12 Oktober 2006

BenQ Activist Art Performance München

FOTOS AUF http://www.flickr.com/photos/38578782@N00/

VIDEO AUF http://www.youtube.com/watch?v=NnDZ51kGKOs


















Activist Art Performance: Am Mittwoch, den 11. Oktober 2006 war es wieder soweit. Dorfkramer sass mit einer Maske von BenQ-Superboss Lee aus Taiwan zwischen 9.00 und 16.30 am Münchner Marienplatz und trug an diesem herrlichen Herbsttag zum Stadtbild bei.

Lee sass auf einem Toilettensitz und las das Buch "Der Große Lee - Unternehmen vernichten : glücklich sein - 1000 Tipps & Tricks zur persönlichen Freiheit." "Sponsored by BenQ, global experts in swindle." Ein zweites Buch stand mit einem englischen Titel daneben mit den Fahnen der Volksrepublik China und Taiwan (Republik China). Um die Toilette lagen noch Klopapierrollen aus Dollar- und Euro-Noten. Die Hintergrundgeschichte konnte auf einem Schild, das angelehnt war, nachgelesen werden.

Den größten Anklang fand die Performance erst einmal bei drei Schulklassen der 2. Jahrgangsstufen, die das Klo umlagerten, um Dollar-Scheine von der Klorolle zu bekommen. Die Verteilung des Geldes nahm zehn Minuten in Anspruch. Dann entwickelte sich das Ganze wie jeder Stand am Marienplatz. Es gibt Leerläufe und plötzlich finden sich Menschen zusammen, um eine Ansammlung zu bilden.

Minimalziel war, die Performance zu machen und zu dokumentieren. Dieses Ziel wurde übertroffen. Es konnten nämlich viele Einzelgespräche geführt werden mit Menschen, die das Thema verstanden haben und die selbst betroffen waren, z. B. durch frühere inszenierte Pleiten von ausländischen Unternehmen. Auch Verschwörungstheorien machten die Runde und man mochte selber daran glauben, als man z. B. die Story eines Manns hörte, der akribisch Beweismaterial über einen vielgelobten Insolvenzverwalter gesammelt hatte, jedoch bei der Münchner Presse abblitzte. Er hat bereits abgeschlossen und fährt mit dem Rad nach Santjago de Compostela. Man dachte an die vielen Einzelschicksale, die jede Insolvenz nach sich zieht.

Die interessanteste Sequenz gab es dann Nachmittags. Ein Taiwanese Mitte 20 mit seiner Begleiterin, der deutsch sprach, begann eine Diskussion. Ihn störte, dass die Flaggen von Rotchina und Taiwan zusammen auf dem Buchdeckel waren, was beabsichtigt war. Und er sagte, er verstünde das nicht. Siemens wäre doch schuld, die hätten es ja gewusst. Dorfkramer führte dann aus, dass BenQ es beim Kauf auch gewusst hatte, jedoch BenQ die Verantwortung für seine Mitarbeiter auch in Deutschland hat und Siemens hat Verantwortung für seine Mitarbeiter auch in Taiwan. Eine schneidende Frauenstimme warf dann ein "Sind Sie Herr Kleinfeld?" Und: "Hat Siemens denn keine Verantwortung für Mitarbeiter in Deutschland?" "Was meinen Sie damit?" "Sie verstehen mich ganz genau. Hat Siemens keine Verantwortung für Mitarbeiter in Deutschland?" Zwei Sekunden Schweigen. "Danke das genügt." Abgang der Frau und drei weiterer Personen.

Jedoch entwickelte sich dann das fruchtbarste Gespräch des Tages, da es alle Seiten beleuchtete, also natürlich die Frage anriss, inwieweit Siemens eine Verantwortung trifft und warum Klaus Kleinfeld sich nicht in Taiwan für den Standort eingesetzt und klar gemacht hat, dass BenQ eine Verantwortung als Käufer habe. Es wurde dann überlegt und man fragte sich, ob Kleinfeld einfach so naiv war, zu glauben, Taiwan würde sich in irgendwelcher Weise um die übernommene Firman kümmern. Es sei also auch ein Kulturproblem, das von vielen deutschen Firmenbossen nicht so gesehen würde. Und das würde dann eben Auswirkungen haben wie Hetzkampangen gegen Sündenböcke im eigenen Land. Das zeige das Beispiel der Diskussion vorher. Als die Taiwanesen sprachen, sprang das Publikum sofort auf deren Meinung an. Natürlich haben die Taiwanesen geschickt die Interessen ihres Landes vertreten. Jedoch mussten sie offensichtlich das erste Mal feststellen, dass es in Deutschland auch Menschen gibt, die ihnen nicht alle Geschichten abkaufen. Eine Frühwarnung.

Die schönsten Ereignisse waren die mit interessierten Menschen und zwar aller Generationen. Die sechs vierzehnjährigen Burschen aus Ingolstadt, die einfach nur nachfragten, was das soll, den 79jährigen Philosophen, der meinte Pascal hätte ja so ein Gesetz aufgestellt, man müsse nur was anfangen, also eine Art Gesetz der Vermehrung. Und natürlich der Herr, der klar und deutlich über die deutsche Medienwirklichkeit schwadronierte. Schlechte Ereignisse gab es kaum, da ja auch die Performance nicht oder wenig ,Interessierte angriff. Im Gegenteil, das Klo brachte,erst einmal viele zum Schmunzeln.

So unternahm Dorfkramer wieder einmal einen Versuch, ein schwieriges politischen Thema zu kommunizieren. Erreicht wurden mehrere hundert Menschen und vielleicht zwei Dutzend setzten sich näher damit auseinander. Mehr kann man nicht erhoffen, das ist ein zufriedenstellende Aktion. Die Performance wird vielleicht an deutschen Universitätsstädten fortgesetzt. Ziel ist weiterhin eine umfassende öffentliche Diskussion über die REALEN Auswirkungen der Globalisierung und die Schwächen, die Deutschland darin hat. Dorfkramer sucht dazu Autoren.

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