11 Dezember 2006

Haftung des vorläufigen Insolvenzverwalters/Freistaats Bayern

Heute wieder ein regelrechter Medienauswurf über die Äußerungen einer „Sprecherin“ des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Prager. Ein Investor sei nicht in Sicht. Nur einer habe die „Bücher“ angesehen. BenQ Mobile sei wahrscheinlich nicht mehr zu retten. Das Insolvenzverfahren müsse so gezwungenermaßen am 1. Januar 2007 eröffnet werden. Dies die Essenz des Medienauswurfs, der verschieden dargestellt wurde, z. B. auch mit der Äußerung, es gäbe eine Handvoll von Interessenten“.

Tatsache ist, dass auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ein Investor gefunden werden kann. Es kann auch eine Unternehmensfortführung beschlossen werden, was für die Gläubiger eine Art „Debt for Equity-Swap“ wäre. Tatsache ist also, dass seit nunmehr einigen Monaten Vermögen verbrannt wird, das eigentlich den Gläubigern zusteht. Das Ausmaß wird spätestens beim Berichtstermin den Gläubigern bekannt werden.

Was die Transfergesellschaft betrifft: Sogenannte „Abfindungsgläubiger“ müssen bis 1. Januar eine Wette eingehen. Lieber den Spatz (Transfergesellschaft) in der Hand als die Taube (Insolvenzmasse) auf dem Dach, könnte es heißen. Aufgrund der Tatsache, dass das Insolvenzgericht sich weigert, Zahlen zu nennen, die eine Erfolgsaussicht des Insolvenzverfahrens kalkulieren, bzw. schätzen ließe, tappen diese Gläubiger im Dunkeln. Je mehr sich für die Transfergesellschaft entscheiden, um so mehr für die restlichen Gläubiger. Da keiner weiß, wie der andere handelt, ist dies ein klassischer Fall der „Spieltheorie (Gefangenendilemma)“.

Da sich aufgrund dieser Konstellation und dem Druck, sich bis 1. Januar entscheiden zu müssen, die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung zu 50 % ergibt, stellt sich die Frage, ob nicht der Freistaat Bayern, bzw. der vorläufige Insolvenzverwalter bei einer Fehlentscheidung aufgrund der Verweigerung des Informationsrechts der potenziellen Insolvenzgläubiger, haften. Aufgrund des hier dokumentierten Verhaltens, kann man jedenfalls von Vorsätzlichkeit ausgehen.