikone missbraucht wird. Dummheit schützt vor Strafe nicht. Ribery hat mit seiner Darstellung die Straftatbestände unmittelbar erfüllt.

Dr. Edmund Stoiber hat es zugelassen, dass der Freistaat Bayern eine Bayerische Staatskirche als Prostituierte verhökert. Er hat es zugelassen, dass ein Werbeplakat mit dem Andenken der Toten in der Theatinerkirche spielt und diese Toten in der Symbolik durch Fußball und Turnschuhe ersetzt.

Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft wird zeigen, inwieweit solche Schutzgüter noch behauptet und staatlich geschützt werden. Es ist eine Grundsatzentscheidung, nicht nur für Bayern und die katholische Kirche, sondern für alle Bürger mit Staatsbewusstsein und alle Religionsgemeinschaften.

Zu guter Letzt weise ich darauf hin, dass keinesfalls ein Einverständnis mit diesen Straftaten durch die Kirchenführung als auch der Führung des Freistaats Bayern, diese Straftaten zum Erlöschen bringt. Die Schändung einer Grabstätte von Bayerischen Königen muss auch dann verfolgt werden, wenn sich z. B. die Nachfahren der Toten nicht darum scheren, welche Botschaften hier transportiert werden. Als Bürger des Freistaats Bayern und Mitglied der katholischen Kirche äußere ich mich, weil es andere nicht machen können. Strafrechtlich ist dies jedoch ohne Bedeutung. Die Grabschändung ist zu ahnden. Wird sie es nicht, sind auch jüdische Friedhöfen frei für Kreuzritter aller Art.


Dr. Stefan Engelsberger



Anlagen

19 August 2007

Theatinerkirche: Versagen der Bayerischen Staatsregierung und der katholischen Kirche



Hiermit, geschätzte Leserschaft, nehme ich die Werbeplakataktion an der Theatinerkirche zum Anlass, um einen neuen Themenkreis zu eröffnen: das Religions Lobbying. Wie wir alle wissen, gibt es wie in allen Bereichen für die Glaubensgemeinschaften neben dem Weg, zu beten, alle anderen Möglichkeiten, um diese Glaubensgemeinschaften, bzw. Religionen im gesellschaftlichen Leben zu verankern. Der Unterschied zu herkömmlichen Verkaufsaktionen wie für Fussball oder Turnschuhe, besteht darin, dass es sich um eine übergeordnete Entität dreht, nach der sich der Mensch sehnt und aufgrund seiner Sterblichkeit immer sehnen wird: der über den Dingen stehende, gerechte Gott. Diese Besonderheit führte immer dazu, dass es Menschen gab, die ohne Millionentransfers einen Bischofssitz übernahmen oder eine Pfarrei führten. Auch ließen etliche ihr Leben, starben für den Glauben. Weil dem Fussball und den Turnschuhen diese übergeordnete Entität fehlt, versuchen es Marketing-Leute vom Prenzlberg und von anderswo wie Dr. Tonio Kröger, diese im Grunde genommen einfachen Produkte religiös zu überhöhen und greifen zu Werbemitteln, die wie die Illustration auf dem Foto oben, sogar die Grenze zur Lächerlichkeit überschreiten. Ich habe das schon vor drei Jahren beschrieben.
Gefährlich wird es dann, wenn solche Überhöhungen dazu führen, dass man sie ernst nimmt. Ein Indiz dafür, dass das Plakat an der Theatinerkirche ernst genommen wird, sind Kommentare in Weblogs wie dem von Marc Scheloske. Sehen wir uns diesen Kommentar mal näher an: Also, Scheloske scheint schon zu erkennen, dass der Platz vielleicht nicht der richtige ist. Natürlich lobt er das Ganze, weil er sich es nicht mit einen globalen Weltkonzern verderben will und schön im Mainstream schwimmt. Aber bei diesem Lob erkennt man, dass er nicht begriffen hat, um was es geht. Es geht nicht um die Person des Fussballers oder dessen Religion. Es geht, und es kommen ja demnächst andere Plakate, die andere einfache Produkte bewerben, darum, dass an eine Staatskirche verkauft wird wie eine Prostitutierte und damit jegliche Ehrfucht vor dieser Staatskirche, also der Führung des Freistaats Bayern und der katholischen Kirche verloren geht. Schließlich besetzt der Fußballspieler die Religion (Kirche) und den Herrscher (König).
Einfach ausgedrückt: Wer nimmt jemanden ernst, der an seinem Gebäude Werbung für den Konkurrenten macht. Oder: Was würden Sie von Mc Donalds halten, wenn dieser an seinen Filialen Werbung für Burger King machen würde? Macht vielleicht die katholische Kirche Bandenwerbung in der Allianz-Arena?
Es wäre also genau so eine Dummheit, wenn ein katholischer Fussballspieler aus München (gibt es sowas überhaupt?) auf dem Plakat abgebildet wäre. Und wenn sich jetzt katholische Münchner darüber aufregen, dann werden sie als Hinterwäldler diffamiert.
Sehen wir uns kurz die anderen monotheistischen Religionen an: Der Islam versucht seit längerem, eine neue Moschee zu errichten, will er aus seiner Randlage an der Freisinger Landstraße heraus. Obwohl es zigtausende Anhänger dieser Glaubensrichtung in München gibt, tun sich die Verantwortlichen schwer mit diesem Ansinnen. Auch dem geplanten Ausbildungszentrum für Imane wird es nicht einfach gemacht. Die jüdische Religion hat sich da leichter getan, aufgrund der Verfolgungs-Vergangenheit. Sie musste sich jedoch auch erst mühselig eine Position erarbeiten, die nun sehr fest ist. Man erkennt es daran, dass viele Zitate von Charlotte Knobloch in den Medien gebracht werden. Auch alle staatlichen Amtsträger unterstützten den Bau des jüdischen Gemeindezentrums mitten in der Stadt und kreuzen auch zu allen möglichen Anlässen dort auf. Ich glaube nicht, dass die jüdische oder islamische Gemeinde ein ähnliches Plakat wie an der Theatinerkirche zugelassen hätten.
Für mich bleibt als Aktivist nunmehr die Möglichkeit, meinen Unmut zu äußern, was ich mit einem Elektrobrief an Kirchenrektor Pfarrer Obermaier hiermit auch tue:
Sehr geehrter Herr Pfarrer,

als ehemaliger Ministrant und Schüler des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein frage ich mich ab und zu, was ich eigentlich noch in der katholischen Kirche zu suchen habe, wenn diese offensichtlich nicht einmal Willens ist, ihre eigene Identität nach außen hin zu verteidigen.

Ich habe bereits einen Grundlagentext verfasst:

http://dorfkramer.blogspot.com/2007/08/das-fussballerplakat-der.html

Vielleicht findet sich ja noch ein oder der andere Intellektuelle in der katholischen Kirche, der die einfachsten Dinge begreift. Modern um jeden Preis heißt im Endeffekt eine Entwertung der Religion. Die wirklich spirituellen Menschen werden dabei vertrieben, es tritt eine Beliebigkeit ein. Es ist eigenartig, dass man Ihnen das sagen muss.

Ich werde in den nächsten Wochen mal nachschauen, inwiefern noch etwas bayerisches existiert, d.h. Auch das katholische Bayern. Ich habe den Eindruck, dieses Bayern existiert nicht mehr.

Derzeit bin ich von den Juden und Moslems mehr angetan, da diese ihre Identität verteidigen. Diesen Religionen sind ihre Gotteshäuser noch heilig. Vielleicht sollte ich dort mal hinschauen. Aber erst publiziere ich erst mal, um zu sehen, wie andere Menschen darüber denken.

Gerne organisiere ich Ihnen eine Sammlung für die Kirchenrenovierung, damit Sie unsere Bayerische Staatskirche nicht verkaufen müssen wie eine Prostituierte.

Grüß Gott

18 August 2007

Argentinien-Anleihen: Einzelgängertum am Beispiel des Christoph Wittig


Dieses Bild zeigt eine sogenannte Zustellungsurkunde und einen Kontoauszug der IG-Argentinien e. V. vom 5.10.2003. Die Geschichte, die hinter diesen Dokumenten steckt, sei hier geschildert, um aufzuzeigen, warum die Inhaber der Argentinien-Anleihen bisher wenig zu melden hatten. Viele Inhaber von Argentinien-Anleihen dachten nämlich, sie seien die allerstärksten und hätten Superurkunden in der Hand, würden alles alleine machen. Go west, lonely Cowboy. Einer davon war und ist Christoph Wittig, mit dem ich von Beginn an zu tun hatte.

Wittig erschien erstmals im zitierten Wiebel-Forum. Unter dem Pseudonym "Dr. Bengel" stänkerte er gegen mich und die IG-Argentinien. Ich wusste damals noch nicht, dass Wittig dahinterstand. Wittig war nicht der einzige, der gegen eine Lobbyplattform der Betrogenen stank, aber ein heftiger. Der Höhepunkt wurde erreicht, nachdem ich beim IWF-und Weltbank-Treffen 2003 in Dubai einen frischen Wind für die Anleger verspürte. Die IGA war damals fast pleite. In einem umfassenden Rechenschaftsbericht vom 15. Mai 2003 sagte ich klipp und klar, dass zum derzeitigen Stand keinerlei Aussicht auf zeitigen Erfolg bestand und schloss mit dem Projekt mental ab. Es war der Zeitpunkt des Ausstiegs, zumal auch viele Spekulanten auf einen Wahlsieg Nestor Kirchners setzten und die Kurse irrational hochtrieben. Kirchner enteignete diese Spekulanten und uns dann leider.

Anfang August 2003 bekam ich dann einen freundlichen Anruf aus Dubai. Dort gab es, wie weltweit, IGA-Mitglieder. Ein Ehepaar, das sich dort niedergelassen hatte, nachdem es nach jahrzehntelanger Schufterei die Früchte seiner Arbeit genießen wollte. Sie hatten viel zu viele Argentinien-Anleihen ins Depot gepackt, wegen der gar nicht so viel höheren Zinsen. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass viele Interessenten an der IGA nicht mitgemacht hätten, weil sie im Wiebel-Forum gelesen hätten, ich sei in unseriöser Spekulant, der am Neuen Markt sich verzockt habe und ähnliches. Ich solle jetzt aber die Flinte nicht ins Korn werfen und zur Tagung nach Dubai düsen. Das und nur das sei eine einmalige Chance. Ich kratzte also Privatkohle zusammen und flog dort hin, was auch finanzierbar war, weil mir dieses freundliche Ehepaar die ganzen zehn Tage Dubai lang eine noch freundlichere Gastfreundschaft in ihrem Haus gewährte.
Jeden Tag fuhren wir ins Tagungszentrum, um unser Anliegen unter die Leute zu bringen. Der damalige IWF-Boss Horst Köhler, jetziger Bundespräsident Horst Köhler und Moralapostel, lachte uns nur ins Gesicht und schlich sich. Den Argentiniern spuckten wir ein bisschen in die Suppe, weil wir es schafften, die Schlagzeile "Anleger lehnen Angebot ab" zu kreieren. Es hätte ohne uns geheißen "Argentinien unterbreitet gutes Angebot" oder so ähnlich. Die Argentinier haben von Beginn an gewusst, wie wichtig PR und Lobby ist im Gegensatz zu vielen Anlegern, die zum Rechtsanwalt liefen.

Ich flog also nach Hause und war sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Wir waren endlich dabei. Sogar der allzeit arrogant wirkende Gerd Häusler gewährte mir sozusagen eine Audienz, nachdem er uns über eineinhalb Jahre ignoriert hatte: "Yes, we take you serious," sagte er auf Englisch, da sich die Deutschen im Ausland immer auf Englisch unterhalten. Aber er wollte nur Infos schnorren von unseren Gesprächen mit Argentiniens Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Lavagna und seinem Steigbügelhalter-Staatssekretär Guillermo Nielsen. Als ich dann sagte, er könne sich auf unserer Internetseite erkundigen -eine Retourkutsche für mein Ansinnen, von Gerd Häusler Infos zu bekommen und dessen Abfuhr- stand er wie von der Tarantel gestochen auf und bellte mir aus seinem Büro noch nach: "Einen anderen Ton rat ich Ihnen." Preußisch-Kasernenhof. Aber immerhin: Ich wollte es wissen und weitermachen. Da die IGA pleite war, wie man auf dem Kontoauszug sehen kann, es waren 69,39 Euro Guthaben, legte ich vom Geschäftskonto einen Riesen ein und machte einen Spendenaufruf.

Es kamen dann auch Spenden. Schließlich gab es auch eine Vielzahl von intelligenten Anlegern, die kapiert hatten, dass Grassroot-Lobbying hier der einzige Weg war, kostengünstig Interessen zu artikulieren. Aber es gab auch Christoph Wittig. Als dieser im Wiebel-Forum unter seinem Pseudonym Dr. Bengel kund tat, er habe uns schon einen Cent überwiesen, glaubte ich das erst nicht. Erst der Kontoauszug auf dem Foto oben wies dann diesen Betrag aus, dessen Verbuchung mehr kostete als er an Geldwert einbrachte. Warum Wittig dies tat, weiß ich bis heute nicht. Wollte er, dass ich über ihn schreibe. Nun gut, hiermit tue ich es und entspreche seinem Willen. Die Aktion erschien mir etwas gestört und ich dachte darüber nicht weiter nach. Was mich auch dazu veranlasste, Christoph Wittig bei einer Tagung der Initiative erlassjahr.de im Frühjahr 2004 ganz normal zu begrüßen und ihm alles Gute zu wünschen.

Ich hätte die Sache schon vergessen, als just dieser Christoph Wittig wieder auftauchte und zwar mit einem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Anfang 2006 rief mich plötzlich der Ober-Gerichtsvollzieher vom Amtsgericht Traunstein an und kreuzte auch bei mir persönlich auf. Da ich mitten im Dorf beim Dorfkramer mein Büro hatte, ist es nicht besonders schön, wenn der dorfbekannte Ober-Gerichtsvollzieher aufkreuzt und als ich las, dass Christoph Wittig dahinter stand, wurde mir klar, dass der Mann entweder ein gestörter Einzelgänger oder ein besonders bösartiger Mensch sein müsste. Anders konnte ich sein Verhalten nicht erklären. Er hatte für den Pfändungs- und Überweisungsbeschluss sogar 31,60 Euro ausgegeben und ich musste mich jetzt hinsetzen, um klar zu machen, dass ich der Argentinischen Republik kein Geld schulden würde. Warum auch? Argentinien schuldet mir ja Geld. Was stand dahinter? Nun, Wittig war seiner Meinung nach offensichtlich superschlau. Ich erfuhr durch ihn selbst und andere über das Wiebel-Forum, dass er gegen viele Inhaber von Argentinien-Anleihen solche Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse ausfertigen ließ. Er meinte, dass diese bei Klagen gegen Argentinien unterliegen könnten. Damit müssten sie Argentinien die Gerichtskosten erstatten und seien sogenannte Drittschuldner, die dann die Kohle an Christoph Wittig hätten abdrücken müssen. Wittig wusste jedoch, dass nur noch eine Klage beim Amtsgericht Frankfurt anhängig war. Es handelt sich um einen Zinsschein von 850 DM. Auch wenn ich diesen Prozess verloren hätte, hätte Wittig nicht viel mehr als seine Gerichtskosten zurückerhalten. Er hatte also andere Absichten, als zu Geld zu kommen. In seinem Antrag auf Pfändung- und Überweisung schreibt er nämlich: "Der Gläubiger erhielt nach Gesprächen mit Verfahrensbeteiligten die Kenntnis, dass streitgegenständliche Papiere sowohl in New-York und Frankfurt gleichzeitig rechtsanhängig gemacht wurden. Ferner hat der Schuldner nach früheren Berichten im Internet vor der Übernahme seiner "Campaigningaktionen" der IG Argentinien verbunden mit einem Besuch zu Tee mit dem Finanzstaatssekretär Nielsen in Buenos Aires eine Rücknahme des Verfahrens angeboten."

Wittigs Annahmen hatten sich als haltlos erwiesen, weshalb ich mir sicher bin, dass Christoph Wittig mit diesen komischen, anlegerschädlichen und feindseligen Aktionen nur erreichen wollte, dass ich über ihn schreibe. Schließlich wusste er von unserer unabhängigen Plattform der Interessengemeinschaft Argentinien e. V. auf der über seine Aktionen ja bereits hingewiesen wurde. Also ich glaube, Wittig will bekannt werden, sonst hätte er auch nicht seine Dr. Bengel Postings im Wiebel-Forum abgegeben und damit den öffentlichen Raum betreten. Es musste ihm doch klar sein, dass ein Pseudonym, das jeder kennt, irgendwann mal zum richtigen Namen führt. Ich nehme mir seinen offensichtlichen Willen also zu Herzen und schreibe hier die Tatsachen auf.

Ergebnis: Christoph Wittig ist kein Einzelfall. Auch andere Anleger versuchten den Alleingang. Einer warf einen sechsstelligen Betrag für Rechtsanwaltshonorare raus und scheiterte letztendlich. Ein anderer, Rechtsanwalt, vertrieb dann selbst solche Prozesse und kassierte Rechtsanwaltshonorare in sechsstelliger Höhe. Wieder ein anderer wollte ein halbes Dutzend Musterprozesse einleiten und tat dies teilweise auch. Ich habe aber nicht erfahren, ob er damit die Rechtsordnung geändert hat.

Ich möchte damit sagen, dass jede Einzelaktion weiterhilft. Jedoch nur, wenn sie sich in eine Gesamtheit einfügt. Nur und nur dann kann eine Einzelaktion Macht entfalten. Eine sogenannte einzelnbleibende Einzelaktion bleibt das was ihr Name sagt: einsam.

Christoph Wittig sollte darüber mal nachdenken...es ist nie zu spät....

17 August 2007

Argentinien-Anleihen und das Rechtsanwalt Geschäft


In diesem Haus mit der ansprechenden Fassade befinden sich die Räumlichkeiten der Kanzlei CLLB Rechtsanwälte. CLLB sind die Rechtsanwälte István Cocron, Steffen Liebl, Dr. Henning Leitz und Franz Braun. Gegründet wurde diese Kanzlei von den Rechtsanwälten Braun und Leitz, die vorher bei der Geldanlegerkanzlei Rotter Rechtsanwälte beschäftigt waren. Ich begrüße es grundsätzlich, wenn solche Kanzleien im Viertel die hohen Mieten zahlen, da damit die Hauseigentümer Geld haben, um die Häuser in Stand zu halten und ab und zu die Fassaden zu renovieren. Wenn sie die Mieteinnahmen nicht anderweitig verwenden. Und natürlich weiß ich, dass diese horrenden Mieten für Geschäftsräume an diesem Standort wieder hereinkommen müssen. Die Rechtsanwälte stehen unter Druck. Sie müssen ja auch noch die Rechtsanwaltsgehilfinnen bezahlen, die ihre Termine verwalten.

Warum schreibe ich also heute über diese Kanzlei und andere Kanzleien? Nun, diese Kanzlei taucht heute in einer Pressemitteilung auf. Ich bin darauf über das sogenannte Wiebel-Forum gestoßen. Das Wiebel-Forum war eine Plattform von Leuten, die sich für die Argentinien-Anleihen interessieren und hatte sich in den letzten fünf Jahren etabliert, ehe es durch Druck, auch eines Rechtsanwalts dicht gemacht worden war. Man erhielt da Infos, die verschiedene Leute rein geben. Heute also eine Mitteilung des Vereins „Bund für soziales und ziviles Rechtsbewusstsein.“ in der mich eine Aussage des CLLB Rechtsanwalts Franz Braun stutzig machte.

„Die BSZ® e.V.-Vertrauensanwälte, die schon seit mehreren Jahren mit Argentinien-Anleihen beschäftigt sind, haben bereits vor Jahren große Kreativität bei der Vollstreckung bewiesen: So ließ BSZ® e.V.-Vertrauensanwalt Franz Braun vor einigen Jahren ein argentinisches Schulschiff vom Gerichtsvollzieher an die Kette legen. Dass dieses argentinische Schulschiff, ohne dass Wertgegenstände vom Gerichtsvollzieher entfernt wurden, wieder von der Kette gelöst wurde und davon ziehen konnte, lag nur daran, dass der zuständige Amtsrichter den Pfändungsbeschluss aufhob, weil er der Meinung war, dass Argentinien sich auf den Staatsnotstand berufen könne. Dies wird in Zukunft nach den Urteilen des BVerf und des OLG nicht mehr möglich sein. Argentinische Schiffe dürften also auch in Zukunft in deutschen Häfen herzlich willkommen geheißen werden.“

Ich erinnere mich an diesen Fall. Ein Mitglied unseres Vereins Interessengemeinschaft Argentinien, ein „German Dentist“ scheute sich nicht, vier oder fünf Riesen hinzulegen, um zu erreichen, das argentinische Segelschulschiff Libertad im Hafen von Bremerhaven in Arrest zu nehmen. Er tat es, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass ihn, im Falle des Erfolgs, jeder Tag tausende von Euro kosten würde in Sachen Hafengebühr. Auch der Hinweis, dass er eine Mannschaft anheuern müsste, um das Schiff nicht verrotten zu lassen, hielt ihn nicht von dem Vorhaben ab, eben just diesen Rechtsanwalt Franz Braun von der Kanzlei Rotter Rechtsanwälte zu beauftragen. Braun mit Briefkopf Rotter Rechtsanwälte beantragte beim Amtsgericht Bremerhaven mit Schreiben vom 15. August 2002 einen dinglichen Arrest. Noch mehr: Er gab die Geschichte an die Presse und verriet sein Ansinnen, was in Vollstreckungssachen eigentlich nur die Dümmsten machen, weil man damit andere Gläubiger auf den Plan ruft. Es war klar, das die Kanzlei Rotter Rechtsanwälte damit PR in eigener Sache machen wollte. Es kam dabei tatsächlich ein längerer Artikel in der Zeit heraus (Unter Geiern, 48 2002), dem man allerdings klar entnehmen kann, dass das Arrestgesuch nicht aus Gründen des Staatsnotstands abgelehnt wurde. Braun lügt also in der heutigen Pressemitteilung. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Staatsnotstand nimmt er als Aufhänger mit aktuellem Bezug, um Anleger in die Rechtsanwalts-Falle zu locken. Tatsächlich wird es erst interessant, wenn es einem Vollstrecker gelingt, eine größere Summe von Zinsen zu pfänden, die Argentinien auf bestimmte Anleihen zahlt. Die Tatsache, dass dies noch niemandem gelungen ist, hat zur Folge, dass intelligente Anleger erst einmal mit Klagen warten, da sie, wenn es gelingt, Zinsen zu pfänden, nur warten müssen, bis Argentinien neu verhandelt und zwar unter größerem Druck. Es haben ja schon etliche Titel erstritten und sind darüber hinaus ohnehin schneller.

Diese PR-Masche von Rechtsanwalt Franz Braun, der nun nicht mehr bei Rotter Rechtsanwälte arbeitet, nehme ich zum Anlass, um einmal über meine Erfahrungen mit Rechtsanwälten zu berichten. Ich beschränke mich da mal auf den Komplex Argentinien-Anleihen, da ich allein damit ein Buch füllen könnte. Zurück zum Januar 2002. Ich hatte nach der Erklärung der Zahlungseinstellung Argentiniens die Hosen gestrichen voll, da ich viel zu viel von den Anleihen aufgeladen hatte, weil ich mich auf die Aussagen von IWF Boss Horst Köhler verließ, der die Märkte mit einem 8 Milliarden Kredit beruhigen wollte. Da las ich im Wirtshaus einen Artikel im Handelsblatt, in der ein Rechtsanwalt Franz Braun zitiert wurde, der was von Klagen erzählte. Nur in einem kleinen Satz. Das genügte mir aber, zu überlegen, ob man mit dem Rechtsanwalt Franz Braun nicht eine Interessengemeinschaft aufziehen könnte, um gegen Argentinien Lobbying zu machen. Ich rief da also mal an und Braun reagierte sehr positiv. Da ich wusste, dass deutsche Anleger den Rechtsanwälten hunderttausende von Euro reinschieben, aber nichts von professionellem Lobbying wissen, musste ich neben Braun noch einen Anwalt mit Argentinienbezug anbieten und stieß da auf Ernesto Garcon Villada, der in einer Kanzlei eines Mitabiturienten unseres Papst-Gymnasiums arbeitet. Das war die Zündung. Ich konnte an die Öffentlichkeit gehen und zwar mit Rechtsanwälten, die man in Deutschland immer vorzeigen muss, da die Leute dann blind vertrauen.

Es lief auch alles gut, die Anleger interessierten sich. Ich baute das Ganze auf und die Kanzlei Rotter Rechtsanwälte, die über eine PR Firma verfügte, übernahm das Gros der Pressearbeit, also das Klinkenputzen bei Redaktionen und so weiter. Bereits bei der Ausformulierung der ersten Pressemitteilung wurde ich stutzig, als ich las, dass ein Rechtsanwalt Rotter zusammen mit einer IG-Argentinien eine Klagegemeinschaft anstrebe. Ich sagte klipp und klar, dass ich der Gründer sei und die Kanzlei Rotter Rechtsanwälte ohne mich arbeiten müsste, wenn sie mich nicht erwähnte. Ich würde nicht als Vereinnahmungsdepp fungieren, der ihm die Mandanten zutriebe. Alles natürlich höflich und korrekt wie in feinen Anwaltskreisen üblich. Die Presse berichtete dann auch über die Initiative. Von einem Fernsehauftritt bei N24 riet mir die PR-Firma ab. Ich hätte keine Erfahrung, es solle Franz Braun machen.

Mir kochte mittlerweile das A*nleger*wasser wie man so schön sagt, da die Argentinier keine Anstalten machten, überhaupt das Problem anzugehen. Die Anleihenkurse verfielen und ich, wie die meisten unserer Mitglieder an der Interessengemeinschaft Argentinien hielten sich mit Parolen über Wasser, sprachen sich Mut zu und krakeelten gegen die argentinischen Betrüger, die erst in der Krise steckten, aber dann wirklich zu Betrügern wurden. Es war der Stresstest für einen Anleger, das Härteste, was man sich vorstellen kann. Mir war in diesem Stadium nicht der Sinn danach, Geld für eine Klage raus zu schmeißen, da klar war, dass es nichts zu holen gab. Dann rief auf einmal Rechtsanwalt Klaus Rotter höchstpersönlich an und erzählte mir was von, er müsse endlich einen Return bekommen, die PR-Agentur würde kosten und ich sagte, ok. schicken Sie mir halt mal ein Angebot. Das Angebot kam dann am 21.02.2002 und setzte Stundenzahlen fest von unter anderem 20 Stunden für die Klageschrift und 40 Stunden für die mündliche Verhandlung mit zwei Rechtsanwälten. Ich lehnte dieses Angebot als nicht zumutbar für unsere Mitglieder ab. Beim besten Willen, aber zu Ausfertigen einer Klageschrift für eine ordinäre Zahlungsklage, brauche man vielleicht ein, zwei Stunden. Das einzige sinnvolle in diesem Stadium wäre ein Rechtsgutachten, eine Legal Opinion, die ich mir immer von Rechtsanwälten machen lasse, bevor ich in ein risikobehaftetes Klageverfahren gehen. Ich konnte schon aufgrund der Vereinssatzung keine Verantwortung für Klagen von Anlegern übernehmen.

Ich sammelte also einen fünfstelligen Betrag für ein Rechtsgutachten, was ich in Ordnung fand, da die Leute etwas vom Rechtsanwalt haben wollten. Auch sah ich natürlich ein, dass ohne Rotter und die PR-Agentur es so schnell nicht gegangen wäre, etwas aufzuziehen und ich verhandelte deshalb nicht über den Preis, sondern sammelte bei den IGA-Mitgliedern, die den Betrag zusammenkratzten. Dann flog ich mit Rotter und Braun nach New York und Washington, wo ich dann mit dem Korrespondenzanwalt Ralph Stone zusammengebracht wurde, da Rotter eine Class Action in New York machen wollte. Im Rechtsgutachten ging er darauf nochmal ein und versuchte mich auch als Lead Plaintiff, also als führenden Musterkläger für Anleihen nach deutschem Recht zu gewinnen. Das Angebot lautete auf eine Vielzahl von Anleihen und sah ein Pauschalhonorar von 10 % bis zu einem Jahreszins von 3.000 €, runtergestaffelt auf 2 % bei einem Jahreszins von über 800.0001 €. Ich empfand dies als ziemliche Abzocke und erwirkte, dass die Honorarsätze gesenkt wurden. Jedoch kam es dann zum Bruch mit Rotter, da dieser Journalisten in einer Telefonkonferenz von der Class Action berichtet, obwohl vereinbart war, erst mal die IGA-Mitglieder darüber zu unterrichten. Der Interessenkonflikt zwischen Rotter, der inzwischen Vizepräsident der IGA war und den Anlegern, wurde offensichtlich und ich hatte keine Lust unterstellt zu bekommen, von Rotter vielleicht noch Provisionen oder Schwarzgeld zu erhalten, weil ich ihm Mandanten zutriebe. Ich wies Rotter auf diesen Konflikt hin und er legte sein Amt nieder. Die Class Action für Anleihen nach deutschem Recht ging natürlich in die Hose. Ich trat von der Stellung als Lead Plaintiff zurück, obwohl die Tickets nach New York schon ausgestellt waren. Ich wollte auch meine Stellung als möglicher Verhandlungspartner von Argentinien durch eine Klage nicht gefährden.

Diese Erfahrungen verhalfen mir zu einer Einsicht in das Geschäftsgebaren von Rechtsanwälten, die ich bis dahin nicht hatte. Die Verbindung zwischen PR und Rechtsberatung war mir damals überhaupt nicht klar, ich hatte dafür keinerlei Bewusstsein. Umso kritischer wurde ich dann, als ein weiterer Rechtsanwalt in der Öffentlichkeit auftauchte: Rechtsanwalt Prof. Dr. Burghard Piltz. Ich war bis zum Sommer 2002 daran gewöhnt, dass immer wieder Rechtsanwälte anriefen, um Informationen zu schnorren. Die konnten schlichtweg auf die Schnelle ihre Mandanten nicht beraten und wandten sich an mich. Die Rechtsanwälte wimmelte ich allesamt ab. Piltz sah ich jedoch im Fernsehen auf N-TV. Im Archiv finde ich leider nichts mehr. Auch das Wiebel-Forum hat kein Archiv mehr. Aber ich erinnere mich genau, dass dieser Honorarprofessor Piltz in N-TV auf die Möglichkeit einer Klage in Argentinien hinwies und wie aussichtsreich das sei, er würde da Klagen übernehmen. Piltz organisierte dann auch mal ein Forum in Frankfurt und lud mich ein. Er wollte aber noch Kohle als Eintritt haben und ich dachte mir, ich mache doch Dir Rechtsanwalt nicht den Deppen und wende mich an einen deutschen Anwalt wegen Klagen in Argentinien, wenn ich einen Gerichtsstand Frankfurt habe und nicht mal dort Rechtssicherheit. Ich erfuhr, dass Piltz mit einer Argentinierin verheiratet sei und die Hälfte des Jahres in Buenos Aires verbringen würde, prüfte dies jedoch nicht, da es für jeden verständigen Anleger auf der Hand lag, dass Prof. Piltz hier PR betrieb und zwar für einen Klageweg, dessen Erfolgsaussichten allenfalls ein argentinischer Rechtsanwalt einschätzen hätte können. Und es gab diese argentinischen Rechtsanwälte, die mich quasi auslachten, als ich einmal wegen dieser Möglichkeit nachfragte.

Ich schrieb also unseren Vereinsmitgliedern eine E-Mail und warnte darin vor Rechtsanwalt Piltz mit den Worten: „Klagen in Argentinien: Auch hier macht ein Anwalt auf sich aufmerksam: Prof. Piltz. Nach Auskunft unseres argentinischen Partnerverbands und einem selbst geschädigten argentinischen Anwalt ist es jedoch besser, erst in Deutschland einen Titel zu erwirken und damit nach Argentinien. Jedoch ist eine Vollstreckung in Argentinien bisher nicht möglich. Also auch hier ein unseriöses Angebot eines Rechtsanwalts. Vorsicht!“ Nun, diese E-Mail steckte ein Vereinsmitglied dem Rechtsanwalt Piltz und dann bekam ich eine Abmahnung auf Unterlassung meiner Aussage. Ich wies diese natürlich zurück und berief mich auf das Grundrecht auf Meinungsfreiheit. Dann kam die Aufforderung des Landgerichts Bielefeld. Dieses hatte eine Klage von Rechtsanwalt Piltz am 16.12.2003 erhalten. Schon mit Schreiben vom 17.12.2003 bekam ich eine Frist zur Einreichung einer schriftlichen Klageerwiderung zum 9. Januar 2004 gesetzt. Die zum 20. Januar angesetzte mündliche Verhandlung wurde um eine Woche verlegt, als ich zum Ausdruck brachte, dass aufgrund der Weihnachtsfeiertage keinen Rechtsanwalt finden würde, der mich verträte. Den Hinweis auf den Weihnachtsfrieden ersparte ich mir. Der Weihnachtsfriede bedeutet in Bayern, dass man so ein zwei Wochen vor und nach Weihnachten keine miesen Schreiben rausschickt und auch keine Steuerbescheide und Zahlungsaufforderungen.

Für mich ging es dann ans Eingemachte. Ich musste mich erst mal über die Rechtsprechung informieren und erinnerte mich an das Institut für Urheber- und Medienrecht in München. Dort gibt es die ganzen Medienrechts-Zeitschriften und ich fand heraus, dass es ein Urteil zum Wort „unseriös“ gab, das jedoch aufzeigte, dass ich meine Grenzen nicht überschritten hatte. Ich erarbeitete in Stunden einen Gegenentwurf zur Klageschrift und ging damit bei Anwälten hausieren. Einer lehnte ab, weil er mit Piltz geschäftlichen Kontakt pflegte. Ein anderer hatte keine Zeit. Und einer sagte mir unverblümt, er würde nur Fälle übernehmen, die ihm mit einem hohen Streitwert entsprechende Honorare bescherte. Es erbarmte sich dann tatsächlich eine Rechtsanwältin, deren Bruder in Bielefeld zugelassen war. Die mündliche Verhandlung begann dann damit, dass der Richter sofort sagte, er sei für Piltz, ich dann noch ein paar Statements los ließ, der Piltz Anwalt mich übelst anmachte. Als ich dann auf dem Gerichtsflur etwas von 50 zu 50 Chance in der nächsten Instanz hörte, entschloss ich mich, das Klagebegehren anzuerkennen. Piltz fuhr mich dann beim Rausgehen noch an mit den Worten: „Sie sind ja nicht einmal zu unserer Veranstaltung gekommen.“ Bei der Erwähnung des Weihnachtsfriedens zog der Richter eine Grimasse uns zischte: "Was is dass denn?"

Ich habe bisher nicht erfahren, ob Rechtsanwalt Prof. Dr. Burghard Piltz mit einer Klage in Buenos Aires Erfolg hatte in dem Sinne als irgendjemand Geld gesehen hätte, bzw. gegenüber einer Klage in Frankfurt Vorteile gehabt hätte.

Als Ergebnis dieser Ausführungen halte ich fest:

Man muss sich im klaren darüber sein, dass Rechtsanwälte viel Geld verdienen müssen, weil sie oft einen sogenannten repräsentativen Lebensstil führen. Die Frage stellt sich nun, wie sie es verdienen. Durch das Vorschieben einer Interessengemeinschaft zum Beispiel. Einer sogenannten Anlegerschutzgemeinschaft. Wenn ich mir allein den Namen des Bundes für ziviles und soziales Rechtsbewusstsein ansehe. Das auch noch eine Marke ist. Es wird doch klar, dass das eine reine Marketingplattform ist, die suggeriert, es würde sich dahinter eine althergebrachte als seriös aufzufassende Rechtsberatung verbergen, die öffentliche Aufgaben übernehmen würde. Zum Wohle der Menschheit. Mir kann es ja egal sein, ich bin kein Verbraucherschutzverband. Nur finde ich, sollte man im Netz nachvollziebar zum besten geben, wie Rechtsanwälte vorgehen, wie sie bereits in PR-Mitteilungen manipulieren, um Mandanten zu werben. Warum Rechtsanwalt Franz Braun das nötig hat, weiß ich nicht. Vielleicht sollte er mal seine PR überdenken. Ich weiß nur eins: Das Rechtsanwaltsmonopol scheint nicht mehr zu reichen, um den Finanzbedarf dieses Berufsstands zu decken. Viele einigen sich ja schon außergerichtlich. Andere vermeiden Klagen, weil sie einfach vorher viel Zeit damit verbringen, den Gesetzeswust zu lesen und danach zu handeln. Ich werde nach wie vor für meine Argentinien-Anleihen keine Klage anstrengen, da das Problem politisch gelöst werden wird. Warum soll ich klagen, wenn mein Schuldner Geld braucht, seine Anleihen von Tag zu Tag weniger wert werden? Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Argentinien kommen muss. Und die überwiegende Mehrheit der Kläger wird nicht mehr Geld sehen als die Verhandler. Natürlich macht es mir nichts aus, wenn Anleger Rechtsanwälte beauftragen, da damit natürlich auch Musterprozesse geführt werden und Argentinien Arbeit machen. Aber das ist nun wieder eine andere Baustelle. Und Bauherr dieser Baustelle, will ich nicht sein.

16 August 2007

Das Fussballerplakat an der Theatinerkirche: Anschlag auf die Menschenwürde


Gestern war´s also in der Abendzeitung, das Plakat von einem Fußballspieler des FC Bayern an der Theatinerkirche. Ich hatte das Thema schon vergessen, als ich dann zufällig vorbeikam und da ich immer vom Hofgartentor in Richtung Odeonsplatz gehe, konnte ich es auch wahrnehmen, wie die anderen wenigen Leute, die vom Hofgartentor in Richtung Odeonsplatz gehen, .
Natürlich bekam ich eine Wut im Bauch. Das Plakat an diesem Ort ist eine Verletzung meiner Identitätsgefühle. Ein Fussballer an der Bayerischen Kirche, die die zwei von Geburt an im Bayern verankerte Stammesbindungen vereint: Staat und Kirche. Mehr: Der Wunsch nach einem Herrscher, der alle Interessen berücksichtigt und allen ein gemütliches friedliches Leben ermöglicht und der Wunsch nach einer höheren, beschützenden Instanz: Gott mit Dir Du Land der Bayern.
In der Theatinerkirche zeigte mir mein Vater erstmals die Stukkaturen. Ich war überwältigt. So etwas hatten wir in der Dorfkirche nicht. Es handelte sich um Ästethik, nicht um das Plakat. In diesem Jahr beschäftigte ich mich wieder mit der Kirche. Der Fürstengruft der Wittelsbacher. Deren Stars Max Emanuel, König Max Joseph I. und Prinzregent Luitpold. Und den letzten weisen Herrscher, der es formell nicht mehr dazu brachte, aber es drauf hatte, wenn man den Zeitgenossen so zuhört: Kronprinz Rupprecht. Dann sah ich mir die Chorschranke an, die wieder im Original aufgestellt werden soll. Mit den zwei zusammengebombten Evangelisten Lukas und Matthäus.
Die Theatinerkirche ist unsere bayerische Staatskirche. Gegenüber in der Residenzstraße befindet sich die Patronae Bavariae mit dem ewigen Licht. Nirgendwo ist die Verbindung zwischen Staat und Kirche so zu sehen und zu spüren. Das ewige Licht brannte auch während der Nazizeit gegenüber der aufgestellten SS-Wachposten, die den Naziadler zum Andenken an den Hitlerputsch 1923 einrahmten. Die Fassade der Theatinerkirche ist jetzt von einem Werbeplakat mit einem Fussballer eingefasst.
Es ist ein Anschlag auf die Identität und auf die Würde von Menschen. Ein Fussballspieler als Ersatz für die Fassade der Theatinerkirche, als Ersatz für Gott. Ein Fussballspieler als König. Anfänglich spielte ich noch mit dem Gedanken, das Plakat mit einem Kreuz zu übersprühen. Dachte daran, was das für Konsequenzen haben würde. Die bayerische Justiz, die die Großen schützt, also die großen Unternehmen, die CSU und die große bayerische Justiz. Ich dachte daran, dass die Kirche gar nicht mehr so groß sei und dass man niemals seit Hitler eine solche Chance mehr gehabt hätte als Märtyrer zu sterben, indem man beim Übermalen des Plakats mit einem Kreuz von Polizisten des Freistaats Bayern oder einem Anti-Terroristen-Kommando vom Schäuble vorsorglich über den Haufen geballert würde.
Ich rief schon mal meinen Spez´l an, der Malerartikel vertreibt und fragte nach, ob es Sprühpistolen mit starkem Druck gäbe, aber leider musste man da einen Kompressor aufstellen.
Dann überlegte ich, ob ich mir mal das Reichskonkordat reinziehen sollte. Wer wäre denn zuständig für die Kirche. Wäre das Sachbeschädigung? Dann würde es teuer und die bayerische Justiz kennt da kein Pardon, wenn sich einer mit den Großen anlegt.
Aber dann überlegte ich. Die Wut im Bauch verzog sich. Es war klar. Irgendeine Werbeagentur wollte provozieren und hoffte dann auf Menschen, die auf Verletzungen reagieren und sich wehren. Also: Irgendwelche Werbefuzzies im Prenzlberg, Ottensen oder sonst wo hocken zusammen und dann kommt einer drauf. Ja, da gibt es doch die doofen Bayern, die haben doch noch den Papst und den König Ludwig, vielleicht beschwert sich ja der König Ludwig Club, dann sind wir bekannt. Ähnlich wie bei den Mohamed Karikaturen, auf die viele Moslems wütend reagierten. Die wurden dann als dumme Eiferer hingestellt, die von gestern wären. Das ganze Gebläse von Menschen, die einfach nicht verstehen, dass es so etwas wie religiöse Gefühle gibt und kulturelle Bedürfnisse, die über den wöchentlichen Besuch eines Fußballspiels hinaus gehen.
Und ich dachte mir, man sollte es solchen Werbe-Fuzzies nicht so einfach machen. Und forschte mal nach. Ein paar Medien brachten die Nachricht und eine verwies auf die Urheber-Werbeagentur, die DDP Group Germany mit vielen Anglizismen, ein Mischmasch, gemacht von Deutschen ohne Kulturverständnis, wir kenne das aus den neunziger Jahren, da hat das begonnen. Mich hat es dann nicht überrascht, dass der Boss des Ladens Dr. Tonio Kröger ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing gemacht hat und sonst nichts. Was erklärt, dass er den Platz vor dem Plakat gar nicht analysiert hat. Aus werbetechnischer Sicht, nicht aus kultureller. Der Besucherstrom des Platzes geht nämlich direkt unter dem Plakat vorbei, von der Theatinerstraße zur Kreuzung. Dieser Besucherstrom bemerkt das Plakat nicht, er müsste sich die Hälse verrenken.
Und die anderen? Die Touristengruppen verstehen die Konnotation nicht. Wissen nichts mit König Ludwig anzufangen. Und auch nichts mit dem Fussballspieler. Weil Fußball den Amis und Japanern nicht so viel bedeutet. Und die Einheimischen? Auch hier Fehlanzeige. Hätten Zeitungen wie die Abendzeitung nichts gebracht, dann wäre den Einheimischen, die dort verkehren, nicht aufgefallen, dass es sich um einen Fußballer handelt. Weil die Einheimischen, die dort verweilen, sich eher weniger für das Fussballspiel am Samstag interessieren als für den Golf-Parcours, die Bergtour oder den Segelnachmittag.
Der Dr. Tonio Kröger muss also ziemlich dumm sein, wenn es um die Medienwirksamkeit geht. Besonders schlau ist er aber im Selbstverkauf. Der getäuschte Auftraggeber Nike hat nämlich nicht bemerkt, dass er viel zu viel Geld für einen schlechten Platz rausgeworfen hat. Er hätte das Plakat lieber in Landshut aufgehängt oder Ingolstadt, wo die ganzen Fussballanhänger leben, die jede Woche in den Norden der Stadt zum Fussballspiel fahren. Dort leben auch noch genügend Menschen, die solche Angriffe auf ihre Identität verstehen und als Verletzung empfinden. In München gibt es davon eher wenige. Die Kulturelite dort versteht sich auch eher aufs Bildersammeln und Bilder-Hin-Und-Her-Verschachern. Weniger auf dem Gebiet des Erhaltens und Schaffens eigener Werte und Überzeugungen. Gäbe es in München eine Kulturelite, hätte schon mal jemand beim Erbischöflichen Ordinariat angerufen und auf andere Möglichkeiten des Fund Raising hingewiesen. Oder das Staatliche Bauamt 1 darauf hingewiesen, dass das eventuell nicht so ganz passt dort. Man hätte dann wahrscheinlich erwidert: "Seid doch froh, dass wir so dumme Werbeagenturen gefunden haben, die dort hingehen, wo keiner hinschaut. Sonst müssten wir ja die Feldherrnhalle anbieten."
Es hätte sich aber vielleicht doch jemand gefunden, der noch weiß, was das ist, Staat Kirche, Königstreue, unser Land. Die einfachen Dinge. Nicht das Faktenwissen, das uns unser SZ-Redakteur Bernd Graff unterbreitet, der nichts verstanden hat. Sondern die wesentlichen.
Ich werde mal anrufen....